APA/HERBERT NEUBAUER

Fall Leonie: Tod nach acht Ecstasy-Tabletten und vier Stunden

15. Juli 2022 · Lesedauer 4 min

Der Tod der 13-Jährigen, die am 26. Juni 2021 auf einem Grünstreifen in Wien-Donaustadt von Passanten leblos aufgefunden wurde, ist nach acht Ecstasy-Tabletten innerhalb von vier Stunden eingetreten.

Die drei Beschuldigten im Alter von 19 bis 23 Jahren, gegen die nun Anklage erhoben wurde, sollen zu dem Zeitpunkt, als das Mädchen in die Wohnung mitkam, beschlossen haben, es unter starken Drogeneinfluss zu setzen und gemeinsam zu vergewaltigen. Die 13-Jährige nahm zunächst eine Tablette mit dem Wirkstoff MDA freiwillig, in der Wohnung eines Angeklagten wurden ihr dann laut Staatsanwaltschaft sieben weitere Tabletten aufgelöst in einem Getränk verabreicht. Als die Wirkung einsetzte, soll die 13-Jährige von allen drei Männern missbraucht worden sein. Das Mädchen starb infolge einer Suchtmittelvergiftung und Ersticken einen gewaltsamen Tod.

16-Jähriger Verdächtiger doch älter

Die Verdächtigen müssen sich deshalb wegen des Verdachts der Vergewaltigung mit Todesfolge und des schweren sexuellen Missbrauchs Unmündiger verantworten. Dem ältesten Verdächtigen - der 23-Jährige war zum Tatzeitpunkt 22 Jahre alt - drohen zehn bis zwanzig Jahre oder eine lebenslange Haft. Die beiden anderen waren zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt. Sie werden damit als junge Erwachsene (zwischen 18 und 21 Jahre alt, Anm.) angeklagt, womit ihnen im Fall einer Verurteilung maximal 20 Jahre Haft drohen. Einen Gerichtstermin gibt es noch nicht, die Anklage ist noch nicht rechtskräftig.

Ein Verdächtiger behauptete, zum Tatzeitpunkt erst 16 Jahre alt gewesen zu sein. Weil im Ermittlungsverfahren daran Zweifel bestanden, wurde ein Altersfeststellungsgutachten in Auftrag gebeben, aus dem hervorging, dass der 14. Juli 2002 als spätmöglichstes fiktives Geburtsdatum anzunehmen ist. Somit war der Mann, der angab, am 20. Dezember 2004 geboren zu sein, in Wahrheit zum Tatzeitpunkt bereits 18 Jahre alt. Mittlerweile soll er bereits 20 Jahre alt sein.

Er war es auch, der die 13-Jährige über Instagram kennenlernte. Bereits Wochen vor der Tat soll der Verdächtige gegenüber dem Mädchen zudringlich geworden sein. Die 13-Jährige wollte dies jedoch nicht und schubste ihn laut Zeugen weg. Auch soll sich das Mädchen mit ihm in keiner Beziehung befunden haben, wie dieser vor den Ermittlern stets behauptet hatte.

Vierter Beschuldigter nun Zeuge

In der Tatnacht von 25. bis 26. Juni 2021 traf die 13-Jährige aus dem Bezirk Tulln den damals 18-Jährigen am Donaukanal. Mit zwei Freunden fuhr die Gruppe gegen 2.00 Uhr in die Wohnung eines Verdächtigen in der Donaustadt, wo dem Mädchen die sieben weiteren Ecstasy-Tabletten verabreicht wurden. Gegen 6.00 Uhr war die 13-Jährige tot.

Als die Atmung des Mädchens immer langsamer wurde, gerieten die Männer in Panik. Sie versuchten noch, ihr Tee und Zitrone zu verabreichen bzw. sie mit kaltem Wasser abzuduschen. Das wurde ihnen von einem Freund des 23-Jährigen geraten, der sich die Information in einem Telefonat holte. Als sich die 13-Jährige nicht mehr regte, trugen sie sie vor die Tür und lehnten sie an den Baum. Der 23-Jährige packte sofort seine Sachen, um seine Flucht ins Ausland vorzubereiten. Er wurde Ende Juli 2021 in einem Londoner Hotel gefasst. Die beiden anderen riefen die Rettung und traten als Ersthelfer in Erscheinung, um den Verdacht von sich abzulenken. Auch sie wurden als Tatverdächtige festgenommen.

Ein vierter Beschuldigter galt am Ende nicht mehr tatverdächtig. Er befindet sich allerdings wegen anderer Delikte in Strafhaft. Er soll beim Prozess als Zeuge aussagen.

Bestrebungen nach Klagen gegen Republik

Die Männer bestreiten die gegen sie erhobenen Vorwürfe. Einer behauptet sogar, von den Geschehnissen nichts mitbekommen zu haben, weil er nach dem Konsum eines Mischgetränks das Bewusstsein verloren habe. Zahlreiche Spuren widerlegen laut Staatsanwaltschaft jedoch diese Angaben.

Zwei der Beschuldigten sind bereits wegen Drogendelikten vor Gericht gestanden. Die Anwälte Florian Höllwarth und Johannes Öhlböck, die die Familie der Getöteten vertreten, werden sich im Namen der Angehörigen dem Verfahren anschließen. Im Falle einer Verurteilung wird von Höllwarth und Öhlböck auch eine Amtshaftungsklage gegen die Republik Österreich angestrebt. Sie werfen der Republik vor, dass die Asylverfahren der Verdächtigen viel zu lange gedauert hätten. Die Männer hätten zudem von den Behörden besser überwacht gehört.

Quelle: Agenturen / pea