Innsbrucker Physiker erforscht Hörimplantate-Frühanpassung
Dies sei das erste gemeinsame Ziel der Professur, die vom Tiroler Hörimplantatehersteller MED-EL gestiftet und mit 1,4 Millionen Euro ausgestattet wurde. Bisher hätten Patienten zwischen vier und sechs Wochen gewartet, bis das Cochlea-Implantat in Betrieb ging, berichtete Zelger, der seit 1. Februar den Stiftungslehrstuhl für Experimentelle Audiologie innehat. Erst dann hätten sogenannte "Anpassungssitzungen" zur Justierung des Implantats stattgefunden.
Diese Zeit zu verkürzen, sei sinnvoll: "Im besten Fall erfolgt daher eine Einschaltung des Implantats bereits einen Tag nach der Operation." Ein solch frühes Einschalten könne "die Heilung nach der Operation fördern", hätte den ganz handfesten Vorteil, dass "Patienten die Klinik bereits hörend verlassen können" und ermögliche nicht zuletzt "frühere Anpassungssitzungen" zur Justierung der Implantate, führte der Professor für Experimentelle Audiologie aus und betonte damit die Wichtigkeit einer solchen "Early Activation".
Ein kurzes Einschalten für erste Anpassungen könnten eventuell sogar schon während der Operation durchgeführt werden. So sei es etwa sogar denkbar, dass "das Hörvermögen unter Narkose mit Hilfe von KI-Algorithmen auf den Wachzustand hochgerechnet und beim ersten Einschalten während des Eingriffs bereits eine möglichst genaue Einstellung der Lautstärke erzielt wird." Im folgenden Wachzustand gehe es dann schon um das "Feintuning", strich Zelger heraus.
Weltweit immer mehr Hörstörungen
All diese Forschungsbemühungen stünden unter dem Motto "Faktor Zeit", betonte Simone Graf, Direktorin der Universitätsklinik für Hör-, Stimm- und Sprachstörungen. Vor allem vor dem Hintergrund des zunehmenden Älterwerdens der Bevölkerung gehe die "World Health Organziation (WHO)" davon aus, dass "im Jahr 2050 beinahe jeder vierte Mensch von einer Hörstörung betroffen sein wird". Diese beträfen nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder, was "Frühererkennung und Therapien um Langzeitfolgen vorzubeugen" besonders relevant mache, betonte Graf.
Zudem bestehe ein wissenschaftlich noch nicht exakt erforschter Zusammenhang zwischen Hörstörungen und Demenz. "Das Risiko an Demenz zu erkranken ist damit wesentlich höher", hielt Graf fest. "Wir sind somit maßgeblich auf Forschung in diesem Bereich angewiesen, welche mit Unterstützung dieser Stiftungsprofessur auch intensiviert werden kann", erklärte die Medizinerin in diesem Zusammenhang.
Eine solche Zusammenarbeit funktioniere jedenfalls dann am besten, wenn sich "Wissenschaft, Klinik, Entwickler und Studienpatienten" zusammenfänden, betonte die Geschäftsführerin von MED-EL, Ingeborg Hochmair. Dem stimmte auch Gert Mayer, Rektor der Medizinischen Universität Innsbruck, zu: "Die Kooperation mit MED-EL ist ein großer Gewinn für uns." Man sei "stets auf der Suche nach Partnern in der innovativen Industrie" und habe einen solchen mit dem Tiroler Hörimplantatehersteller auch gefunden.
Zusammenfassung
- Der Innsbrucker Physiker Philipp Zelger will, dass Cochlea-Implantate künftig bereits einen Tag nach der Operation aktiviert werden, statt wie bisher nach vier bis sechs Wochen.
- Die auf fünf Jahre angelegte und mit 1,4 Millionen Euro von MED-EL finanzierte Stiftungsprofessur erforscht, wie frühes Einschalten die Heilung fördert und Patienten die Klinik hörend verlassen können.
- Angesichts einer erwarteten Zunahme von Hörstörungen – laut WHO wird 2050 fast jeder vierte Mensch betroffen sein – gilt die beschleunigte Anpassung als wichtiger Beitrag zur Früherkennung und Therapie.
