Virologe Steininger: "Werde nicht auf die FFP2-Maske verzichten"

30. Juni 2021 · Lesedauer 4 min

Im Newsroom LIVE spricht Anchorwoman Sabine Loho mit dem Virologen Christoph Steininger, dem Gründer von "Lead Horizon", darüber, warum er trotz fallender FFP2-Maskenpflicht weiterhin eine tragen will, Impfungen und warum uns Corona noch Jahre begleiten wird.

Virologe Christoph Steininger streicht im Interview mit Sabine Loho die Gefahr der Delta-Variante des Corona-Virus heraus: "Es ist deutlich ansteckender als die ersten Variante" Das führe zu mehr Infizierten und Erkrankten. Durch die momentan in Österreich niedrigen Neuinfektionszahlen aktuell wurden 59 neue Fälle gemeldet - würde sich das zurzeit nicht auswirken, aber das bedeute für den Herbst "eine völlig andere Situation". Ob die Krankheitsverläufe bei einer Infektion mit der Delta-Mutation anders als bei früheren Varianten seien, könne man noch nicht sagen, so der Experte, weil bisher nur wenige Daten vorliegen würden. "Man weiß nur, dass diese Variante infektiöser ist, ob sie gefährlich ist, wissen wir nicht."

Masken-Lockerungen nur mit 3G-Regel

Wenn ab 1. Juni  die FFP2-Maskenpflicht fällt "müssen wir auf jeden Fall weiterhin vorsichtig bleiben. Entscheidend ist, dass diese Lockerungsmaßnahmen mit der Einhaltung der 3G-Regel verbunden werden", argumentiert der Virologe. Man könne sich zwar freier bewegen, habe aber weiterhin das Sicherheitsnetz mit Testen und Impfen. Dadurch habe man mehr Spielraum bei der Umsetzung von Lockerungen. Steininger selbst werde jedoch nicht auf die FFP2-Maske verzichten. Diese Entscheidung läge bei jedem Einzelnen.

Bei der Öffnung der Nachtgastronomie und der damit einhergehenden Zunahme an feiernden Jugendlichen sieht der Mediziner kein Problem. Allerdings gebe es begleitende Themen. Bei den Jugendlichen seien "die wenigsten bisher geimpft. Da gibt es ganz viel Nachholbedarf". Auch der Grüne Pass sei jetzt erst eingeführt worden. Es sei für die Gastronomen nicht einfach, die unterschiedlichen Zertifikate zu überprüfen. "Man müsste nicht nur das, sondern auch einen Identitätsnachweis überprüfen. Und wie viele Gastronomen hätten wirklich die Zeit, dass sorgfältig zu tun? Das ist es, was mir wirklich Sorgen macht."

Corona wird uns noch Jahre begleiten

Steininger sieht zur Impfung nur die Alternative, dass man eine Erkrankung durchmacht, so wie auch schon der deutsche Virologe Christian Drosten angemerkt hat. Die Corona-Situation werde "sicher noch einige Jahre anhalten". Dann wird ein Gleichgewicht entstehen, bei dem viele Menschen Immunität haben. Im Idealfall werde das durch die Impfung, im schlechteren Fall durch die Infektion passieren. Dadurch hätte das Virus dann wenig Chancen, uns schwer krank zu machen. "Ich geh davon aus, dass es immer wieder neue Varianten geben wird, wie bei den Schnupfenviren." Steininger denkt, dass es in Zukunft nicht mehr zu vielen schweren Krankheitsverläufen kommen wird. Allerdings werde es noch einige Jahre dauern, bis es so weit ist.

Impfstoffe werden immer "nachhinken"

Impfstofffirmen würden bereits an neuen Impfstoffen, die neue Varianten einschließen, arbeiten. "Wir werden aber wahrscheinlich immer etwas hinten nachhinken, bis wir einen neuen Impfstoff haben." Durch Kreuzimmunität gegen andere Varianten, die man durch Impfen erreichen kann, sei schon viel gewonnen. Deshalb sei eine Durchimpfung besonders wichtig, weil das einen geringen Schutz auch gegen zukünftige noch infektiösere oder gefährlichere Varianten bieten würde.

Mache es für Geimpfte überhaupt noch einen Sinn, einen Antigentest zu machen, frage Anchorwoman Sabine Loho nach. "Eigentlich nein", erwiderte Steininger. "Antigentests sind sehr insensitiv und unzuverlässig, vor allem bei Menschen, die keine Symptome haben." Wenn man sich trotz Impfung infiziert, benötige man den sehr verlässlichen Test PCR-Test.

Flächendeckende Sequenzierungen möglich

Auch die Wichtigkeit von Sequenzierungen strich der Experte heraus, um neue Varianten zu entdecken. Auch das sei nur per PCR möglich. Das Problem sei, dass in fast allen Bundesländern die PCR-Testung zurückgefahren werde. "Wir werden auf diesem Auge blind", bemängelte der diplomierte Tropenmediziner die aktuelle Entwicklung. Man könne Varianten dadurch nicht so rasch und gut nachweisen. Es gebe Angebote an Bundesländer, die nicht viel sequenzieren. Zudem gibt es Konzepte, auch Flächenbundesländer abzudecken. Das wäre komplizierter als in Wien, aber möglich. Warum das bisher nicht passiert ist? "Das ist mir ein Rätsel." 

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam