APA - Austria Presse Agentur

Entscheidung über neuerliche Maskenpflicht am Montag

19. Juli 2020 · Lesedauer 4 min

Die Entscheidung über eine neuerliche Einführung der Maskenpflicht nach dem Ansteigen der Coronvirus-Infizierten ist auf Montag verschoben worden. Grund dafür ist, dass Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) beim EU-Gipfel in Brüssel weilt. Am Sonntag soll aber noch in einer Videokonferenz mit den Ministern Rudolf Anschober und Karl Nehammer über das Thema beraten werden, hieß es aus dem Kanzleramt.

Bei der Konferenz soll es um eine "Grob-Abstimmung" gehen, hieß es. Details dazu sollen dann über Nacht von den Mitarbeitern besprochen werden. Kurz kündigte zum Thema im Interview mit der Tageszeitung "Österreich" an: "Wir werden darüber beraten, in welchen Bereichen wir die Maskenpflicht wieder einführen. Das ist mir aber noch zu wenig. Das Ampelsystem, an dem das Gesundheitsministerium bereits arbeitet, muss nun zügig zur Umsetzung kommen, damit in ganz Österreich kein Fleckerlteppich an unterschiedlichen Maßnahmen entsteht, sondern die Länder einheitlich in den Bezirken vorgehen können."

Auch Vizekanzler Kogler äußerte sich kürzlich zum Thema. "Für eine bundesweite allgemeine Maskenpflicht muss noch einiges passieren. Die Debatte zur Maskenpflicht in den Supermärkten ist davon aber zu unterscheiden." Diese Frage sei deshalb eine andere, "weil jeder dorthin muss. Ob ich in ein Fußballstadion gehe oder nicht, kann ich mir hingegen selbst aussuchen." Für Kogler ist eine Maskenpflicht im Supermarkt überlegenswert, wie er kürzlich sagte.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) unterstrich am Wochenende: "Wir wollen eine zweite Welle mit aller Kraft vermeiden, denn die wäre gesundheitlich verheerend und hätte gravierend negative Folgen auf die Wirtschaftsentwicklung und die soziale Lage", sagte er weiters. Und: "Ich bin sehr optimistisch, dass wir das schaffen, falls wir - Politik, Behörden und jeder einzelne - weiterhin konsequent handeln. Manche Bundesländer müssen bei den Testungen schneller werden und auch das Risikobewusstsein muss bei einem Teil der Bevölkerung wieder steigen."

Was eine etwaige Wiedereinführung der Maskenpflicht anbelangt, so erwähnte Anschober zuletzt, dass diese auch "kurzfristig" wieder Thema sein könnte. Innerhalb von 24 Stunden würde diese bei Notwendigkeit wieder gelten, "manche könnten überrascht sein, wie schnell das gehen könnte".

In Österreich ging die Zahl der Coronavirus-Neuinfektionen unterdessen weiter in die Höhe, aber nicht so stark wie zuletzt. Erstmals seit Tagen wurden unter hundert neue Fälle gemeldet. Das Innenministerium vermeldete, dass es im 24-Stunden-Vergleich 82 neue Fälle gab (Stand: 9.30 Uhr). Insgesamt beträgt die Gesamtzahl der bisher diagnostizierten Coronavirus-Fälle 19.655. 711 Menschen sind bisher an den Folgen des Virus verstorben und 17.599 sind wieder genesen. Aktiv an der Infektion laborieren derzeit 1.345 Personen, um 16 weniger als am Samstag (Stand: 9.30 Uhr). In Krankenhausbehandlung befinden sich 99 Personen, davon 14 auf Intensivstationen.

Was die einzelnen Bundesländer betrifft, so wurden mit 33 Neuinfektionen die meisten in Oberösterreich vermeldet. In Wien kamen 22 Infektionen hinzu, in Niederösterreich zwölf, in der Steiermark sechs, in Salzburg fünf und im Burgenland vier. Drei Bundesländer - Kärnten, Tirol und Vorarlberg - vermeldeten keine neuen Fälle.

Überschritten wurde mittlerweile die Grenze von 750.000 Corona-Tests, wie Gesundheitsminister Anschober (Grüne) am Sonntag verkündete. Ein wichtiger Bestandteil davon seien die neuen Screening-Tests, die nun seit gut zwei Wochen erfolgen.

"Diese Screening-Tests werden in den nächsten Wochen nach einem klar definierten wissenschaftlichen Programm weiter intensiviert. Natürlich werden damit auch mehr positive Ergebnisse sichtbar werden. Aber diese zusätzlichen Testungen bei symptomfreien Menschen zählen zu den wichtigsten Vorbereitungen auf den herausfordernden Herbst", hob der Minister deren Wichtigkeit hervor.

Das Screeningprogramm sei ein zentraler Teil des Aktionsprogramms der Bundesregierung gegen eine zweite Welle, wurde weiters betont. Dabei werden Bewohner und Bewohnerinnen von Betreuungseinrichtungen, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Gesundheitseinrichtungen, Menschen in prekären Arbeits- und Wohnverhältnissen sowie Tests im Rahmen von epidemiologischen Studien in großer Breite durchgeführt.

Quelle: Agenturen