Gastronomie feiert Lockdown-Ende

19. Mai 2021 · Lesedauer 5 min

Ab sofort können das Schnitzel, der Kaffee oder das Feierabend-Bier wieder im Lokal genossen werden. Nach einem halben Jahr Zwangspause öffnet Österreichs Gastronomie wieder für Gäste. Die ersten Lokale öffneten bereits um 5 Uhr.

Ein halbes Jahr musste die Gastronomie in Österreich geschlossen halten. Nun feiert die Branche das Ende des Lockdowns. Seit 5 Uhr haben die ersten Lokale bereits geöffnet. Trotz trüben Wetters ist die Euphorie bei Wirten und Gästen groß.

Das Lokal "Blumenwiese" am Wiener Donaukanal zählt zu einem der ersten Gastronomiebetrieben, das nach dem Lockdown seine Tore für Gäste wieder öffnete. Um kurz nach fünf startete hier eine Öffnungsparty. Philip Prascer, Chef der "Blumenwiese", ließ zur Feier 200 Luftballons steigen – "für jeden Tag des Lockdowns einen", wie Prascer in der "Kronen Zeitung" zitiert wird. Auch in Bad Ischl öffnete das "K.u.K Hofbeisl" bereits um 5 Uhr. "Wir haben so lange um die Öffnung gekämpft. Jetzt wäre es um jede Minute schade, die wir später aufsperren würden", sagt der Wirt Marcus Hofbauer im Interview mit der "Krone".

Im Zillertal in Tirol, wird ebenfalls bereits der erste Kaffee im Kaffeehaus genossen. PULS 24 Chronik-Chefreporterin Magdalena Punz hat das Café "Kostner" in Mayrhofen besucht. Hier hat man seit 8 Uhr offen. Auch hier ist die Freude über die Öffnung bei Wirt und Gästen groß.

PULS 24 berichtet aus einem Café in Tirol.

Steiermark: Haubenlokal öffnet schon in der Früh

Als vermutlich erstes Haubenlokal Österreichs hat der Steirer Johann Schmuck sein "Broadmoar" im weststeirischen Ort Oisnitz in der Gemeinde St. Josef ebenfalls um 5.00 Uhr aufgesperrt - er servierte ein Gourmetmenü mit mehreren Gängen. "Die Menschen können es nicht mehr erwarten, endlich wieder gut essen zu gehen und auch wir freuen uns, dass es los geht", so Schmuck, der auch zahlreiche Pressevertreter zum morgendlichen Menü bei Sonnenaufgang empfing.

Der Regen hemmte dennoch am frühen Vormittag in Graz bei vielen Betreibern von Gastgärten die lange vorbereiteten Öffnungsschritte: Im Schanigarten des Cafés einer Grazer Bäckereikette in der Heinrichstraße im Bezirk Geidorf räumten die Kellnerinnen zwar schon die Polster auf die Bänke unter einer Markise, aber gegen 9.00 Uhr wollte bei Nieselregen noch niemand Platz nehmen.

Bei der Teststation in der Grazer Messe herrschte in der Früh größerer Andrang als sonst zu dieser Zeit in den vergangenen Tagen - sowohl in der Testspur für angemeldete Antigentests als auch für solche, die sich kurz entschlossen hatten. "Ich habe zwar schon in der Früh mit mehr Menschen gerechnet, aber das wird schon noch kommen, angesichts der Öffnungen", sagte einer der jungen Männer, die Personaldaten aufnahmen.

Österreichs Politiker besuchen Lokale

Die Szenerie erinnerte an die traditionelle Schanigarten-Eröffnung früherer Jahre, die den offiziellen Startschuss für die Freiluft-Saison gab. Das heutige Ereignis war jedoch durchaus historisch. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig und Wirtschaftskammerpräsident Walter Ruck haben am ersten Tag der Gastro-Öffnung dem Café "Frauenhuber" in der Wiener City einen Besuch abgestattet. Sie luden dort zum Fototermin anlässlich der Wiedereröffnung der Gastronomie. Beide zeigten sich über das Ende des coronabedingten Betretungsverbots erfreut - und äußerten Zuversicht, dass kein weiterer Lockdown notwendig sein wird.

"Wir sind alle sehr froh, dass wir wieder die vielfältige Gastronomie in unserer Stadt genießen können", sagte der Bürgermeister. Lob gab es für die Wiener Bevölkerung, die die strengen Schutzmaßnahmen eingehalten habe. Dadurch sei der Rückgang bei den belegten Spitalsbetten schneller erfolgt, so Ludwig. "Es ist wirklich ein schöner, ein großer Tag", befand auch Kammerpräsident Ruck.

Auch die Regierungsspitze nutzt das Ende des Gastro-Lockdowns. Im "Schweizerhaus" im Wiener Prater essen Bundeskanzler Sebastian Kurz, Vizekanzler Werner Kogler, Tourismusministerin Elisabeth Köstinger und Kultur-Staatssekretärin Andrea Mayer zu Mittag. Kanzler Kurz war bereits am Dienstag zu Gast im bekannten Schnitzelrestaurant "Figlmüller". Hier war Kurz beim Bieranstich dabei.

APA - Austria Presse Agentur

Bis zu 500 Euro Strafe bei nicht Einhalten der Maßnahmen

Eine Website empfiehlt Beisln für Impfgegner und Testmuffel. Das Lokal "Holzis" in Stockerau ist ein solches. Die Wirtin Roswitha Holzmann sagt gegenüber Café Puls, sie begrüße "jeden", ungeachtet der Corona-Maßnahmen. Denn für einen Besuch im Lokal brauchen Gäste einen gültigen Eintrittstest. Dabei gilt entweder ein negativer Corona-Test, eine überstandene Erkrankung oder eine Corona-Impfung.

Wer sich nicht daran hält, den können Strafen von bis zu 500 Euro erwarten. Jurist Thomas Höhne erklärt im Café Puls-Talk mit Bianca Schwarzjirg die rechtlichen Folgen von Covid-Verstößen. Wenn man die Regeln nicht einhält, können Lokal-Besucher und sogar Lokalbetreiber bestraft werden. "Wenns blöd hergeht", so Höhne, könnte das sogar pro Tisch berechnet werden. Die Strafen sind weit höher als die bei den Gästen. Es können bis zu 3.500 Euro fällig werden - pro Tisch. 

Jurist Thomas Höhne erklärt im Café Puls-Talk die rechtlichen Folgen von Covid-Verstößen. 

Nachtgastronomie bleibt geschlossen

Auch wenn die Gastronomen sich auf die Öffnungen gefreut haben, sind nicht alle in der Branche zufrieden. Die Nachtclubs und Discotheken bleiben nämlich weiterhin geschlossen. Bei einer Sperrstunde um 22 Uhr rentiere sich das Aufsperren nicht. So auch nicht für Martin Borovnik, dem Inhaber des Viper Room. Café Puls hat mit ihm darüber gesprochen.

Wie geht es Nachtlokalen nach einem Jahr Pause? Café Puls hat sich genau mit dieser Frage beschäftigt.

Angela PerkonigQuelle: Agenturen / Redaktion / pea