Ermittlung nach missglückter Herztransplantation in Italien
Die Staatsanwälte sind der Ansicht, dass beim Transport des Organs von Bozen nach Neapel etwas schiefgelaufen sei. Das Spenderherz soll in einer einfachen Kühlbox aus Hartplastik transportiert worden sein. Das Gefäß war einem ähnlich, das man benutzt, um Getränke und Speisen bei Ausflügen kühl zu halten. Ein Foto der Box wurde von italienischen Medien veröffentlicht.
Das Transplantationsteam soll die Box nach Bozen mitgebracht und zum Transport verwendet haben. Ersten Erkenntnissen zufolge soll für die Schädigung des Organs aber die Art des verwendeten Kühlmittels entscheidend gewesen sein. Das Organ soll auf Trockeneis gebettet worden sein, welches es buchstäblich zum Erfrieren brachte. Zur Kühlung von Spenderorganen wird normales Eis benutzt, da dieses Temperaturen von null bis vier Grad plus erreicht - je nach Lagerung. Trockeneis wird hingegen zur extremen Kühlung bis circa minus 78 Grad genutzt.
In einer dem römischen Gesundheitsministerium übermittelten Sachverhaltsdarstellung aus Bozen heißt es, dass es im Verlauf der Entnahme des Spenderherzens zu Komplikationen gekommen sei. Das sei auch von einem gleichzeitig an der Entnahme anderer Organe arbeitenden Innsbrucker Chirurgen-Team bestätigt worden. Die im Fall ermittelnden Carabinieri der auf Gesundheitsfragen spezialisierten Einheit NAS haben laut italienischen Medien Mitglieder des Innsbrucker Teams zum Verlauf der Organentnahme befragt. Ein Sprecher der Innsbrucker Klinik bestätigte dies der APA. Die Mitglieder des Teams seien als Zeugen vernommen worden.
Im Operationssaal soll es bei der Entnahme des Spenderherzens in Bozen zu Spannungen gekommen sein, wie auch die Innsbrucker Ärzte bestätigt haben sollen, wie mehrere Zeitungen am Donnerstag berichten. Die Ermittler werden zudem zu klären haben, ob die Ärzte, die in Bozen operiert hatten, dann tatsächlich ihre Kollegen in Neapel, die die Transplantation des kleinen Buben durchführen sollten, über die Schwierigkeiten bei der Entnahme informiert hatten. Die Analyse der sichergestellten Mobiltelefone könnte darauf nur teilweise eine Antwort geben. Derzeit wird jedoch nicht gegen Ärzte ermittelt, bestätigte der Anwalt der Familie, Francesco Petruzzi.
Termin für Beerdigung wegen Ermittlungen noch unklar
Der Fall beschäftigt ganz Italien. Premierministerin Giorgia Meloni rief vergangene Woche die Mutter des Buben an, um ihre Solidarität auszudrücken. Aufgrund der laufenden Ermittlungen ist noch unklar, wann die Beerdigung des Zweijährigen stattfindet.
Zusammenfassung
- Nach dem Tod eines zweijährigen Buben in Neapel infolge einer missglückten Herztransplantation laufen Ermittlungen zur Ursache, insbesondere zum Transport des Spenderherzens von Bozen nach Neapel.
- Das Herz wurde in einer Hartplastik-Kühlbox und auf Trockeneis transportiert, was vermutlich zu einer Schädigung des Organs führte, da Trockeneis Temperaturen von minus 78 Grad erreicht.
- Die Entnahme des Spenderherzens in Bozen verlief mit Komplikationen, was auch von einem Innsbrucker Chirurgen-Team bestätigt wurde, und die Beerdigung des Buben ist wegen der laufenden Ermittlungen noch nicht festgelegt.
