Bis 2045 um mehr als 20 Prozent mehr Krebsneuerkrankungen
Neben den Sterbefällen erwarten die Statistiker bis 2045 auch eine Zunahme der Menschen, die mit einer Krebsdiagnose leben. Die gute Nachricht ist aber: "Das individuelle Risiko, an Krebs zu erkranken, nimmt ab. Jedoch hat die Alterung der Bevölkerung einen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung der Krebsfälle in Österreich. Da ältere Menschen weiterhin ein wesentlich höheres Krebsrisiko haben als jüngere, führt der wachsende Anteil älterer Personen in der Bevölkerung trotz sinkender altersspezifischer Risiken zu einer deutlichen Zunahme der absoluten Zahlen an Neuerkrankungen sowie der in Zukunft mit Krebs lebenden Menschen", erläuterte Manuela Lenk, fachstatistische Generaldirektorin von Statistik Austria.
Die Statistik Austria erstellte im Auftrag des Gesundheitsministeriums diese Prognose der Krebsinzidenz, -mortalität und -prävalenz bis 2045. Es handelt sich um eine sogenannte Trendvariante der Prognose, welche die demografischen Effekte, die Trends der Lebenserwartung und des geschlechtsspezifischen Erkrankungsrisikos fortschreibt. Die Daten im Detail: Die Zahl der Krebsneuerkrankungen wird von 46.518 im Jahr 2023 auf 56.546 im Jahr 2045 um mehr als ein Fünftel (plus 21,6 Prozent) steigen. Die Zahl der krebsbedingten Sterbefälle wird bis 2045 ebenfalls um rund ein Fünftel von 20.906 im Jahr 2023 auf 25.277 (plus 20,9 Prozent) zunehmen. Die Zahl der mit einer Krebsdiagnose lebenden Personen wird sich um mehr als die Hälfte von 395.067 im Jahr 2023 auf 607.654 im Jahr 2045 erhöhen (plus 53,8 Prozent).
Diese Entwicklung sei zu großen Teilen auf die wachsende und alternde Bevölkerung zurückzuführen, betonte die Statistik Austria. Insbesondere werde die Anzahl der über 65-Jährigen bis 2045 deutlich steigen. Zu diesem Zeitpunkt werden dann mehr als 2,5 Millionen Menschen in Österreich 65 Jahre oder älter sein, das sind etwa 27 Prozent der Bevölkerung. Im Jahr 2024 waren es mit etwa 1,8 Millionen Menschen bzw. rund 20 Prozent der Bevölkerung noch deutlich weniger.
Nachdem die Gesamtzahl der Krebsneuerkrankungen sowie der krebsbedingten Sterbefälle in einem Jahr neben der Sterblichkeit auch von der Größe und Altersstruktur der Bevölkerung abhängt, wurden zusätzlich altersstandardisierte Inzidenz- und Mortalitätsraten berechnet. Die Trendvariante der Prognose zeigte, dass altersstandardisierte Inzidenz- und Mortalitätsraten leicht sinken werden. Bis 2045 ist ein Rückgang des Erkrankungsrisikos um 3,9 Prozent auf 469,6 Erkrankungsfälle pro 100.000 Personen zu erwarten, 2023 lag dieser Wert noch bei 488,6.
Auch individuelles Sterberisiko sinkt altersbereinigt
Auch das individuelle Sterberisiko wird altersbereinigt im Prognosezeitraum um 18,9 Prozent zurückgehen. Für 2045 wird eine altersstandardisierte Mortalitätsrate von 177,5 Krebssterbefällen pro 100.000 Personen prognostiziert, im Vergleich zu 218,8 im Jahr 2023. Das zeigt, dass der Anstieg der absoluten Zahlen von Krebsneuerkrankungen und krebsbedingten Sterbefällen bei Betrachtung aller Tumorlokalisationen zusammen auf demografische Alterung zurückzuführen ist, da Krebserkrankungen überwiegend im höheren Lebensalter auftreten.
Lungenkrebsrisiko bei Frauen überholt das der Männer
In den Ergebnissen zeigten sich geschlechterspezifische Unterschiede: In der Trendvariante wird die Zahl der Neuerkrankungen von Männern im Zeitraum 2023 bis 2045 fast doppelt so stark zunehmen wie jene der Frauen (plus 27,4 Prozent gegenüber plus 14,9 Prozent). Ein Grund hierfür ist laut Statistik Austria der starke Anstieg an Prostatakrebsdiagnosen, bis 2045 wird in der Trendvariante ein Zuwachs von 58,9 Prozent prognostiziert. 2023 wurden 7.485 Prostatakrebserkrankungen diagnostiziert, 2045 werden es laut der Trendvariante der Krebsprognose 11.891 sein. Prostatakrebs ist und bleibt damit die häufigste Krebsdiagnose bei Männern.
Bei Frauen wird auch in Zukunft Brustkrebs die am häufigsten diagnostizierte Krebsart sein. Laut Trendvariante steigt die Zahl der Diagnosen von 6.902 im Jahr 2023 auf 8.269 im Jahr 2045. Hervorzuheben ist Statistik Austria zufolge die geschlechtsspezifische Trendumkehr bei Lungenkrebs. Während das Erkrankungsrisiko derzeit bei Männern höher ist als bei Frauen (2023: 66,9 Erkrankungen pro 100.000 Männern und 45,8 Erkrankungen pro 100.000 Frauen), wird sich dieses Verhältnis etwa im Jahr 2035 umkehren. Ab diesem Zeitpunkt wird die altersstandardisierte Inzidenzrate von Lungenkrebs bei Frauen höher sein als bei Männern. 2045 wird das Erkrankungsrisiko bei Frauen (65,5 Diagnosen pro 100.000 Frauen) deutlich über jenem der Männer liegen (46,5 Diagnosen pro 100.000 Männer).
Gesundheitsministerin sieht positive Zeichen
Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) sah vor allem im Sinken des Erkrankungs- und Sterberisikos einen "Erfolg der Medizin", der gleichzeitig das Gesundheitssystem vor neue Aufgaben stelle. "Mit dem Nationalen Krebsrahmenprogramm reagieren wir gezielt auf diese Entwicklung: Wir stärken Prävention und Früherkennung, planen die onkologische Versorgung vorausschauend und verbessern die Unterstützung für Menschen, die mit und nach Krebs leben", sagte Schumann in einer der APA übermittelten Stellungnahme. Das Nationale Krebsrahmenprogramm II (2026 bis 2035) soll in wenigen Wochen vorgestellt werden.
Zusammenfassung
- Die Zahl der jährlichen Krebsneuerkrankungen in Österreich wird laut Statistik Austria bis 2045 um 21,6 Prozent auf 56.546 steigen.
- Die krebsbedingten Sterbefälle nehmen ebenfalls um 20,9 Prozent auf 25.277 zu, während das individuelle Risiko, an Krebs zu erkranken, altersbereinigt um 3,9 Prozent sinkt.
- Die Zahl der mit einer Krebsdiagnose lebenden Menschen wächst bis 2045 um 53,8 Prozent auf 607.654, was vor allem auf die demografische Alterung zurückzuführen ist.
- Bei Männern steigt die Zahl der Neuerkrankungen deutlich stärker als bei Frauen (plus 27,4 Prozent gegenüber plus 14,9 Prozent), insbesondere durch einen Anstieg bei Prostatakrebs (+58,9 Prozent).
- Ab etwa 2035 wird das Lungenkrebsrisiko bei Frauen das der Männer übersteigen, mit einer prognostizierten Inzidenz von 65,5 pro 100.000 Frauen im Jahr 2045.
