Entscheidung über Lockdown-Ende in nächsten Tagen

13. Jan 2021 · Lesedauer 4 min

Die Bundesregierung wird noch diese Woche über eine allfällige Verlängerung des bis 24. Jänners aufrechten Lockdowns und über die für 18. Jänner geplante Schulöffnung entscheiden.

 Das sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Dienstagabend im ORF-"Report". Abhängig sei das weitere Vorgehen von einer "sehr präzisen Analyse" der aktuellen Situation in Hinblick auf die nun auch in Österreich aufgetretenen britischen Virus-Mutation B.1.1.7.

"Wir haben wirklich ein Problem", so der Ressortchef mit Blick auf die neue Variante. Denn man habe jetzt die Situation - "seit einigen Tagen" - "dass in ganz Europa, auf eine alarmierende Art und Weise" die britische Virus-Mutation "drastisch sich in ganz Europa ausbreitet". Der Minister verwies auf Irland: Dieses Land sei knapp vor Weihnachten das beste Land Europas gewesen - "und drei Wochen später hat es die Rekordwerte von ganz Europa". Auch aus der Slowakei habe man "alarmierende Nachrichten". "Ich glaube, das ist die schwierigste Phase in dieser Pandemie in den nächsten Wochen bis Ostern", sagte Anschober.

"Deswegen haben wir uns dazu entschieden, als Bundesregierung, jetzt diese Situation sehr, sehr präzise in den nächsten Tagen auch gemeinsam mit Wissenschaftlern (...) zu analysieren." Die vorliegenden Verdachtsergebnisse müssten verifiziert werden - und dann erst werde der Weg nach dem 24. Jänner entschieden. "Also im Lauf der Woche."

Präsenzunterricht ab 18. Jänner wackelt

Hinsichtlich der Unklarheit, ob die Schulen (wie geplant) ab kommenden Montag wieder in den Präsenzunterricht starten, bat er um Verständnis. Denn es wäre "völlig verantwortungslos, angesichts der Tatsache, dass es möglicherweise auch bei uns zu einer Ausbreitung (der neuen Virus-Variante, Anm.) kommt, sehenden Auges bei alten Plänen zu verharren", so Anschober. "Unsere Verantwortung ist es, die Bürgerinnen und Bürger in Österreich zu schützen. Das hat die höchste Priorität."

Hinsichtlich der Impfung verwies der Minister auf ein neues Dashbord, das auf der Ministeriums-Website (https://info.gesundheitsministerium.at) abrufbar ist und auf dem der aktuelle Stand der Impfungen aufgelistet ist. Einmal mehr zeigte er sich - trotz aller Kritik am Impfstart - überzeugt davon, "dass wir die Impfungen gut bewältigen werden".

In Jochberg inzwischen 100 Tests negativ

Bei den Corona-Testungen in der Tiroler Gemeinde Jochberg (Bezirk Kitzbühel), in der 17 Verdachtsfällen der britischen Virus-Mutation aufgetreten sind, liegen mittlerweile 100 Testergebnisse vor, alle waren negativ, so Anschober. Die Tests erfolgen freiwillig, die Beteiligung sei seiner Information nach "sehr, sehr gut", sagte der Minister.

Der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) sprach sich unterdessen klar für eine Rückkehr in den Präsenzunterricht (wie geplant) am 18. Jänner aus. "Ich bin der Meinung, dass man jedenfalls die Schulen aufsperren kann", sagte er am Dienstagabend in der "ZiB2" des ORF. "Auch wenn wir jetzt sehr genau aufpassen müssen und hinschauen müssen, wie die Weiterentwicklung mit dem B.1.1.7. stattfindet." Trotzdem sei man den Schülern verpflichtet, ihnen wieder "die Schule zu ermöglichen". "Es kann nicht sein, dass wir uns permanent versuchen, in die Erdhöhle zurückziehen", meinte er.

Hacker für "Differenzierung" bei Bundesländern

Man müsse die Prozesse der Hygienemaßnahmen wieder "verinnerlichen" - "dass es möglich ist, den Schülern das Lernen zu ermöglichen und bestimmte Bereiche der Wirtschaft zu öffnen". Ab 25. Jänner könnten seiner Meinung nach in Wien bereits wieder kleine Geschäfte oder Dienstleister wie Friseure oder Schuster aufsperren. Auch Sportstätten, Museen oder "ähnliche Einrichtungen" nannte der Stadtrat.

Gleichzeitig betonte er, ein Öffnen im größeren Stil könne nur über eine Region hinweg erfolgen - etwa was den gesamten Handel oder die Gastronomie betrifft. In Wien alleine alles aufzumachen sei aufgrund der Nähe zu Niederösterreich und angesichts der vielen Pendler nicht sinnvoll, das müsste für die "ganze Ostregion" stattfinden. Grundsätzlich plädierte er für eine "Differenzierung" bei der Betrachtung der Virus-Situation, denn man sehe im Osten Österreichs eine andere Entwicklung als im Westen oder in der Mitte des Landes.

Quelle: Agenturen