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Für Krebspatienten ist gesunder Lebensstil extrem wichtig

09. Feb. 2026 · Lesedauer 4 min

Ein gesunder Lebensstil ist für alle Menschen wichtig. Extrem wichtig ist er für Krebspatienten. Das zeigen zwei Studien aus Deutschland und den USA. Demnach haben Menschen, die nach einer erfolgreich behandelten Krebserkrankung einen gesunden Lebensstil haben, ein um etwa ein Drittel geringeres Sterberisiko. In den USA wurden bezüglich des Rauchens noch deutlich größere Effekte belegt.

Die Erkenntnisse aus Deutschland beruhen auf einer bevölkerungsbasierten Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Untersucht wurden mehr als 6.000 Menschen, die mindestens fünf Jahre zuvor an Brust-, Darm- oder Prostatakrebs erkrankt waren. Die Wissenschafter beobachteten die Teilnehmer an der Studie über einen Zeitraum von bis zu zwölf Jahren und analysierten den Einfluss verschiedener Lebensstilfaktoren auf die Gesamtsterblichkeit.

Das Ergebnis ist eindeutig, wie das DKFZ am Montag mitteilte: Personen mit einem insgesamt gesunden Lebensstil hatten ein um rund 30 Prozent geringeres Sterberisiko als diejenigen mit ungünstigen Lebensgewohnheiten. Besonders wichtig waren dabei vier Faktoren: Nichtrauchen, regelmäßige körperliche Aktivität, gesundes Körpergewicht sowie ein mäßiger oder kein Alkoholkonsum. Am stärksten wirkte sich der Rauchverzicht aus: Bei Menschen, die nie geraucht hatten, kam es im Untersuchungszeitraum zu fast 50 Prozent weniger Todesfällen als bei aktuellen Raucherinnen und Rauchern.

Die Bedeutung eines gesunden Lebensstils zeigte sich unabhängig von Alter, Geschlecht, Krebsart oder dem Vorliegen anderer chronischer Erkrankungen wie Herz-Kreislauf- oder Stoffwechselerkrankungen. "Ein gesunder Lebensstil hilft nicht nur, Krebs zu vermeiden, sondern kann auch nach einer Krebsdiagnose einen großen Unterschied machen", fasste Studienleiter Volker Arndt die Ergebnisse zusammen.

US-Studie speziell zu Rauchen und Krebs

Die wissenschaftlichen Ergebnisse aus Deutschland werden von einer Untersuchung des Cancer Center der Washington Universität in St. Louis (US-Bundesstaat Missouri) unterstützt, die vergangenes Jahr publiziert worden ist (Journal of the National Comprehensive Cancer Network; JNCCN 2025; DOI: 10.6004/jnccn.2025.7059). Menschen, die nach ihrer Krebsdiagnose weiter Tabak rauchten, hatten demnach ein zweifach erhöhtes Risiko, in den folgenden beiden Jahren an ihrem Krebsleiden zu sterben. Das zeigte sich über alle verschiedenen Krebserkrankungen hinweg und bezog sich nicht nur auf Lungenkrebs allein.

In der Studie untersuchten Studienautorin Li-Shiun Chen und ihre Mitarbeiter 13.282 Erwachsene, die sechs Monate lang ambulant onkologisch im Siteman Cancer Center in St. Louis behandelt wurden. Das Team erfasste den Raucherstatus jedes Teilnehmers bei dessen Erstbesuch und verfolgte anschließend die Raucherentwöhnungsraten über die folgenden sechs Monate sowie das Überleben über die nächsten zwei Jahre.

Daten könnten zu Rauchstopp motivieren

Von den 1.725 Patienten, die bei ihrem ersten Besuch angaben, zu rauchen, hörte etwa ein Fünftel innerhalb der folgenden sechs Monate mit dem Rauchen auf. Die Forscher stellten fest, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit zwei Jahre nach dem ersten onkologischen Besuch bei allen Krebsarten und -stadien bei 74 Prozent lag, wenn die Patienten weiterhin rauchten, im Vergleich zu 85 Prozent bei denjenigen, die mit dem Rauchen aufhörten.

Dieser Vorteil zeigte sich vor allem bei Patienten mit fortgeschrittenem Krebs (Stadium 3 oder 4), bei denen der Rauchstopp im Vergleich zu Patienten mit Krebs im Frühstadium (Stadium 1 oder 2) mit einer deutlicheren Steigerung der Überlebensrate in diesem Zeitraum verbunden war. Bei einer anderen Auswertung der Ergebnisse stellten die Forscher fest, dass von den Patienten mit Krebs im Stadium 3 oder 4, die weiterhin rauchten, nach 210 Tagen noch 85 Prozent lebten. Im Vergleich dazu lebten von denjenigen, die mit dem Rauchen aufhörten, nach 540 Tagen noch 85 Prozent. Das entspricht fast einem Jahr zusätzlicher Lebenszeit.

"Patienten mit fortgeschrittenem Krebs fühlen sich oft hoffnungslos", sagte Erstautor Steven Tohmasi. "Wenn sie das Gefühl haben, nur noch wenig Zeit zu haben, ermutigen manche Ärzte sie möglicherweise nicht aktiv zum Rauchstopp oder priorisieren das Wohlbefinden des Patienten gegenüber den Bemühungen um eine Raucherentwöhnung. Doch wenn wir den Patienten unsere Daten zeigen, gibt ihnen das Hoffnung und motiviert sie zum Aufhören. Ein zusätzliches Lebensjahr ist eine lange Zeit für Patienten, denen gesagt wurde, sie hätten nur noch wenige Monate zu leben."

Zusammenfassung
  • Krebspatienten, die nach ihrer Erkrankung einen gesunden Lebensstil pflegen, haben laut einer deutschen Studie ein um rund 30 Prozent geringeres Sterberisiko als Patienten mit ungünstigen Gewohnheiten.
  • Vor allem bei fortgeschrittenem Krebs bringt der Rauchstopp deutlich mehr Lebenszeit – Ex-Raucher mit Stadium 3 oder 4 lebten im Schnitt fast ein Jahr länger als Patienten, die weiter rauchten.