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"Ausreden" der Mörderin Elfriede Blauensteiner in neuem Buch

27. Jan. 2026 · Lesedauer 4 min

Der Titel "Ausreden" ist Programm: "Falter"-Chefredakteur Florian Klenk hat die protokollierten Aussagen der Dreifach-Mörderin Elfriede Blauensteiner bei einer forensischen Untersuchung in einen Monolog in Buchform gegossen, der am Dienstag erschienen ist. Programm ist der Titel deshalb, weil Blauensteiner nach ihrer Festnahme im Jänner 1996 ihre ursprünglich abgelegten Geständnisse nach rund einem Monat widerrief. Die Protokolle sind Zeugnis ihrer Verantwortung danach.

Blauensteiner wurde in zwei Prozessen der Morde an den Pensionisten Alois Pichler, Franziska Köberl und Friedrich Döcker schuldig gesprochen und zu lebenslanger Haft verurteilt. Weitere drei Todesfälle, in denen sie verdächtig war, dafür verantwortlich zu sein, und die sie ursprünglich ebenfalls gestanden hatte, kamen nie zur Anklage. 2003 starb die Verurteilte in einer Justizanstalt. Die protokollierten Gespräche mit Gerichtspsychiaterin Sigrun Roßmanith führte Blauensteiner nach dem Widerruf ihrer Geständnisse im Jahr 2001.

In den von Klenk veröffentlichten Aussagen kristallisiert sich eine Kindheit voller Gewalt, Repression und Sadismus heraus, die Blauensteiner zunächst selbst erdulden musste. "Wenn die Mutter einen auf den Boden tritt, dann können Sie sich vorstellen, wie der Stiefvater war", heißt es in dem Buch über ihre Kindheit, die sie zu einem Gutteil in der Zeit der NS-Herrschaft und des Zweiten Weltkriegs verbrachte. "Alle hatten Angst vorm Hitler. Doch der Stiefvater - der war sofort was. Vorher war er ein Niemand. Gar nichts. Aber dann haben alle Angst gehabt. Vor dem Hitler und vor dem Stiefvater."

Prägend war neben der Gewalt sicher auch die Armut, der Blauensteiner auch als Erwachsene nicht entkam. Sie erlag der Hoffnung auf das einfache und schnelle Geld, so begann sie zu spielen. Schon mit ihrer kleinen Tochter ging sie regelmäßig ins Casino: "Dann bin ich ein halbes Jahr jeden Samstag mit meiner Tochter nach Baden gefahren. Man konnte da durch das Espresso gehen. Da ist sie gesessen. Hat Illustrierte geschaut, die Kleine. Und ich, ich hab gespielt. Roulette", erzählte sie Roßmanith. Der Erfolg war bescheiden: "Ich hab immer verloren. 500 Schilling. Jeden Samstag."

"Die Polizei hat alles verdreht geschrieben"

Immer wieder kommen im Verlauf des Buches Vorwürfe, man habe ihr die - zunächst gestandenen - Morde "anhängen" wollen. Etwa beim Fall Franziska Köberl, die von Blauensteiner "Sorgenmutterl" genannt wurde: "Die Polizei hat alles verdreht geschrieben. Sie hat mir alles vermacht, weil sie mich geliebt hat", bekam Roßmanith zu hören. Oder: "Der Notarzt kommt. 'Die stirbt!' Sie war kein 'Knochengerüst'. Sie hat nicht 'ins Bett uriniert'. Das hat der Kriminalbeamte erfunden! Ich habe sie nicht 'erlöst'. Das hat der Inspektor erfunden!"

Ähnlich auch bei Friedrich Döcker, den sie wie in den anderen verurteilten Fällen mit dem Blutzucker senkenden Medikament Euglucon vergiftet hatte. "'8.8.1994: zwanzig Euglucon.' '14.11.1994: zwanzig Euglucon.' Die Niederschriften stimmen nicht. Es war ein Schlagl (Schlaganfall, Anm.). Eisen im Blut. Kein Mord."

Blauensteiner war für ihre Tochter "unberechenbar"

In der "Nachrede" schildert Klenk - etwa durch ein Gespräch mit Blauensteiners Tochter und einem Enkelkind der Mörderin -, wie sie auch ihren nächsten Verwandten gegenüber agiert haben muss. Da fällt unter anderem das Wort "unberechenbar". Einerseits, als sich ihre Eltern scheiden lassen und die Wohnung von Möbeln komplett leergeräumt wurde, habe ihre Mutter sie getröstet, "mir das Gefühl gegeben, wir schaffen das. Das war ihre positive Seite", schildert Blauensteiners Tochter.

Andererseits: "Wenn sie ihre Wutanfälle bekam, war sie nicht zu halten. Sie schlug mich grün und blau - wegen Nichtigkeiten. Sie hat mich geliebt - und war grausam zu mir", zitiert Klenk die Frau. Es sei auch sadistisch geworden. Weil die Katze ihrer Tochter an der Tapete gekratzt habe, steckte Blauensteiner das Tier in ein Sackerl und schlug es vor den Augen des Mädchens gegen die Wand. Darüber hinaus kommen in der "Nachrede" die Arbeitsmethoden mancher Medienvertreter zur Sprache, als die Todesfälle im Jänner 1996 bekannt werden.

(S E R V I C E - Florian Klenk: "Ausreden. Elfriede Blauensteiner - Ein Bekenntnis.", Wien 2026, Paul Zsolnay Verlag, 114 Seiten, 23,70 Euro, ISBN 978-3-552-07621-1; www.zsolnay.at)

Zusammenfassung
  • Das Buch 'Ausreden' von Florian Klenk dokumentiert die Aussagen der verurteilten Dreifach-Mörderin Elfriede Blauensteiner, die nach dem Widerruf ihrer Geständnisse 2001 mit der Gerichtspsychiaterin Sigrun Roßmanith geführt wurden.
  • Blauensteiner wurde für die Morde an drei Pensionisten zu lebenslanger Haft verurteilt, während drei weitere Todesfälle trotz Geständnis nie angeklagt wurden und sie 2003 in einer Justizanstalt starb.
  • Das am Dienstag erschienene Buch umfasst 114 Seiten, kostet 23,70 Euro und gibt auch Einblicke in Blauensteiners Kindheit, ihre Spielsucht sowie die Aussagen ihrer Tochter über Gewalt und Unberechenbarkeit.