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Hälfte der E-Zigaretten in Europa aus irregulären Quellen

Heute, 10:35 · Lesedauer 3 min

Fast die Hälfte der E-Zigaretten in Europa stammt aus irregulären Quellen, 90 Prozent davon aus China. Das besagt eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts, in der Marktstrukturen, Lieferketten und Herkunftsländer umfassend untersucht wurden. Das Marktvolumen irregulärer E-Zigaretten liegt demnach bei rund 6,6 Milliarden Euro. Bis 2030 wird ein Wachstum des Marktes auf 10,8 Milliarden Euro erwartet, hieß es am Donnerstag bei einem Online-Pressegespräch.

"Zum ersten Mal ist es uns gelungen, den irregulären Markt für E-Zigaretten in Europa systematisch abzubilden - basierend auf Handels- und Lieferkettenanalysen, Zollstatistiken und Marktsegmentierungen", sagte Uwe Veres-Homm, Leiter der Risiko- und Standortanalyse am Fraunhofer IIS.

Als irreguläre Produkte gelten Grau- und Schwarzmarktprodukte, die gegen nationale Steuervorschriften, Kennzeichnungsvorschriften oder Zulassungsvorschriften verstoßen oder deren Herkunft nicht eindeutig nachverfolgt werden kann. Davon lassen sich 35 Prozent eindeutig dem illegalen Handel zuordnen, rund 13 Prozent sind private Importe nicht zugelassener oder unversteuerter Produkte.

Für die Regierungen und die EU bedeutet diese Praxis jedes Jahr einen millionenschweren Verlust. Allein in Deutschland belief sich der geschätzte Steuerausfall im Jahr 2024 auf rund 119 Millionen Euro. Der irreguläre Markt wächst weiter, mit einer geschätzten Rate von 8,6 Prozent pro Jahr, geht aus den Daten hervor.

Hauptquelle China

Die Hauptquelle für Importe in die EU ist China, wobei Shenzhen den Angaben zufolge als Zentrum gilt. Rund 72 Prozent der chinesischen E-Zigaretten-Produktion findet dort statt, und 70 Prozent der Hersteller von Vaping-Geräten haben dort ihren Sitz, zeigen die Daten der aktuellen Studie. Deutschland, die Niederlande und Belgien sind demnach zentrale Drehkreuze für den weiteren Vertrieb innerhalb Europas. Verbraucher bestellen aber immer öfter direkt in Asien. Und Plattformanbieter profitieren hier von der Uneinheitlichkeit der EU-Vorschriften, wurde bei dem Pressegespräch kritisiert.

"E-Zigaretten aus irregulären Quellen umgehen Verbraucherschutz und Qualitätskontrollen und sind für Hersteller äußerst profitabel", sagte Horst Manner-Romberg, Geschäftsführer der MRU Beratungs- und Verlagsgesellschaft mbH, die mit dem Fraunhofer IIS zusammengearbeitet hat. Preisunterschiede innerhalb des EU-Binnenmarktes würden Anreize für Schmuggel und Reimporte aus Nachbarländern schaffen und legale Anbieter unter Druck setzen, ergänzte er.

Logistik als Komplize

"Vape-Produkte gelangen in Standardverpackungen in die EU. Was wie harmlose Sendungen aussieht, summiert sich zu einem Schattenmarkt im Wert von Milliarden", sagte Rico Back, geschäftsführender Partner der SKR AG, die die Studie in Auftrag gegeben hat. "Die Folgen für die Wirtschaft und Gesellschaft sind immens, und die Logistik steht unfreiwillig im Zentrum des Problems", kritisierte er. In Sachen Logistik wünscht er sich mehr Transparenz und eine enge Zusammenarbeit mit den Herkunftsländern.

Ein generelles Verbot von E-Zigaretten, wie es derzeit öffentlich diskutiert wird, halten die Experten mit Blick auf die Studienergebnisse für kontraproduktiv. Werden legale Vertriebskanäle vollständig geschlossen, bestehe die Gefahr der Abwanderung in den illegalen Sektor, fürchten sie. Für eine effektive Stabilisierung des Marktes wünschen sich die drei Fachmänner einheitliche Definitionen und Produktklassifizierungen von E-Zigaretten, die digitale Rückverfolgbarkeit der Produkte und eine bessere Zusammenarbeit mit den Herkunftsländern, insbesondere bei Massenware aus China.

Zusammenfassung
  • Fast die Hälfte der E-Zigaretten in Europa stammt aus irregulären Quellen, wobei 90 Prozent davon aus China kommen und das Marktvolumen 2024 bei rund 6,6 Milliarden Euro liegt.
  • Der irreguläre Markt wächst jährlich um 8,6 Prozent und verursacht allein in Deutschland einen Steuerausfall von rund 119 Millionen Euro.
  • Experten warnen vor einem generellen Verbot von E-Zigaretten und fordern stattdessen einheitliche Definitionen, digitale Rückverfolgbarkeit und eine bessere Zusammenarbeit mit Herkunftsländern wie China.