APA - Austria Presse Agentur

Hoffnung auf Rettung Überlebender in Deutschland gering

21. Juli 2021 · Lesedauer 3 min

Knapp eine Woche nach den Überschwemmungen im Westen Deutschlands sieht die Vizepräsidentin des Technischen Hilfswerks (THW), Sabine Lackner, kaum Chancen, noch Überlebende zu finden. Die Zahl der Todesopfer ist innerhalb knapp einer Woche bis Dienstag bereits auf über 170 gestiegen. Die deutsche Bundesregierung hat unterdessen Soforthilfen beschlossen. Außerdem ist ein milliardenschwerer Aufbaufonds geplant.

Der Bund will demnach zunächst bis zu 200 Millionen Euro verfügbar machen. Die Regierung geht davon aus, dass die Länder ebenfalls so viel Geld bereitstellen. Zudem schlägt der Bund Gespräche mit den Bundesländern über ein Absicherungssystem "für dieses, aber auch für künftige überregionale Schadensereignisse von erheblichem Ausmaß" vor.

Die Regierung hat als Konsequenz aus der Flutkatastrophe und der Corona-Pandemie erste Schritte einer neuen Vorsorgestrategie beschlossen. Innenminister Horst Seehofer (CSU) versprach am Mittwoch in Berlin eine engere Zusammenarbeit von Bund und Ländern im Katastrophenschutz. Gleichzeitig stellte er in Aussicht, dass die Bevölkerung bei Hochwasser und anderen Gefahren künftig auch per SMS gewarnt werden soll.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) kündigte unterdessen an, künftig noch präzisere Prognosen liefern und dabei vor allem die Pegelvorhersagen bei Sturzfluten optimieren zu wollen. Auch am kommenden Wochenende könnte es nach DWD-Vorhersagen wieder Starkregen geben. Für eine genaue Einordnung der Niederschlagsschwerpunkte sei es zwar noch zu früh.

Aus Rheinland-Pfalz wurden bis dato 123 und aus Nordrhein-Westfalen 48 Unwetter-Tote bestätigt. 760 Verletzte seien bisher behandelt worden, und 155 Menschen würden noch immer vermisst, hieß es seitens der Polizei am Mittwoch. Rund 40.000 Menschen seien von der Katastrophe betroffen. Pro Tag seien rund 2.000 professionelle Helfer und etwa 300 Seelsorger und Psychologen im Einsatz, sagte der Leiter des Krisenstabs.

Straßen, Bahngleise, Brücken, Mobilfunkmasten, Strom-, Gas- und Wasserleitungen sind vielerorts zerstört. Die Wassermassen haben nach Angaben der Deutschen Bahn allein sieben Regionalstrecken in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz so stark beschädigt, dass man sie neu bauen oder umfangreich sanieren muss. Gleise auf rund 600 Kilometern seien betroffen.

Sorgen bereitet die Versorgung von Patienten in den Katastrophengebieten. Manche Arztpraxen in Rheinland-Pfalz seien nicht mehr arbeitsfähig, hieß es am Dienstag - nicht von Hochwasser betroffene Praxen müssten Patienten in einer solchen Lage mitversorgen. Es sei zudem sinnvoll, wenn für chronisch Kranke und sonstige Patienten in Gemeinden und Stadtteilen provisorische "Not-Praxen" sowie "Not-Apotheken" aufgebaut würden.

Große Schäden gibt es auch in der Landwirtschaft - teils wurde Getreide von den Fluten umgewälzt. Andere Felder sind mit Wasser durchtränkt, so dass die schweren Mähdrescher nicht darauf fahren können und die Böden erst trocknen müssen.

Die Mainzer Landesregierung hatte für Betroffene der Katastrophe in Rheinland-Pfalz am Dienstag Soforthilfen bis zu 3.500 Euro pro Haushalt beschlossen. Darüber hinaus seien auf dem Spendenkonto der Landesregierung mehr als 6,2 Millionen Euro an Privatspenden eingegangen.

Nach dem Hochwasser von Donau und Inn hat die Stadt Passau unterdessen Entwarnung gegeben. Für die beiden Flüsse lägen keine Meldestufen mehr vor, die Pegel würden laut Prognose weiter zurückgehen, teilte die Stadt am Mittwoch mit. Alle Straßensperrungen seien aufgehoben.

Quelle: Agenturen