Haselmayer: "Neutralität ist heilige Kuh"

26. Okt. 2022 · Lesedauer 2 min

Meinungsforscher Christoph Haselmayer erklärt bei PULS 24 Anchor Daniel Retschitzegger wie die Österreicher im Jahr 2022 die Neutralität sehen.

Die Österreicherinnen und Österreicher haben ihre Meinung zur "immerwährenden Neutralität" im Laufe der Jahre leicht geändert, das zeigt eine Studie des Instituts für Demoskopie und Datenanalyse (IFDD). Unter 1000 Befragten glauben 52 Prozent, dass die Neutralität Österreich noch schützt. 

Haselmayer, Meinungsforscher und Geschäftsführer des IFDDs, sieht das vor allem Wähler:innen der Freiheitlichen (FPÖ) und der ÖVP stärker an den Schutz durch Neutralität glauben. Am anderen Ende des Spektrums sind die Wähler:innen der NEOS, von ihnen sind nur 28 Prozent davon überzeugt, dass die Neutralität Österreich noch schützt. 

Bei einem europäischen Verteidigungsbündnis ist die generelle Meinung unentschlossen, hier sieht Haselmayer aber den Trend, dass Menschen in urbaneren Räumen sich stärker für diese Art von Militärbündnis aussprechen. Auch Personen mit höheren formellen Abschlüssen würden sich in der Studie stärker für ein Verteidigungsbündnis aussprechen.

Neutralität in Österreich "rüttelfest"

Der Ukraine-Krieg habe die Stimmung gegenüber der Neutralität stark verändert. So wurde sie zum Beispiel von Finnland und Schweden "über Nacht über Board geworfen", so der Meinungsforscher. Dem sei in Österreich nicht so, drei Viertel der Österreicherinnen und Österreicher seien noch klar für die Neutralität. Die Neutralität sei für Österreich so wie die "Mozartkugeln" oder "porzellan Lipizzaner" - mit ihrer Abschaffung würden sich Politiker und Politikerinnen unbeliebt machen. In Österreich sei sie eine "heilige Kuh", auch wenn die Meinungen hinter verschlossenen Türen auseinandergehen würden.

Österreicher gegen NATO-Beitritt

Die Ablehnung gegenüber einem NATO-Beitritt sei wesentlich stärker als die Meinungen zu einem europäischen Verteidigungsverband. Die Österreicher:innen seien "Rosinenpicker", wenn es um die Landesverteidigung gehe. "Bei Dingen, die uns gefallen, sind wir gerne dabei, aber wenn wir Leistungen bringen müssen in einem europäischen Kontext unter den 27 Mitgliedsstaaten, also dann bitte nicht". Im Ernstfall müsse Österreich von seinen europäischen Nachbarländern verteidigt werden. 

Franziska SchwarzQuelle: Redaktion / frn