Hofburg-Brand 1992

"Die Hofburg brennt": Das historische Feuer in Bildern

27. Nov. 2022 · Lesedauer 4 min

Vor 30 Jahren brannte die Wiener Hofburg. In dieser Nacht halfen Wiener Bürger mit, die Lipizzaner zu retten, und Polizisten sicherten unbezahlbare Bücher aus der Nationalbibliothek. Die Chronik eines Brandes mit Folgen.

Vor 30 Jahren brannte es in der Wiener Hofburg. Der Große Redoutensaal wurde ein Raub der Flammen und weitgehend zerstört, auch der benachbarte Kleine Redoutensaal wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. In der Nacht vom 26. auf den 27. November 1992 waren die Flammen über der Wiener Innenstadt weithin sichtbar.

Ein bedeutender Teil des baukulturellen Erbes der Republik fiel damit den Flammen zum Opfer, erinnerte die Burghauptmannschaft kürzlich in einer Aussendung an das historische Ereignis. Drei Prozent der historischen Bausubstanz der Hofburg seien in dieser Nacht für immer verlorengegangen.

Hofburg-Brand 1992

1992 hielt der Hofburg-Brand Wien in Atem

Ausgangspunkt Redoutensaal

Die Ereignisse vom November 1992: Der Vollbrand hat sich in jener Nacht vom 26./27. November über Stunden unentdeckt entwickeln können. Erst um 1.10 Uhr schlug der Brandmelder in einer Dolmetschkabine neben den Redoutensälen an. "Zunächst hat alles nicht so dramatisch gewirkt", erinnerte sich der damalige Branddirektor Friedrich Perner später einmal.

Als Perner am Ort des Geschehens eintraf, lag Brandgeruch in der Luft und es wurde gemeldet, dass im Inneren des Gebäudes ein Großfeuer tobt. Ausgangspunkt war der Redoutensaal.

Der zerstörte Redoutensaal

Erst nach eineinhalb Tagen hieß es "Brand aus"

Die angrenzende Nationalbibliothek blieb gerade noch verschont, ebenso der Präsidententrakt und die Schatzkammer. Die Lipizzaner der Spanischen Hofreitschule wurden allerdings aus ihren Ställen in Sicherheit gebracht, ebenso Tausende Bücher aus der Nationalbibliothek. 

"Ein Wahnsinn"

"Das Ganze ist ein Wahnsinn. Was soll man da machen?", sagte der spätere Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ), der gemeinsam mit dem damaligen Stadtoberhaupt Helmut Zilk (SPÖ) vom Rathaus zur Hofburg geeilt war, laut der Tageszeitung "Die Presse".

Im Laufe der Nacht gab die Feuerwehr Alarmstufe sieben, damals die zweithöchste. Kurz nach 3 Uhr wurde die Evakuierung der 69 Lipizzaner angeordnet. Passanten halfen, die Pferde aus dem Gefahrenbereich zu bringen. Ebenfalls in Sicherheit gebracht wurden mehr als 10.000 wertvolle Bücher aus der Nationalbibliothek. Erst gegen 6 Uhr war das Feuer weitgehend unter Kontrolle gebracht, "Brand aus" hieß es allerdings erst am 28. November um 8.15 Uhr.

Ursache nie ganz geklärt

Die Ursache des Feuers wurde nie vollständig geklärt. Experten des Innenministeriums schlossen einen Kabelbrand zwar dezidiert aus, nicht jedoch "weitere elektrische Vorgänge" im Bühnenbereich des Großen Redoutensaals, wo das Feuer seinen Ausgang genommen hatte. Ebenso kamen nachglühende Tabakreste, die brennbare Materialien entzündet hatten, als Ursache infrage.

Hofburg-Brand 1992

Übersicht des Brandschadens vom Dachgeschoß der ausgebrannten Redoutensäle

840 Millionen Schilling Renovierungskosten

Die Redoutensäle wurden bei dem Brand schwer beschädigt. Die Kosten für die Restaurierung beliefen sich auf insgesamt 840 Millionen Schilling (61 Mio. Euro). Die Fassade des Hofburgtraktes blieb unangetastet, innen wurden jedoch nicht nur die Säle wiedererrichtet. Auch der Dachraum wurde völlig neu gestaltet und ein Konferenzraum für rund 1.000 Personen eingerichtet.

Der barocke Kleine Redoutensaal, wo 80 Prozent der alten Bausubstanz das Feuer überstanden hatten, wurde detailgetreu rekonstruiert. Beim Großen Saal war das nicht möglich. Dieser wurde neu gestaltet und ist von 22 Wandbildern und einem 400 Quadratmeter großen Deckenfresko des Wiener Malers Josef Mikl dominiert. Erst am 26. Oktober 1997, also knapp fünf Jahre nach dem verheerenden Feuer, wurden die Redoutensäle wieder eröffnet.

Der Große Redoutensaal vor und nach der Renovierung

Der Große Redoutensaal vor (1992) und nach Renovierung (1997)

Der Brand löste auch eine Diskussion um den Brandschutz in historischen Gebäuden Wiens aus. Es wurden schließlich Verbesserungen umgesetzt. Hatte die Wiener Feuerwehr früher bei Bundesgebäuden kein Mitspracherecht, wurde sie danach eingeladen, sich einzubringen.

Nationalratssitzungen

"Die Geschichte des Redoutensaals, den viele Menschen heute sicherlich als vorübergehenden Sitzungssaals des Österreichischen Parlaments kennen, wurde durch das Brandereignis von 1992 geprägt. Die historische Ausstattung des Saales wurde fast vollständig zerstört und seine Wiederherstellung gelang nur durch das professionelle Zusammenwirken aller Beteiligten. Das Ergebnis ist ein zeitgemäßer und technisch modern ausgestatteter Veranstaltungssaal, der viele Anforderungen erfüllt. Zukünftig soll er auch wieder für Veranstaltungen zur Verfügung stehen", erklärte Burghauptmann Reinhold Sahl anlässlich des Jahrestags.

Investitionen zum Brandschutz

Eine Folge des Feuers war auch die Einrichtung einer eigenen Betriebsfeuerwehr für die Hofburg, die rund um die Uhr besetzt ist. Heute verfügt die Hofburg über mehrere tausend Brandschutztüren und ist mit mehr als 14.000 Brandmeldern ausgestattet.

Auch für andere Denkmäler wurde nach dem Brand von 1992 viel Geld in die Hand genommen, sodass ein Brand in einem solchen Ausmaß heute in Bundesmuseen, im Schloss Schönbrunn und auch in der Hofburg laut Experten nicht mehr möglich ist.

Quelle: Agenturen / Redaktion / kap