APA - Austria Presse Agentur

Bereits 15 Prozent Mutationen: Expertin im Notfall gegen Öffnung in Tirol

03. Feb 2021 · Lesedauer 3 min

Die Virologin Dorothee von Laer von der Medi-Uni Innsbruck sieht die Corona-Situation in Tirol wegen der südafrikanischen Mutante mit großer Sorge.

Bei dieser Mutation des Virus im Bundesland handle es sich um "alles andere als einen lokalen Ausbruch". Ein paar Tage könne man die Situation noch beobachten - aber dann würde sie im Falle einer mangelnden Eindämmung vorschlagen, die geplante erste Öffnung zu verschieben, sagte Von Laer im APA-Gespräch.

Der Lockdown sollte dann für Tirol zumindest eine Woche lang fortgeführt werden. Zudem riet Von Laer in diesem Falle zu einer "Einschränkung der Reisetätigkeit" von und in das Bundesland sowie zu zwei "Massentestungen". Derzeit würden die Verantwortlichen versuchen, durch eine "intensivierte Kontakttracing-Tätigkeit" die Mutation in den Griff zu bekommen. Dies könne man noch die nächsten ein, zwei Tage beobachten und schauen, ob die Fälle zurückgehen. "Die Frage ist, ob es nicht schon zu spät ist", meinte die Virologin. Von Laer gehörte zuletzt auch einem Quartett an Experten an, das die Bundesregierung vor der Ankündigung der Lockerung des Lockdowns beraten hatte. Ihre Anmerkungen hinsichtlich der südafrikanischen Mutation habe sie natürlich auch dort vorgebracht.

15 Prozent aller Fälle bereits Mutationen

Bei an der Medizinischen Universität Innsbruck durchgeführten Sequenzierungen von positiven PCR-Proben würden derzeit 20 bis 30 neue Südafrika-Mutationsfälle auftauchen. Am Mittwoch seien es beispielsweise bisher 27 gewesen. Beide Mutationsvarianten - also die britische und die südafrikanische - würden an der Med-Uni zehn bis 15 Prozent der Gesamtfälle ausmachen, die Südafrika-Mutante rund sieben Prozent.

In der Online-Ausgabe des "Standard" war am Mittwoch auch von einem "Tiroler Subtyp" der Südafrika-Mutation die Rede. Diese Variante habe zusätzlich "mindestens zwei fixe Mutationen - also quasi eine Weiterentwicklung der südafrikanischen Variante": "Es ist offenbar ein Virustyp innerhalb der südafrikanischen Variante eingeschleppt worden - mit zusätzlichen Mutationen. Das kann reiner Zufall sein, dass dieses Virus diese Mutationen hat, aber es kann auch sein, dass das eine biologische Bedeutung hat. Aber das muss es nicht". Hier würden noch weitere Untersuchungen laufen.

Tirol Hotspot von Südafrika-Variante

Die Südafrika-Mutante sei jedenfalls nur in Tirol weiter verbreitet, im Rest Österreichs hingegen "relativ selten". Im Osten sei die Briten-Mutation stärker vertreten. Man sehe diesbezüglich ein "West-Ost-Gefälle". Die Südafrika-Mutante mache jedenfalls "nicht kränker" als das klassische Virus oder die Briten-Mutante. Nach bisheriger Datenlage schütze aber die Impfung dagegen schlechter - wahrscheinlich ungefähr "halb so gut". "Zudem ist man nicht unbedingt geschützt, wenn man die Infektion durchgemacht hat. Man kann sich reinfizieren durch die südafrikanische Variante", so Von Laer. Zudem breite sich die Südafrika-Variante "genauso gut aus" wie die britische.

Quelle: Agenturen