Flugzeug mit Loch in der NaseTwitter/@aviationbrk

Flugzeug im Hagel-Sturm: Suche nach dem Schuldigen

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Eine Maschine aus Mailand in Richtung New York musste am Montag in Rom notlanden. Das Flugzeug war durch ein heftiges Hagelgewitter stark beschädigt worden. Schweizer Meteorologen meinen nun, das Gewitter sei bereits im Gang gewesen, bevor das Flugzeug startete.

Schwere Hagelunwetter halten aktuell den Norden Italiens in Atem. Unter anderem verursachten Hagelgeschosse in Rekordgröße schwere Schäden an Autos und Häusern. Besonderes Aufsehen erregten am Dienstag Fotos einer Boeing 767 der Delta Airlines. Sie war am Montag in ein Hagelgewitter geraten und derart schwer beschädigt worden, dass sie in Rom notlanden musste.

Bilder der komplett demolierten Nase des Flugzeugs sowie von Löchern an Flügeln und Triebwerken zeugen von der zerstörerischen Wucht des Hagels.

Das Flugzeug war kurz nach dem Start vom Flughafen Malpensa in das schwere Hagelgewitter gekommen. Meteorologen eines Schweizer Wetterdienstes rekonstruierten den Vorfall in mehreren Postings auf Twitter.

Sie zeigten, dass das Hagelgewitter bereits eine halbe Stunde vor Start der Maschine, nämlich gegen 12.30 Uhr, westlich von Malpensa ausgebrochen war. Beim Start des Flugzeugs gegen 12.50 Uhr bewegte sich die Gewitterzelle geradewegs in Richtung des Mailänder Flughafens.

Nach dem Abflug drehte die Maschine nach Westen und kam so geradewegs ins Zentrum des Gewitters, wo es gegen 13 Uhr beschädigt wurde und schließlich nach Süden in Richtung Rom abdrehte.

Hätte Start verschoben werden müssen?

Die Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" hat mehrere Piloten zum Vorfall befragt. Diese betonten zwar, dass das Wetter rund um den Flughafen beim Start unbedenklich war, dass die Gewitterzelle sich geradewegs auf den Flughafen zubewegte, war aber absehbar. Es sei "klar ersichtlich" gewesen, dass es auf dem Kurs des Delta-Fluges Hagel und Blitze gab.

Eine Easyjet-Maschine, die kurz vor dem Delta-Flug hätte starten sollen, hatte sehr wohl aufgrund des Wetters ihren Start verschoben.

Wer hat Gefahr unterschätzt?

Die starken Schäden an der Flugzeugnase hätten damit zu tun, dass das Material dort besonders leicht ist, um den Wetterradar, der in der Flugzeugnase untergebracht ist, nicht zu beeinträchtigen. Dass die Nase derart beschädigt wird, sei auf jeden Fall zu vermeiden. Wenn der Wetterradar beschädigt wird, laufe man Gefahr, sozusagen "blind" in Gewitter zu steuern.

Man habe "die Konsequenzen unterschätzt", urteilen die Piloten übereinstimmend. Wo genau der Fehler passiert sei - ob bei den Piloten oder den Flughafenbehörden - sei aber schwer abzuschätzen. Möglicherweise könnte auch der Wetterradar an Bord nicht auf dem neuesten Stand gewesen sein, so eine weitere Hypothese.

Die italienische Flugsicherheitsbehörde ANSV sammelt aktuell alle Informationen zum Vorfall. Nach deren Auswertung werde entschieden, ob eine Untersuchung eingeleitet wird.

Delta Airlines habe auf Nachfrage italienischer Medien jedenfalls nur erklärt, dass "die Sicherheit der Fluggäste in jedem Fall höchste Priorität" habe.

ribbon Zusammenfassung
  • Eine aschine der Delta Airlines ist am Montag nach dem Start in Mailand in ein Hagelgewitter geraten und derart schwer beschädigt worden, dass sie in Rom notlanden musste.
  • Bilder der komplett demolierten Nase des Flugzeugs sowie von Löchern an Flügeln und Triebwerken zeugen von der zerstörerischen Wucht des Hagels.
  • nach dem Vorfall gibt es nun viele Fragen, wie das Flugzeug in ein derart schweres Gewitter geraten konnte.
  • Ein Schweizer Wetterdienst wies nach, dass das Hagelgewitter bereits eine halbe Stunde vor Start der Maschine, nämlich gegen 12.30 Uhr, westlich von Malpensa ausgebrochen war.
  • Bei Start des Fluges sei ersichtlich gewesen, dass dessen Kurs geradewegs ins Zentrum des Hagelunwetters führe. Das bescheinigen auch mehrere Piloten gegenüber italienischen Medien.

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