APA - Austria Presse Agentur

338 Verkehrstote in Österreich 2020 - Minus 19 Prozent

01. Jan 2021 · Lesedauer 3 min

338 Menschen sind laut dem Innenministerium (BMI) im Jahr 2020 auf Österreichs Straßen tödlich verunglückt. Womit die niedrigste Zahl an Verkehrstoten seit Beginn der Aufzeichnungen im BMI im Jahr 1950 registriert wurde. Das sind um 78 Todesopfer oder 18,8 Prozent weniger als im Jahr 2019 mit 416 Toten. Ursache ist vor allem der Corona-Lockdown im Frühjahr mit weniger Verkehr und somit weniger Unfällen als Folge. Nicht geändert hat sich das zu hohe Tempo als Hauptursache.

Dabei betrug der Rückgang an Verkehrstoten im ersten Halbjahr 2020 sogar 22 Prozent, berichtete die Statistik Austria im Oktober des vergangenen Jahres. Laut Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) waren die Aufgaben für die Exekutive im Jahr 2020 zwar vor allem durch die Corona-Pandemie geprägt. "Die niedrige Zahl an Verkehrstoten zeigt aber auch, dass traditionelle Aufgaben wie die Verkehrsüberwachung nicht vernachlässigt wurden", betonte er in einer BMI-Aussendung. Trotzdem sei jeder Verkehrsunfall einer zu viel, mit Maßnahmen im Bereich der Bewusstseinsbildung könnte jedoch eine nachhaltige Verringerung erzielt werden.

Der Zielwert des Österreichischen Verkehrssicherheitsprogrammes 2011 bis 2020 mit 311 Opfern im Jahr 2020 (50 Prozent von 621 Getöteten) wurde mit 338 Getöteten letztendlich trotzdem nicht ganz erreicht, die Reduzierung beträgt 45,6 Prozent. Die Zahl von 338 ist dabei rund ein Neuntel der Todesopfer vom Jahr 1972, dem bisher "schwärzesten Jahr" der Unfallstatistik mit 2.948 Toten.

Eine Zunahme der Zahl an Verkehrstoten gab es im Bundesländervergleich nur in Kärnten, wo 35 Menschen nach 29 im Jahr davor starben. In Vorarlberg und Wien blieb die Zahl gleich, bilanzierte das BMI am Neujahrstag, 15 Tote bzw. zwölf waren es hier wieder. Im Burgenland gab es im abgelaufenen Jahr 18 Verkehrstote (2019: 32), in Niederösterreich 89 (101), in Oberösterreich 65 (87), in Salzburg 27 (31), in der Steiermark 52 (72), in Tirol 25 (37). In den Bundesländern Niederösterreich, Oberösterreich, der Steiermark und in Tirol wurden im Jahr 2020 wie in ganz Österreich ebenfalls die bisher geringsten Zahlen an Verkehrstoten seit 50 Jahren verzeichnet.

Mit 143 Pkw-Insassen, die im Vorjahr ihr Leben verloren haben, war diese Zahl am höchsten, es folgen 73 Motorradfahrer, 49 Fußgänger, 39 Radfahrer (davon 19 mit Elektro-Fahrrädern), 20 Lkw-Insassen (davon 15 im Klein-Lkw), vier Mopedfahrer, drei sonstige Beteiligte, drei Traktor-Lenker/Mitfahrer, zwei Microcar-Insassen, ein Lenker eines E-Scooters und ein Omnibus-Insasse. Angestiegen gegenüber 2019 ist die Zahl der getöteten E-Bike-Lenker, Lkw-Insassen und Radfahrer. 135 (42,7 Prozent) aller tödlichen Unfälle sind Alleinunfälle, das heißt, es ist nur ein Fahrzeug am Unfall beteiligt.

Als die beiden vermutliche Hauptunfallursachen der Mehrheit an tödlichen Verkehrsunfällen gelten weiterhin die nicht angepasste Fahrgeschwindigkeit (31,8 Prozent) gefolgt von Unachtsamkeit und Ablenkung (20,9 Prozent), es folgen Vorrangverletzung (15,5 Prozent) und bereits mit unter zehn Prozent das Fehlverhalten von Fußgängern (7,3 Prozent). Alkoholisierung war bei 18 oder 5,7 Prozent der tödlichen Unfälle gegeben. Der Großteil der tödlichen Unfälle ereignet sich auf den ehemaligen Bundesstraßen (125 Getötete), Landesstraßen (104) und sonstigen Straßen (75). Bei Verkehrsunfällen mit Geisterfahrern kam 2020 diesmal kein Verkehrsteilnehmer ums Leben, 2019 war es eine Person gewesen.

Zwei Kinder im Alter bis 14 Jahren kamen im Straßenverkehr 2020 ums Leben, davon ein Kind als Lenker eines Leichtmotorrades und ein Kind als Pkw-Insasse. 2019 verunglückten 16 und 2018 drei Kinder tödlich. Kein Kind im Alter bis 15 Jahren kam 2020 bei einem Schulwegunfall ums Leben. Sieben Fußgänger kamen jedoch auf Schutzwegen ums Leben, 2019 waren es 13.

"Die 338 Verkehrstoten sind Mahnung verstärkte Verkehrssicherheitsmaßnahmen zu setzen", stellte der Sprecher des VCÖ (Verkehrsclub Österreich), Christian Gratzer fest. Der Vergleich mit der Schweiz zeige den Aufholbedarf Österreichs. Österreich hatte im Vorjahr um rund 80 Prozent mehr Verkehrstote als die Schweiz mit 187 im gesamten - coronafreien - Jahr 2019. "Die Schweiz setzt vor allem beim Tempo an. Aus gutem Grund. Auch in Österreich ist nicht angepasste Geschwindigkeit die Hauptursache tödlicher Verkehrsunfälle. Mit dem Tempo steigt das Risiko eines schweren Unfalls", so VCÖ-Sprecher Gratzer.

Quelle: Agenturen