Sturzopfer und verunglückter Hühner-Lkw in Oberösterreich
Die Exekutive hatte mit zahlreichen kleineren Glatteis-Unfällen alle Hände voll zu tun. Montagabend wurden in Polling (Bezirk Braunau) ein 55-Jähriger und ein 19-Jähriger bei der Frontalkollision ihrer Fahrzeuge verletzt und landeten im Spital. Von Verletzten bei Autounfällen im dienstäglichen Frühverkehr war bisher aber nichts bekannt. Umso mehr Fußgänger dürfte es erwischt haben: Die Ambulanz sei voll, hieß es beim Unfallkrankenhaus Linz, die zu Verarztenden seien "sicher zu 90 Prozent" Sturzopfer. Der Welser Tiergarten wurde aus Sicherheitsgründen den ganzen Dienstag gesperrt, teilte die Stadt mit.
Die Feuerwehren verzeichneten seit Montagnachmittag rund 100 Einsätze, einer der spektakulärsten war ein Unfall in Frankenmarkt. Dort kam gegen 3.15 Uhr ein mit rund 2.000 Hühnern beladener Lkw auf einer abschüssigen glatten Straße ins Rutschen. Das Fahrzeug kippte seitlich in eine Wiese, dabei fielen einige Käfige vom Lastwagen. Mehrere Tiere verendeten bei dem Unfall, einige wurden verletzt. Der Großteil wurde laut Polizei auf einen anderen Lastwagen umgeladen.
Vor allem im Zentralraum kam es seit Montagabend zu wetterbedingten Verspätungen und Kursausfällen im regionalen Bus- und Bahnverkehr, berichtete der Oberösterreichische Verkehrsverbund (OÖVV). In einigen Regionen Oberösterreichs hätten einzelne Kurse aufgrund von Straßensperren auch abgebrochen werden oder über Umleitungen ausweichen müssen, damit seien nicht alle Haltestellen angefahren worden. Man rechne damit, dass sich mit der Beruhigung der Wetterlage der Normalbetrieb bald wieder einstellen werde. Die Fahrgäste werden ersucht, sich vor Fahrtantritt in der digitalen Fahrplanauskunft auf der Website oder in der OÖVV-Routenplaner-App über etwaige Ausfälle und Verzögerungen zu informieren.
14.000 Tonnen Streusalz
Die Witterung beschert den Winterdiensten Hochbetrieb. Allein in den vergangenen Tagen wurden in Oberösterreich mehr als 14.000 Tonnen Streusalz eingesetzt - ein Rekordwert für einen so kurzen Zeitraum, hieß es in einer Presseaussendung von Infrastrukturlandesrat Günther Steinkellner (FPÖ) am Dienstag. In Linz wurden von Donnerstagabend bis Dienstagfrüh rund 700 Tonnen Streusalz und rund 500 Tonnen Splitt von Mitarbeitenden des städtischen Winterdienstes in rund 5.000 Einsatzstunden ausgebracht, hieß es in einer Aussendung der Stadt. Das entspreche etwa der Hälfte eines durchschnittlichen Jahresverbrauchs an Streumaterialien.
Um Engpässe bei einzelnen Straßenmeistereien zu vermeiden, wurde kurzfristig das Sperrlager im Ennshafen geöffnet, aus dem sich mehrere Meistereien direkt bedienen. "Diese flexible Umlenkung der Logistik ist notwendig, um überall dort Salz bereitzustellen, wo es aktuell am dringendsten benötigt wird", so Steinkellner. "Die Salzversorgung ist trotz der hohen Verbräuche weiterhin gesichert", betonte er. Das unterstrichen auch die Salinen Austria, die Streusalzlager seien gut gefüllt. "Das Nadelöhr ist die Logistik", sagte eine Sprecherin. Pro Tag könnten 7.000 Tonnen Streusalz ausgeliefert werden, wobei nun viele Bestellungen kurzfristig hereinkämen. "Wir hatten letztes Wochenende Sonderschichten bei der Verladung und werden das auch dieses wieder so machen." Rund 230.000 Tonnen Streusalz seien noch gelagert.
Eisiger Schulweg
Seitens der Bildungsdirektion Oberösterreich gab es keine Schulschließungen wegen des Eiswetters, es könne aber durchaus regionale Lösungen geben, hieß es. Falls es angebracht sei, könnten Direktorinnen und Direktoren für ihre Schule beschließen, dass die Kinder entschuldigt seien. Nach APA-Informationen kam dies durchaus vor, an einer kleinen Schule im Innviertel etwa gab es in der Früh keinen Bustransport, die Kinder galten als entschuldigt.
Flughafen Linz in Betrieb
Beim Flughafen Linz hieß es auf APA-Anfrage, es sei geöffnet, allerdings seien die Pistenwerte noch nicht ausreichend für die meisten internationalen Airlines. Diese Werte sagen etwas über die Griffigkeit der Landebahn aus und die Fluglinien haben dazu interne Vorgaben, ab welchen Werten sie starten bzw. landen können.
Man erwarte, am Nachmittag Werte zu erreichen, die es erlauben würden, Ausweichflüge aufzunehmen, so Sprecher Ingo Hagedorn. Es sei allerdings bisher keine Anfrage eingegangen und man rechnete auch nicht mehr damit, da der Flughafen Wien ab 11 Uhr wieder in Betrieb war.
Zusammenfassung
- Glatteis führte in Oberösterreich seit Montagabend zu rund 100 Feuerwehreinsätzen, zahlreichen Verkehrsunfällen und vielen Stürzen, wobei das Unfallkrankenhaus Linz meldete, dass „sicher zu 90 Prozent“ der Verletzten Sturzopfer sind.
- In Frankenmarkt verunglückte ein Lkw mit rund 2.000 Hühnern, mehrere Tiere starben oder wurden verletzt, der Großteil konnte auf einen anderen Lkw umgeladen werden.
- Mehr als 14.000 Tonnen Streusalz wurden innerhalb weniger Tage in Oberösterreich verbraucht, die Salzversorgung bleibt laut Behörden und Salinen Austria trotz hoher Nachfrage gesichert.
