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Ausnahmezustand nach Häftlingsmeutereien in Guatemala

Heute, 02:59 · Lesedauer 3 min

Nach Meutereien in drei Gefängnissen in Guatemala hat die Regierung des mittelamerikanischen Landes den Ausnahmezustand verhängt. Mittlerweile haben die Sicherheitskräfte nach Behördenangaben wieder die Kontrolle über die Gefängnisse, in denen Häftlinge rund 40 Geiseln genommen hatten. Nun sollen Polizei und Militär in den nächsten 30 Tagen mit aller Kraft gegen das organisierte Verbrechen in dem mittelamerikanischen Land vorgehen.

"Wir verhandeln nicht mit Kriminellen und tolerieren keine terroristischen Handlungen. Im Rahmen des Gesetzes zwingen wir sie mit dem Schwert der Gerechtigkeit in die Knie", sagte Präsident Bernardo Arévalo in einer Regierungserklärung.

Nachdem die Sicherheitskräfte die Gefängnisse gestürmt und unter Kontrolle gebracht hatten, kam es zu einer Welle der Gewalt. Bei einer Reihe von Angriffen auf Polizisten im Großraum von Guatemala-Stadt starben mindestens acht Beamte, als mutmaßliche Gangmitglieder das Feuer auf sie eröffneten. Die Attacken seien eine Reaktion der kriminellen Banden auf die Niederschlagung der Gefangenenmeuterei gewesen, sagte Innenminister Marco Antonio Villeda. Sieben Verdächtige seien festgenommen worden. Ein weiteres mutmaßliches Bandenmitglied wurde demnach bei einem Polizeieinsatz getötet.

Häftlinge nahmen Wärter als Geiseln

Zuvor hatten Häftlinge über Stunden hinweg die Macht in den Gefängnissen übernommen. Gefangene zeigten sich auf den Wachtürmen und forderten Verbesserungen der Haftbedingungen, wie in einem Video der Zeitung "Prensa Libre" zu sehen war. Polizei und Militär umstellten die Gefängnisse in Guatemala-Stadt, Escuintla und Quetzaltenango. Eine schwangere Justizvollzugsbeamtin ließen die Häftlinge bereits zu Beginn des Aufstands frei.

Bei dem Einsatz in Escuintla wurde der als "El Lobo" bekannte Anführer der Bande Mara 18 festgenommen, von der Polizei veröffentlichte Bilder zeigten, wie Beamte den an der Schulter blutenden Mann aus dem Gefängnis eskortierten. Diese Bande war im Oktober vom Kongress zur Terrorgruppe erklärt worden, kurz nachdem die USA sie als ausländische Terrororganisation eingestuft hatte. Ihr Anführer "El Lobo" verbüßt Haftstrafen von insgesamt rund 2000 Jahren. Er ist mit der Nichte der ehemaligen First Lady Sandra Torres verheiratet, die bei drei Präsidentschaftswahlen unterlag.

Die Aufstände seien eine Folge der Entscheidung der Behörden, den inhaftierten Anführern krimineller Banden ihre Privilegien zu entziehen, hieß es in einer Stellungnahme des Innenministeriums. So seien bei Razzien in den Haftanstalten zuletzt Mobiltelefone, Waffen sowie Drogen sichergestellt und illegale Bauten in den Gefängnissen zerstört worden, teilte die Gefängnisverwaltung des mittelamerikanischen Landes mit.

Bandenchefs führen Geschäfte aus dem Gefängnis heraus

In Mittelamerika kontrollieren mächtige Jugendgangs - die sogenannten Maras - ganze Stadtviertel und sind in Schutzgelderpressung sowie Drogenhandel verwickelt. Die inhaftierte Bandenchefs steuern ihre kriminellen Geschäfte oft weiterhin aus dem Gefängnis heraus.

Zusammenfassung
  • Nach Meutereien in drei guatemaltekischen Gefängnissen mit rund 40 Geiseln verhängte die Regierung einen 30-tägigen Ausnahmezustand und sicherte sich mithilfe von Polizei und Militär wieder die Kontrolle.
  • Mindestens acht Polizisten wurden bei Angriffen mutmaßlicher Gangmitglieder im Raum Guatemala-Stadt getötet, sieben Verdächtige festgenommen und ein weiteres Bandenmitglied bei Polizeieinsätzen getötet.
  • Der als "El Lobo" bekannte Anführer der Terrorgruppe Mara 18, der Haftstrafen von etwa 2000 Jahren verbüßt, wurde bei einem Einsatz in Escuintla festgenommen, nachdem die Behörden zuvor Privilegien für Bandenchefs eingeschränkt hatten.