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UN-Klimagipfel braucht "echten Durchbruch"

13. Nov. 2022 · Lesedauer 4 min

Nach der ersten Woche der Verhandlungen auf der UN-Klimakonferenz COP27 in Sharm el-Sheikh werden diese ab Montag von der Beamtenebene in die Hände der politischen Akteure übergeben. NGO-Vertreter erhoffen sich für den weiteren Verlauf jedenfalls einen "Durchbruch".

Österreich wird in Ägypten dann von Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) vertreten, sie ist ab Montag als EU-Verhandlungsführerin im Bereich "Adaptation" - einem der vier Hauptpunkte auf der Agenda.

Unter "Adaption" laufen Finanzhilfen an ärmere Länder für Klimaschutzmaßnahmen und die Anpassung an den Klimawandel. Die Rolle der reichen Industrieländer - sie sind für rund 80 Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich - wurde schon im Vorjahr heftig debattiert, denn diese Finanzhilfen sollten sich seit 2020 auf 100 Milliarden Dollar (97,01 Mrd. Euro) pro Jahr belaufen, was jedoch nicht der Fall ist. Kritik gibt es auch an dem Umstand, dass es sich bei den Geldern, die bereits zugesagt wurden, überwiegend um Kredite handelt.

"Mitigation": Fortschritte sind notwendig

Die Finanzen sind auch der strittige Punkt beim Thema "Loss and Damage", hier geht es um bereits eingetretene Schäden, die Zahlungen sollen jeweils auch hier von den Hauptemittenten an die Hauptleidtragenden der daraus resultierenden Klimaschäden gehen, dem Globalen Süden - bei den laufenden UN-Verhandlungen drängen diese auf einen Finanzierungsmechanismus.

Um diese Klimaschäden in Zukunft möglichst zu minimieren, müssten im dritten Schwerpunkt "Mitigation" Fortschritte gemacht werden. Hier wurden nach der COP26 von Glasgow zwar von einigen Staaten die Klimaschutzziele erhöht, aber mit den bisher gemachten NDCs (Nationale Klimaschutzziele) ist es weiterhin nicht möglich, weder das 2-Grad-Ziel noch das 1,5- Grad-Ziel zu erreichen. Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von Global 2000 rechnet gegenüber der APA vor, was notwendig wäre: "Brauchen würde es eine Reduktion um 45 Prozent bis 2030, derzeitige Klimaschutzpläne würden aber einen Anstieg um 10 Prozent" bedeuten. Die Klimapläne mit Stand COP26 in Glasgow hätten noch einen Anstieg um 13 Prozent bedeutet", es gebe also Fortschritte, doch diese sind zu gering.

Auch dafür gilt es einen Ausweg bei der Klimakonferenz zu finden, doch laut WWF ist die Lage noch trist: Der Entwurf für ein "Arbeitsprogramm zur Senkung der Emissionen" sei bisher noch vollkommen in Klammern gehalten, somit fehle jeder Konsens oder eine gemeinsame Vision, wie die Emissionen im notwendigen Ausmaß bis 2030 gesenkt werden können. Es brauche daher einen "echten Durchbruch".

"Nur so können wir die Lücke zwischen dem aktuellen Schein-Klimaschutz und dem 1,5 Grad-Limit schließen", fordert WWF-Klimasprecher Thomas Zehetner. Neben der massiven Senkung der Emissionen sollte die Weltgemeinschaft aber endlich auch die zentrale Rolle des Naturschutzes stärker berücksichtigen: "Denn eine intakte Natur ist unser bester Verbündeter gegen die Klimakrise. Technologische Lösungen allein reichen nicht", sagte Zehetner.

"Klimaschutzmotor" in Österreich aufdrehen

Die 27. UN-Klimakonferenz mit Teilnehmern aus rund 200 Ländern hatte am Sonntag vergangener Woche begonnen. Laut offizieller Planung endet sie am Freitag. "Sie muss mehr als heiße Luft produzieren, denn es geht um die Zukunft unseres Planeten. Die klaffende Lücke zum 1,5-Grad-Ziel und zu einer fairen Finanzierung dürfen nicht länger ignoriert werden," sagte Jasmin Duregger, Klima- und Energieexpertin bei Greenpeace in Österreich und Beobachterin auf der Konferenz in Sharm El-Sheikh vor Ort zu ihren Erwartungen an die Abschlusswoche.

Nach der COP27 müsse auch in Österreich muss "der Klimaschutzmotor" aufgedreht werden. "Um die Klimakrise zu stoppen, braucht es kompromisslose Zugeständnisse," sagte Duregger. Wichtige Gesetzesinitiativen wie das Energieeffizienzgesetz oder das Klimaschutzgesetz sind noch ausständig. Ebenfalls fordert die Umweltschutzorganisation Greenpeace, die fossilen Energien ins Aus zu schicken, etwa durch ein Ende von fossilen Subventionen oder ein klares, österreichweites Fracking-Verbot.

Gewessler sieht "zentrales Forum für globalen Klimaschutz"

Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) hat kurz vor ihrem Abflug nach Ägypten zur Weltklimakonferenz COP27 abermals die Wichtigkeit der Veranstaltung hervorgestrichen. "Die COP ist und bleibt das zentrale Forum für globalen Klimaschutz", sagte sie der APA Sonntagfrüh am Flughafen. Gewessler tritt ab Montag als EU-Verhandlungsführerin bei den Gesprächen im Bereich "Adaptation", den sogenannten Anpassungen an den menschengemachten Klimawandel, auf.

Dabei handelt es sich um Maßnahmen für bereits eingetretene oder noch erwartete klimatische Veränderungen. Generell steht die Frage der Klimafinanzierungsmittel bei der diesjährigen COP im Mittelpunkt. "Aber die Anpassungskapazität des Planeten können wir nicht allein in Geld messen", so Gewessler. Wichtig sei ebenso, die weltweiten Emissionen, die zur Erderhitzung führen, drastisch zu reduzieren: "Sonst wird die Krise so katastrophal, dass sich viele Millionen Menschen gar nicht mehr anpassen können", sagte die Umweltministerin.

Quelle: Agenturen / ddj