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Kommentar: Laborversuch gescheitert

29. März 2021 · Lesedauer 2 min

Der Osten kann sich über eine Verlängerung der Osterruhe nicht einigen. Ein bundesweiter Lockdown dürfte unausweichlich sein.

Offenbar steuert Österreich in ein neues Pandemie-Experiment. Die vergangene Woche bis zum 6. April beschlossene "Osterruhe" für die Ostregion ist am heutigen Montag schon wieder Geschichte. Angesichts der steigenden Corona-Zahlen und der sich dramatisch zuspitzenden Situation in den Krankenhäusern drückt Wien die Stopptaste und verlängert den Lockdown um eine Woche bis zum 11. April. Niederösterreich und das Burgenland stehen freilich noch auf der Bremse.

Niederösterreich möchte den Handel am 6. April wie geplant öffnen und die Situation erst nächste Woche neu bewerten, der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil plädiert für eine gesamtösterreichische Lösung - Einigkeit sieht anders aus. Wobei Doskozils Einwurf als der wahrscheinlich klügste Vorschlag zu bewerten ist.

Es ist schwer vorstellbar, dass Wien hier einen Alleingang geht und eine Millionenstadt in die Selbstisolation schickt, während ein paar Kilometer weiter die Geschäfte am Osterdienstag wieder aufsperren. Ein Chaos wäre vorprogrammiert, die jetzt schon schwer verständliche Verordnungen müssten gänzlich neu angepasst werden und würden zusätzlich für Verwirrung stiften. Wien an den Ausfahrtsstraßen abzuriegeln dürfte keine Option sein, mit dem Resultat, dass sich noch weniger Menschen an die Regeln halten werden und der Lockdown-Effekt eher gering ausfallen wird.

Der Bund wird sich wohl von seiner neuen Direktive, die Verantwortung der Pandemie-Bekämpfung an die Länder auszulagern, wieder verabschieden müssen. Ein Lockdown-Fleckerlteppich quer über das gesamte Bundesgebiet wäre die Konsequenz. Der Laborversuch im Osten ist als gescheitert anzusehen. Da auch im Westen die Zahlen steigen und die Intensivkapazitäten an ihre Grenzen stoßen, wird wohl ein landesweiter Lockdown, wie Experten seit Wochen eindringlich fordern, unumgänglich sein. Das ist zwar wenig populär, aber wahrscheinlich ohne Alternative.

Stefan KaltenbrunnerQuelle: Redaktion / sk