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Annie Ernaux erhält den Literaturnobelpreis 2022

06. Okt. 2022 · Lesedauer 2 min

Die französische Autorin Annie Ernaux erhält den Literaturnobelpreis 2022.

Die 82-Jährige wurde am Donnerstag in Stockholm als die Preisträgerin "für den Mut und die klinische Schärfe, mit der sie die Wurzeln, Entfremdungen und kollektiven Fesseln der persönlichen Erinnerung aufdeckt" gewürdigt. "Wir haben Annie Ernaux bisher noch nicht telefonisch erreicht. Aber wir sind sicher, dass sie die Nachricht bald erhalten wird", so Mads Malm, Sekretär der Schwedischen Akademie.

Verliehen wird die mit zehn Millionen Schwedischen Kronen (rund 925.000 Euro) dotierte Auszeichnung am 10. Dezember, dem Todestag des schwedischen Dynamiterfinders und Preisstifters Alfred Nobel. Im Vorjahr ging der Preis an den aus Sansibar stammende Autor Abdulrazak Gurnah, im Jahr davor wurde die US-Lyrikerin Louise Glück ausgezeichnet.

Die "Ethnologin ihrer selbst"

Ernaux wuchs als Arbeiterkind in der Normandie auf und studierte in Rouen und Bordeaux. Sie arbeitete als Gymnasiallehrerin und veröffentlichte 1974 mit "Les Armoires vides" ihren ersten autobiografischen Roman. Seither sind rund 20 Romane erschienen, darunter "Les Années" (2008) und "Mémoire de fille" (2016). Zuletzt wurde die Verfilmung ihres 2000 erschienenen Romans "L'événement" breit rezipiert. Darin beschreibt sie, wie sie als Studentin 1963 schwanger wird. In einer Zeit und einem Land, in dem Abtreibung verboten ist, versucht sie, das in ihr heranwachsende Kind nicht zu bekommen. Die Verfilmung durch die Französin Audrey Diwan gewann 2021 den Goldenen Löwen der Filmfestspiele Venedig und sorgte auch aufgrund der unübersehbaren Parallelen zu aktuellen Entwicklungen wie etwa in den USA für Diskussionen.

Auch in den Theatern wurden Dramatisierungen ihrer Bücher immer wieder gespielt. So bereitet am Volkstheater Wien derzeit Ed Hauswirth eine Dramatisierung ihres Romans "Die Scham" vor. Premiere ist am 29. Oktober in der "Dunkelkammer" des Hauses.

Im Frühjahr erhielt Ernaux den 13. Würth-Preis für Europäische Literatur - "für die Unerschrockenheit, mit der sie ihre Erfahrung in ihrer Autofiktion protokolliert, und für die Klarheit ihres Blickes auf Gesellschaft und kollektives Gedächtnis". Die schwedische Akademie würdigte sie nun "für den Mut und die klinische Schärfe, mit der sie die Wurzeln, Entfremdungen und kollektiven Fesseln der persönlichen Erinnerung aufdeckt".

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Quelle: Redaktion / ddj