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Gefährdet, selbst nach der Flucht: Frauen und Mädchen im Ukraine-Krieg

07. März 2022 · Lesedauer 3 min

Über 23 Millionen Ukrainerinnen sind aktuell von den Wirren des Kriegs betroffen - und selbst wenn sie die gefährliche Flucht geschafft haben, sind sie nicht in Sicherheit, denn weitere Gefahren warten.

"Frauen und Mädchen sind besonders gefährdet, im Kriegsgebiet oder auf dem Fluchtweg Opfer sexualisierter Gewalt und Ausbeutung zu werden", sagte Dagmar Pruin, Präsidentin von Brot für die Welt. "Es sind die Frauen, die sich in Krisenzeiten mutig um das Überleben und die Sicherheit ihrer Familien wie auch ihrer Mitmenschen kümmern", ergänzt Reinhard Heiserer, Geschäftsführer der österreichischen Hilfsorganisation Jugend Eine Welt.

In der Ukraine würden Frauen ihre Kinder in Sicherheit bringen, sich um zurückbleibende Senioren, um Kranke und Gebrechliche kümmern. Dabei würden sie tagtäglich ihre eigene körperliche und seelische Unversehrtheit gefährden, so Heiserer. Denn in Notzeiten seien Frauen und Mädchen vermehrt brutaler Gewalt, Diskriminierung und Unrecht ausgesetzt. Ihre Rechte würden eingeschränkt.

Ärztin auf Heimurlaub in Kiew wurde vom Krieg überrascht: "Platz in den Zügen brauchen Kinder und Ältere"

Militärärztin Switlana Kolesnik lebt in Deutschland und war zu Besuch bei ihren Eltern in Kiew als der Krieg ausbrach. Im PULS 24 Interview erklärt sie, dass sie zumindest vorerst in der Ukraine bleibt, denn in der Hauptstadt seien nun hauptsächlich jene, die nicht flüchten können und Hilfe brauchen.

"Das passiert nicht nur jetzt in der Ukraine, sondern auch in anderen aktuellen Konfliktregionen wie in Afghanistan, im Jemen oder in Äthiopien", so Heiserer. Trotzdem würden sich Frauen beständig und mutig für Frieden einsetzen.

Hilfe für Frauen und ihre Kinder bietet Jugend Eine Welt gemeinsam mit dem Don-Bosco-Netzwerk in der Ukraine sowie in den Nachbarländern. Zehn Schwestern sind aktuell in drei ukrainischen Gemeinschaften in der Hauptstadt Kiew, in Odessa und in Lviv präsent. Mit knappen Mitteln versuchen sie, Essen und warme Getränke auszugeben. Die Schwestern nähen laut Angaben der Hilfsorganisation aus Leintüchern und Tischdecken Verbandzeug für Verwundete. Weitere Spenden würden dringend benötigt.

Jeder leitet unter Krieg, aber Frauen mehr

Die gesamte Bevölkerung der Ukraine leide natürlich unter dem Krieg, die Auswirkungen seien aber zwischen den Geschlechtern unterschiedlich ausgeprägt, hieß es von Brot für die Welt. Für Frauen und Mädchen müsse auf der Flucht und "in den Aufnahmestaaten dringend besondere Unterstützung sichergestellt werden", so Pruin. 

Ukraine-Flüchtlingshilfe in Wien: "Es kommen schon laufend Menschen"

Auch in Wien läuft die Hilfe für Flüchtlinge an. PULS 24 Reporterin Magdalena Punz hat mit einer der Organisatorinnen gesprochen.

Kriegstraumata bei Soldaten führt zu Gewalt gegen Frauen und Kinder

Untersuchungen würden zeigen, dass bewaffnete Konflikte die Zunahme von Gewalt gegen Frauen begünstigen. "Kriegstraumata bei Soldaten können zu verstärkter Gewalt gegen Frauen und Kinder führen. Verschärft wird dies durch die Zementierung traditioneller Geschlechterrollen, wenn Frauen und Kinder fliehen und Männer an den Fronten zurückbleiben", heißt es in der Pressemitteilung.

Aktuelle Informationen zum Ukraine-Krieg im PULS 24 Liveblog: 

Diakonie-Vorständin Maria Loheide: "Frauen und Kinder, die jetzt bei uns Schutz suchen, brauchen schnelle und unkomplizierte Hilfe. Das sind nicht nur Wohnmöglichkeiten, sondern auch Informationen über ihre Rechte sowie professionelle Unterstützung und Begleitung. Auch müssen sie schnell einen unkomplizierten Zugang zu Gesundheits-und Sozialdienstleistungen erhalten. Die Diakonie ist in ihren Beratungsstellen vorbereitet, um geflüchteten Menschen und insbesondere den jetzt hier ankommenden Frauen in dieser belastenden Situation zur Seite zu stehen."

Gemeinsam appellieren Brot für die Welt und die Diakonie Deutschland an die deutsche Regierung und die europäische Staatengemeinschaft, Organisationen in der Ukraine, die sich für die Rechte und Sicherheit von Frauen und Mädchen stark machen, finanziell und politisch zu unterstützen. Zudem solle ein schneller und unbürokratischer Zugang zu psychosozialen Leistungen geschaffen werden.

Spenden: Spendenkonto Jugend Eine Welt
IBAN: AT66 3600 0000 0002 4000
Kennwort: Ukrainehilfe

Diakonie Katastrophenhilfe, Berlin
Evangelische Bank
IBAN: DE68 5206 0410 0000 5025 02
BIC: GENODEF1EK1
Stichwort: Ukraine Krise

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam