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Gletscherbruch in Dolomiten: Bisher zehn Tote geborgen

Nach der Gletscher-Lawine in den Dolomiten am Sonntag sind bisher zehn Todesopfer geborgen worden. Die Rettungseinheiten fanden am Donnerstag die Leiche eines der beiden letzten Vermissten.

Gesucht wird jetzt noch eine weitere Person, dabei handelt es sich um einen Italiener. Die Suchaktion wurde seit dem frühen Morgen unter Eis und Geröll fortgesetzt. Dabei wurden Leichenteile, Eispickel und Rucksäcke gefunden, teilten die Rettungseinheiten mit.

Von den zehn Todesopfern wurden vier Italiener und zwei Tschechen identifiziert. Die niedrigeren Temperaturen ermöglichten es, dass die Suchaktion, die bisher mit Drohnen und Hubschraubern geführt wurde, mit Rettungsmannschaften fortgesetzt werden konnten. Sieben der acht Verletzten liegen noch im Krankenhaus. Am Samstag ist in der Trentiner Ortschaft Canazei ein Trauertag vorgesehen. Der Erzbischof von Trient, Lauro Tisi, wird eine Gedenkfeier zu Ehren der Opfer abhalten.

Bergspitze mehrere Wochen nicht zugängig

Der Zugang zur Bergspitze der Marmolata blieb unterdessen geschlossen. Der höchste Berg der Dolomiten, der in den Provinzen Trient und Belluno liegt, wird laut Experten mehrere Wochen lang nicht mehr zugänglich sein. Der Trentiner Tourismus bangt um die Sommersaison, die nach zweieinhalb Pandemie-Jahren wieder in Schwung gekommen war.

Die Urlaubsstimmung im Trentino ist wegen der Lawinentragödie getrübt. Die Bürgermeister der Gegend befürchten daher eine Urlauberflucht. "Die Berge im Trentino sind nach wie vor zugänglich, ebenso wie die Berghütten und -straßen. Geschlossen ist nur der Marmolata-Gletscher. Es wird eine falsche Botschaft vermittelt: Es scheint, dass man hier nirgendwo mehr hingehen könne, das stimmt aber nicht", betonte der Bürgermeister der Trentiner Berggemeinde Rocca Pietore, Severino Andrea De Bernardin.

Lediglich der Seilbahnabschnitt zur Punta Rocca, dem Unglücksort im Herzen des Marmolata-Massivs, sei geschlossen. "Dies wurde aus Respekt vor der schrecklichen Tragödie beschlossen, aber vor allem, um den grausamen Tourismus Schaulustiger zu vermeiden", meinte De Bernardin.

Entwicklung einer gemeinsamen Strategie

Dem Fremdenverkehrspräsidenten im Trentiner Fassa-Tal, Paolo Grigolli, zufolge müssen die norditalienischen Bergregionen eine gemeinsame Strategie im Umgang mit den Touristenströmen entwickeln."In den Bergen bestehen Gefahren. Vorsicht ist angesichts des Klimawandels eine Notwendigkeit. Es gibt Aspekte im Tourismus, für die wir in allen Regionen des Alpenbogens eine gemeinsame Linie finden müssen", meinte Grigolli.

Die Provinz Trient denkt aktuell daran, Alarmsysteme für Bergsteiger einzuführen. "Rote Fahnen auf den einsturzgefährdeten Gletschern könnten Alpinisten helfen, bewusstere Entscheidungen zu treffen", sagte der Trentiner Landeshauptmann Maurizio Fugatti. Zugleich soll mit innovativer Technologie der Zustand der Gletscher ständigen Beobachtungen unterzogen werden. "Die Situation in den Alpen hat sich stark geändert. Das Monitoring des Gletscherzustands ist von entscheidender Bedeutung", betonte Fugatti.

ribbon Zusammenfassung
  • Gesucht wird jetzt noch eine weitere Person, dabei handelt es sich um einen Italiener. Die Suchaktion wurde seit dem frühen Morgen unter Eis und Geröll fortgesetzt.
  • Die Rettungseinheiten fanden am Donnerstag die Leiche eines der beiden letzten Vermissten. Sieben der acht Verletzten liegen noch im Krankenhaus.
  • Am Samstag ist in der Trentiner Ortschaft Canazei ein Trauertag vorgesehen.