APA/VERENA LEISS

Früherer Objekt-21-Chef erneut wegen Wiederbetätigung vor Gericht

17. Okt. 2022 · Lesedauer 4 min

Der 38-Jährige und seine Schwester wollten an einen verdeckten Ermittler in Ried Waffen und NS-Devotionalien verkaufen. Beide standen am Montag in Ried wegen Wiederbetätigung sowie wegen Vergehen gegen das Waffengesetz vor Gericht.

Die Schwester des früheren Rädelsführer des rechtsextremen Netzwerks "Objekt 21" soll ihm geholfen haben, aus der Haft heraus den Verkauf einer Maschinenpistole samt Munition und von Nazi-Devotionalien einzufädeln. Dabei wurden sie erwischt. 

Bereits einschlägig verurteilt

Der Erstangeklagte kam bereits sehr jung in Kontakt mit nationalsozialistischem Gedankengut, schilderte der Staatsanwalt. Der Höhepunkt dieser "Karriere" sei seine führende Mitgliedschaft im "Objekt 21" gewesen. Dieser braune "Kulturverein" in Oberösterreich war auch als eine Art Schutztruppe für einen Rotlicht-Boss tätig. Auf das Konto der Gruppe gingen u.a. Brandanschläge und Schutzgelderpressungen. Der heute 38-Jährige, der bereits ein sehr langes Vorstrafenregister hat, saß wegen diverser Taten ebenso wie wegen Wiederbetätigung etliche Jahre in Haft.

Wollte Devotionalien an Mithäftling verkaufen 

Zuletzt war der Angeklagte in der Justizanstalt Suben inhaftiert. Dort soll er einen Mithäftling gefragt haben, ob er jemanden kenne, der um 3.000 Euro eine Maschinenpistole samt Munition kaufen wolle. Der andere Insasse meldete das bei der Staatsanwaltschaft. Daraufhin trat als Abnehmer ein verdeckter Ermittler auf. Die Schwester des Angeklagten soll den Verkauf der Maschinenpistole abgewickelt haben.

Damals erfolgte aber kein Zugriff, schilderte der Anklagevertreter. Denn man hatte den Verdacht, dass der 38-Jährige nach wie vor auf größeren Waffenbeständen sitzen könnte und man habe wissen wollen, wie sich das weiterentwickelt. Es entwickelte sich allerdings in eine andere Richtung als gedacht: Der Hauptangeklagte soll wieder auf seinen Mithäftling zugegangen sein und gefragt haben, ob er auch jemanden kenne, der um 20.000 Euro Nazi-Devotionalien kaufen wolle. Der andere zeigte sich interessiert.  Zum Beispiel ging es um eine Hakenkreuzfahne, die bei einer Rede Adolf Hitlers 1934 in Kassel gehangen sei, "ein Heiligtum" in einschlägigen Kreisen, so der Staatsanwalt. Der Mithäftling gab die Information wieder an die Behörden weiter und bei einer Hausdurchsuchung wurden die Devotionalien sichergestellt.

Sowohl der 38-Jährige als auch seine bisher unbescholtene Schwester wurden nach dem Verbotsgesetz und dem Waffengesetz angeklagt. Dem Mann wird auch vorgeworfen, er habe die Vergasung von Juden geleugnet und einschlägige Musik besessen. Sein Verteidiger sagte, sein Mandant habe die Devotionalien nicht zu Propagandazwecken verkauft. Der Anwalt seiner Schwester betonte, dass diese überzeugt gewesen sei, nichts Verbotenes zu tun. Die Frau gab zu, das Gewehr übergeben zu haben, hier bekenne sie sich schuldig.

Schwester glaubte, dass Verkauf in Ordnung

Was die NS-Devotionalien angehe aber nicht. Sie habe sich sogar anwaltlichen Rat eingeholt und die Auskunft erhalten, der Verkauf dieser Dinge an einen Sammler - davon sei sie ausgegangen - sei erlaubt. Das Geld habe sie für einen medizinischen Eingriff gebraucht. Der Mithäftling ihres Bruders habe sie ständig kontaktiert, er habe ihr einmal ein Auto versprochen und eine Reise nach Mexiko, er habe gesagt, er sei früher bei der Navy gewesen. Sie habe gedacht, dass er die Waffe und die Nazi-Andenken besitzen dürfe. Ob es sie nicht gewundert habe, dass so jemand im Gefängnis sitze, fragte der Richter. Aber sie habe das offenbar nicht hinterfragt.

Ihrem Bruder attestierte ein Deradikalisierungsexperte, der seit einigen Monaten mit ihm arbeitet, dass er auf einem guten Weg sei und sich von der Ideologie gelöst habe. Seiner Ansicht nach habe er die Devotionalien nur verkauft, weil es ein lukratives Angebot gewesen sei und er seiner Schwester finanziell habe helfen wollen.

Weil der ehemalige Mithäftling am Montag nicht da war, aber zugesagt hat, zu einem anderen Termin auszusagen, war eine Vertagung zu erwarten.

Franziska SchwarzQuelle: Agenturen / frn