APA - Austria Presse Agentur

Heftige Gewitter über Österreich niedergegangen

29. Juli 2020 · Lesedauer 5 min

Schwere Gewitter sind am Dienstagabend und in der Nacht auf Mittwoch über weiten Teilen Österreichs niedergegangen und haben den Feuerwehren Dauereinsätze gebracht. Schwerpunkte waren Ober- und Niederösterreich sowie Wien.

In Oberösterreich waren vor allem die westlichen Bezirke Braunau, Ried im Innkreis und Vöcklabruck betroffen. Der starke Hagel durchlöcherte viele Dächer. Die Freiwilligen Feuerwehren sicherten oder deckten provisorisch die beschädigten Dächer ab, um das Eindringen von Regenwasser zu verhindern. Umgestürzte Bäume wurden von Straßen entfernt.

In der Gemeinde Attersee setzte ein Blitzschlag das Dach eines Bauernhofes in Brand. 100 Helfer von neun Feuerwehren retteten den Wohntrakt zum Teil, aber der Dachstuhl und der Stallzubau wurden zur Gänze ein Raub der Flammen. Die Schadenshöhe war am Mittwochvormittag noch unbekannt.

Laut einer Bilanz des Landesfeuerwehrkommandos sind im gesamten Bundesland insgesamt 67 Feuerwehren mit 1.100 Helfern zu 160 Einsätzen ausgerückt. Die Aufräumungsarbeiten dauerten zum Teil noch am Mittwoch an.

Zentrum des Unwettergeschehens in Niederösterreich war der Bezirk St. Pölten. Am Dienstagabend und in der Nacht auf Mittwoch wurden 270 Unwettereinsätze gezählt, sagte Landes- und Stadtfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner. Etwa 100 waren es demnach allein in der Landeshauptstadt.

Der Feuerwehrchef berichtete u.a. von einem großen Wassereintritt in den Stadtsälen. Teile des Blechdaches seien abgetragen worden. Der Hoteltrakt (Cityhotel D&C, Anm.) selbst sei nicht betroffen gewesen.

Laut FF St. Pölten-St. Georgen waren innerhalb kürzester Zeit 60 bis 80 Liter pro Quadratmeter niedergegangen. "Diese Wassermassen brachten das Kanalsystem an seine Grenzen."

Im Bezirk St. Pölten und damit im Zentralraum des Bundeslandes standen laut Franz Resperger, Sprecher des Landeskommandos, 50 Feuerwehren im Einsatz. Bis weit nach Mitternacht mussten überflutete Keller ausgepumpt, nach Hangrutschungen vermurte Straßen gereinigt und Dutzende umgestürzte Bäume beseitigt werden, die auf Strom- und Telefonleitungen, aber auch auf Schienen von Bahnstrecken gekracht waren. Verletzt wurde niemand. Der Bezirk Tulln wurde laut Resperger von den Ausläufern des Unwetters gestreift.

In Wien wurde vor allem der Bezirk Döbling getroffen. Von knapp 200 zusätzlichen Einsätzen der Wiener Berufsfeuerwehr wegen der Gewitter betraf fast ein Viertel diesen Bezirk und da vor allem die Krottenbachstraße und Umgebung. Neben Döbling waren die Bezirke Penzing, Ottakring, Hernals und Brigittenau am stärksten betroffen.

Die meisten Einsätze waren "Unwetter-typisch": Umgestürzte Bäume, Wassereintritt über Dächer oder auszupumpende Räume. "Es gab zum Glück kaum Einsätze mit Personengefährdung", betonte der Sprecher der Berufsfeuerwehr, Gerald Schimpf. Sein Resümee: "Es ist gestern Abend ziemlich rund gegangen."

