APA/HANS PUNZ

Hunderte Missbrauchsfälle bei US-"Southern Baptists"

23. Mai 2022 · Lesedauer 2 min

Ein externer Untersuchungsbericht hat eine Vielzahl von sexuellen Übergriffen in den Reihen der Southern Baptist Convention (SBC), der größten protestantischen Glaubensgemeinschaft in den USA, bestätigt.

Opfer von Missbrauch, die Übergriffe gemeldet hatten, seien auf Widerstand, Blockaden und offene Feindseligkeit gestoßen, heißt es in dem am Sonntag (Ortszeit) veröffentlichten Bericht laut Kathpress.

Missbrauchsanzeigen kontrolliert und unterdrückt

Das unabhängige Unternehmen "Guidepost Solutions" kam zu dem Ergebnis, dass hochrangige Führungskräfte der SBC über viele Jahre Missbrauchsanzeigen kontrolliert und unterdrückt hätten. Der rund 300 Seiten starke Bericht nennt mehrere Hundert mutmaßliche Missbrauchstäter, die in den vergangenen beiden Jahrzehnten in Diensten der SBC standen. Das Exekutivkomitee führte demnach Listen, ohne gegen die mutmaßlichen Täter vorzugehen.

Reformen sollen eingeleitet werden

Er sei "zutiefst betrübt" über die Ergebnisse der siebenmonatigen Untersuchung, so SBC-Präsident Ed Litton. Er forderte seine Kirche auf, ihre Kultur zu verändern und Reformen einzuleiten. Die Autoren des Berichts empfehlen unter anderem die Bildung einer unabhängigen Kommission, die Missbrauchsfälle innerhalb der SBC ab sofort untersucht.

Keine Krise, sondern "Apokalypse"

Bei der Jahresversammlung der SBC im vergangenen Jahr hatten sich Tausende Delegierte mit ihrer Forderung durchgesetzt, dass das Exekutivkomitee nicht mehr länger eigenes Fehlverhalten untersucht. Der frühere SBC-Kommunikationschef, Russell Moore, hatte zuvor die Führungsspitze des Exekutivkomitees beschuldigt, die Aufklärung von Missbrauchsfällen zu blockieren.

Die Untersuchungsergebnisse enthüllten eine Realität, die "weitaus bösartiger und systemischer ist, als ich es mir vorstellen konnte", sagte Moore nach der Lektüre des Berichts. Dies sei keine Krise, sondern eine "Apokalypse".

Präsident Ed Litton kündigte an, beim SBC-Jahrestreffen Mitte Juni im kalifornischen Anaheim nicht mehr für den Vorsitz zu kandidieren.

Quelle: Agenturen / ddj