APA/APA/AFP/VLADIMIR SIMICEK

Betriebserlaubnis für AKW Mochovce 3 in nächsten Tagen erwartet

25. Jan. 2022 · Lesedauer 2 min

Das slowakische Atomkraftwerk Mochovce 3 könnte laut Global 2000 schon in wenigen Tagen die endgültige Betriebserlaubnis erhalten.

Die slowakische Atombehörde habe einen Einspruch der Umweltorganisation abgelehnt und am Montagabend den Entwurf der Betriebserlaubnis auf seiner Website veröffentlicht. "Die Ablehnung unseres Einspruchs wurde bereits seit Sommer letzten Jahres angekündigt, sie ist also wenig überraschend", kommentierte Global-2000-Atomsprecher Reinhard Uhrig. Sie sei "dennoch sehr bedenklich", weil die Argumente zur Abweisung der Sicherheitsprobleme "wie erwartet äußerst oberflächlich sind und die bestehenden Sicherheitsprobleme nicht lösen". Konkret werde etwa das Risiko eines Flugzeugabsturzes in Kauf genommen.

Weniger als Hälfte der Rohre geprüft

Auch sei nach dem Fund minderwertiger Rohrleitungen mit gefälschter Dokumentation durch die slowakische Kriminalpolizei "weniger als die Hälfte" der Leitungen (3.410 von 7.962) tatsächlich auf Materialeigenschaften überprüft worden, berichtet Global 2000 unter Berufung auf den Bericht der Atomaufsicht weiter. Dabei seien 61 Fälle von "Materialkonfusion" und 293 Fälle von "Standardabweichungen" gefunden worden. 12 Leitungen seien ausgetauscht worden. Die restlichen 4.552 habe man durch eine "Computer-Evaluierung" für unbedenklich erklärt, was laut der Umweltorganisation ein "aus Ingenieursperspektive (...) unzulässiges Vorgehen" sei.

Uhrig verwies diesbezüglich auf interne Dokumente, wonach es bei Tests im Sommer 2021 zur massiven Beschädigung von Kernkomponenten wie dem Reaktordruckbehälter und dem Primärkreislauf gekommen sei, "deren genaue Ursache bis heute ungeklärt ist". Die Vorgangsweise der Atomaufsicht, nur die Hälfte der sicherheitskritischen Rohrleitungen zuzulassen, sei "verantwortungslos", und die Erteilung einer Betriebsgenehmigung auf dieser Basis "fahrlässig".

Konkret verlangt Global 2000 die vollständige Offenlegung der Sicherheitsberichte des Betreibers Slovenske elektrarne sowie eine "transparente internationale Überprüfung der Baustelle auch unter Beteiligung von Expertinnen und Experten der Nachbarstaaten".

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam