Burgenland: Zwei tote Flüchtlinge in Kleinbus gefunden

19. Okt 2021 · Lesedauer 4 min

Die Polizei stoppte am Dienstag eine Schlepperfahrt im Burgenland. Im angehaltenen Kleinbus wurden 28 Flüchtlinge entdeckt. Zwei von ihnen waren verstorben. Der Schlepper befindet sich auf der Flucht.

Soldaten des Bundesheeres hatten das Fahrzeug laut Polizei in der Siegendorfer Puszta (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) angehalten und kontrolliert, weil es ihnen verdächtig vorgekommen war. Der Lenker des Kleinbusses flüchtete. Es wurde eine groß angelegte Fahndung eingeleitet, an der auch Einsatzkräfte aus Ungarn beteiligt sind.

Google Earth/PULS 24

Im Kleinbus fanden die Beamten zwei tote Flüchtlinge, wie ein Sprecher der Landespolizeidirektion Burgenland gegenüber der "APA" bestätigte.  26 weitere Personen wurden aufgegriffen, die Zahlen wurden inzwischen geändert. Nach dem Schlepper wurde im Lauf des Nachmittags gefahndet.

Die aufgegriffenen Personen sind derzeit in einer Aufarbeitungsstelle untergebracht, erklärte Landespolizeidirektor Martin Huber abends in der ORF-Sendung "Burgenland heute". Die Fahndung nach dem mutmaßlichen Schlepper sei auf Ungarn ausgeweitet worden, da der Täter nach Angaben des Bundesheeres in diese Richtung geflüchtet sei. Die Exekutive werde nun ihre Schwerpunktaktionen gegen die Schlepperkriminalität fortsetzen und die neuen Informationen in die Ermittlungen einfließen lassen. Allein in den vergangenen zehn Wochen seien 55 mutmaßliche Schlepper festgenommen worden, sah Huber einen "großen Erfolg".

Nur Männer im Kleinbus

Die beiden Männer dürften sich laut Polizei schon vor der Fahrt in einem schlechten körperlichen Zustand befunden haben, bevor sie starben. Den anderen Flüchtlingen sei es den Umständen entsprechend gut gegangen. Die 26 Männer benötigten keine ärztliche Hilfe. Sie wurden mit Wasser versorgt.

Helmut Marban vom LPD Burgenland fasst die bisherigen Ermittlungsergebnisse zusammen.

Wie ein Polizeisprecher gegenüber der APA erklärte, habe es sich bei den Migranten um Syrer und Kurden gehandelt, im Fahrzeug waren keine Frauen und Kinder. Welche Nationalität die beiden ums Leben gekommenen Männer hatten, konnte er noch nicht sagen. Die aufgegriffenen Flüchtlinge wurden am Dienstagnachmittag zu den Vorgängen bei der Schlepperfahrt als Zeugen befragt. Hierzu war auch ein Dolmetscher an Ort und Stelle.

PULS 24 berichtet vom mutmaßlichen Tatort in der Siegendorfer Puszta.

Doskozil fordert gesamteuropäische Asylreform

Das Gebiet rund um die Siegendorfer Puszta war im Zuge der Fahndung am Dienstagnachmittag weiträumig abgesperrt. Mit einem Polizeihubschrauber und Hunden wurde der Schlepper im Wald gesucht. Die Polizei ging davon aus, dass er bewaffnet sein könnte.

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) sagte: "Diese schreckliche Tat zeigt eines klar auf: Der Tod eines oder mehrerer Menschen wird von Schleppern bewusst in Kauf genommen." Seine Gedanken seien bei den Opfern und Angehörigen. Der Einsatz an der burgenländischen Grenze sei eine wichtige Maßnahme gegen Schlepperei. Heuer habe die Polizei bereits über 250 Schlepper festgenommen. Auch Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) sah in dem Vorfall ein "trauriges Zeugnis dafür, wie notwendig der Einsatz unserer Soldatinnen und Soldaten gegen die Schlepperei ist."

Der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) hat sich über den Vorfall erschüttert und tief betroffen gezeigt. In einer Aussendung erklärte er: "Die Parallele zur Flüchtlingstragödie von Parndorf 2015 mit 71 Toten ist erschreckend und zeigt einmal mehr die ganze Brutalität und Unmenschlichkeit der organisierten Schlepperkriminalität auf." Der heutige Vorfall macht für ihn einmal mehr deutlich, dass die österreichische Asyl- und Migrationspolitik aus den Ereignissen des Jahres 2015 nicht die nötigen Konsequenzen gezogen habe. Er forderte eine gesamteuropäische Reform des Asylwesens, die Asylverfahren schon außerhalb Europas ermöglicht und damit die gefährliche Flucht verhindere.

Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) nannte die Ereignisse "eine furchtbare Tragödie". "Im nächsten Schritt weiß man aber auch, was das für unsere Soldaten im Assistenzeinsatz (an der Grenze zu Ungarn) heißt", sagte Tanner bei einem Besuch in Serbien gegenüber der APA. Die Ministerin will in Zukunft ganz vermeiden, dass Grundwehrdiener diesen sicherheitspolizeilichen Assistenzeinsatz durchführen, sondern zumindest Personen mit sechsmonatigem Grundwehrdienst und zusätzlichen drei Monaten Ausbildung (6 plus 3). Derzeit sei noch "eine Handvoll" Grundwehrdiener dabei. Die heuer im Juli vorgenommene Aufstockung um 400 auf derzeit 1.239 am Assistenzeinsatz im Burgenland Beteiligte sei jedenfalls "notwendig" gewesen. Zu erhöhten Schlepperaktivitäten sagte Tanner: "Das fordert uns."

Quelle: Agenturen / Redaktion / apb