AstraZeneca in Deutschland nur noch für Menschen über 60 freigegeben

31. März 2021 · Lesedauer 3 min

Die deutschen Gesundheitsminister von Bund und Ländern haben beschlossen, dass der Corona-Impfstoff von AstraZeneca ohne Einschränkung nur noch bei den über 60-Jährigen eingesetzt werden soll.

Bei Personen unter 60 Jahren könnte die Impfung mit AstraZeneca für die Prioritätengruppen eins und zwei nach "sorgfältiger", ärztlicher Beratung ebenfalls fortgesetzt werden, heißt es in dem Beschluss vom Dienstag. Dies soll nur noch in Hausarztpraxen geschehen. Davor hatte die Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland den Corona-Impfstoff von AstraZeneca nur noch für Menschen ab 60 Jahren empfohlen.

Menschen unter 60 Jahren, die bereits ihre Erstimpfung mit AstraZeneca bekommen haben, können laut Gesundheitsministerkonferenz wählen, ob sie auch die zweite Impfung mit diesem Produkt wünschen. Sie können stattdessen auch abwarten, wie sich die Stiko zu einer Zeitimpfung mit einem anderen Produkt positioniert. Dazu will das Expertengremium sich bis Ende April äußern.

Bund folgt Berliner Vorbild

Zur Verabreichung der zweiten Impfstoffdosis für Menschen unter 60 Jahren, die bereits eine erste Dosis des AstraZeneca-Impfstoffs erhalten haben, will die Stiko bis Ende April eine ergänzende Empfehlung abgeben. Nach neuen Komplikationen und Todesfällen zeitnah nach einer Impfung haben die deutschen Bundesländer Berlin, Brandenburg und die Stadt München Impfungen mit AstraZeneca für unter 60-Jährige vorläufig ausgesetzt.

Österreich bleibt bei Impfplan

Vom österreichischen Gesundheitsministerium hieß es, man stehe bezüglich des Vakzins in ständigem internationalen Austausch. Das Nationale Impfgremium (NIG) werde sich - wie auch schon in den vergangenen Wochen - mit aktuellen Entwicklungen zu AstraZeneca befassen. Derzeit wird die Impfung nach Plan weiter verfolgt.

Zusammenhang nicht belegbar

Laut dem österreichischen Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) kann bei den in Europa registrierten Fällen von Sinusvenenthrombosen ein kausaler Zusammenhang mit der Impfung derzeit nicht belegt, aber auch noch nicht sicher ausgeschlossen werden. Bei Frauen unter 55 Jahren bestehe laut der Behörde nach der Impfung gegen Covid-19 ein Signal für ein sehr geringes Risiko (geringer als 1:100.000) für eine seltene Form von Gerinnungsstörungen mit Blutgerinnsel, worauf vor der Impfung hingewiesen werden soll. Hierbei handle es sich um Blutgerinnsel in den großen Venen im Gehirn, eine sogenannte Sinusvenenthrombose, die vereinzelt auch mit einer Abnahme der Blutplättchen einherging.

Dem BASG wurden bis zum 29. März zwei Fälle von Sinusvenenthrombosen in zeitlicher Nähe zu einer Impfung mit dem Impfstoff von AstraZeneca gemeldet. Bis dato gibt es noch keine gesicherten Hinweise auf einen Zusammenhang mit der Impfung.

Das deutsche Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat inzwischen 31 Fälle von Sinusvenenthrombosen nach AstraZeneca-Impfung registriert. In 19 Fällen sei zusätzlich ein Mangel an Blutplättchen, eine Thrombozytopenie, gemeldet worden, teilt das PEI auf Anfrage mit. Neun Betroffene seien gestorben. Mit Ausnahme von zwei Fällen beträfen alle Meldungen Frauen im Alter von 20 bis 63 Jahren. Die beiden Männer waren demnach 36 und 57 Jahre alt. Laut Impfquotenmonitoring des Robert-Koch-Instituts wurden bis einschließlich Montag 2,7 Millionen Erstdosen und 767 Zweitdosen von AstraZeneca verimpft.

Quelle: Agenturen