In Tirol verzeichnete die dortige Leitstelle am späten Dienstagnachmittag und -abend rund 20 Einsätze, wie es gegenüber der APA hieß. Betroffen war etwa das Zillertal. Im Raum Zell, Gerlosberg und Ramsberg gingen schwere Unwetter mitsamt wolkenbruchartigen Niederschlägen und orkanartigem Wind nieder. Bei einem Wohnhaus in Ramsau stürzte ein Baum auf zwei Carports und einen Hundezwinger, auf das Dach des Nachbarhauses stürzte ebenfalls ein Baum. Die Gemeindestraße wurde für zwei Stunden gesperrt. Auch in den Bezirken Kitzbühel und Kufstein wurden in einigen Gemeinden vereinzelt Hagel- und Sturmschäden verzeichnet. Auch dort hielten vor allem umgestürzte Bäume die Einsatzkräfte auf Trab.

In Vorarlberg machten Unwetter mit Starkregen und Hagelschlag 15 Feuerwehr-Einsätze notwendig. In der Mehrzahl der Fälle mussten unter Wasser stehende Keller ausgepumpt werden. Auch Straßen wurden überflutet und durch umgestürzte Bäume verlegt. Besonders betroffen war die Region Hohenems-Altach-Götzis. In Altach ging ein Blitzeinschlag in ein Einfamilienhaus glimpflich aus, die Feuerwehr konnte verhindern, dass das Gebäude in Brand geriet. In Schwarzenberg (Bregenzerwald) wurde eine 39-jährige Autofahrerin bei einem durch das Unwetter ausgelösten Frontalunfall verletzt. Ein 38-jähriger Fahrzeuglenker war in einer scharfen Rechtskurve aufgrund von Starkregen und Hagel auf die Gegenfahrbahn geraten.

Auch über den obersteirischen Bezirken und in der West- und Südsteiermark gingen in der Nacht auf Mittwoch heftige Unwetter nieder. In den Bezirken Liezen, Leoben, Bruck-Mürzzuschlag, Murtal und Hartberg-Fürstenfeld wurden Keller ausgepumpt sowie Bäume von Straßen entfernt, wie der Landesfeuerwehrverband mitteilte. Gesamt waren rund 60 Feuerwehreinsätze zu bewältigen. In Haus im Ennstal prallte eine Pkw-Lenkerin gegen einen umgestürzten Baum, sie blieb unverletzt.

In Salzburg hat die Sturm- und Gewitterfront eine Vielzahl vor allem kleinerer Schäden verursacht. Am stärksten betroffen waren der Pinzgau, der Pongau und der Tennengau. Wie die Salzburg AG berichtete, waren zeitweise bis zu 4.000 Haushalte ohne Strom. Es kam zu kleineren Murenabgängen, Bäche traten über die Ufer, Keller und Tiefgaragen standen unter Wasser, Bäume wurden entwurzelt oder Dächer abgedeckt. Der Schwerpunkt der Ereignisse lag dabei entlang eines Streifens von Leogang über Saalfelden, Maria Alm und Mühlbach bis nach Filzmoos. Im Tennengau war das Lammertal besonders betroffen.

Insgesamt waren 750 Einsatzkräfte von 25 Feuerwehren bei 180 Einsätzen unterwegs, informierte das Landfeuerwehrkommando. Am Pass Lueg wurde die Salzachtal Straße (B159) und der dazugehörende Radweg von umgefallenen Bäumen und Geröll an mehreren Stellen blockiert. Weil die Aufräumarbeiten bis zur Dämmerung nicht abgeschlossen werden, wurde die Verbindung am Abend gesperrt.

Laut dem österreichischen Blitzortungssystem ALDIS war der Dienstag zwar der bisher stärkste Blitz-Tag des Jahres 2020, doch mit 5.700 Wolke-Erde-Blitzen nicht außergewöhnlich. "Wir haben in den vergangenen Jahren mitunter 20.000 Blitze am Tag gehabt", sagte Wolfgang Schulz von ALDIS. Starke Gewitter waren im Jahr 2020 überhaupt bisher eher die Ausnahme. Ein Blick auf die ALDIS-Homepage verrät, dass 2020 bis inklusive 28. Juli das bisher schwächste Gewitterjahr zurückreichend bis inklusive 1992 war.

Quelle: Agenturen