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Studie: Coronaviren befallen nur wenige Lungenzellen

29. Juni 2022 · Lesedauer 2 min

Einer neuen Studie der Berliner Charité zufolge kann der Covid-19-Erreger nur in sehr begrenztem Maß die Zellen der menschlichen Lungenbläschen direkt infizieren.

Wie das Universitätsklinikum am Mittwoch mitteilte, gelangte eine Forschungsgruppe nach einer erfolgreichen Simulation einer Infektion mit SARS-CoV-2 an menschlichen Lungen zu dieser Erkenntnis.

Nur geringer Gewebeschaden in Lungen

Die Simulation an im Labor kultivierten, lebenden Lungenproben generierte demnach zentrale Erkenntnisse zum Infektionsmechanismus. So fanden die Forschenden heraus, dass die Viren nur sehr wenige Epithelzellen, welche die Oberfläche der Lungenbläschen auskleiden, infizieren. Somit verursachen sie auch nur einen sehr geringen direkten Gewebeschaden.

Der überwiegende Teil der in die Lunge gelangten Viren wird hingegen von Makrophagen - Zellen der angeborenen Immunabwehr - direkt aufgenommen. In diesen löst er dann eine gezielte Immunaktivierung aus.

Lungenschäden durch Immunaktivierung hervorgerufen

"Unsere Studie deutet darauf hin, dass schwere Lungenschäden bei Covid-19 eher auf eine durch Makrophagen ausgelöste Immunaktivierung als auf eine direkte Zerstörung der Lungenbläschen durch das Virus zurückzuführen sind", erklärte der Leiter des Forschungsteams, Andreas Hocke. Die Untersuchung trage damit wesentlich zum Verständnis der Entstehung von Covid-19 in der Frühphase einer möglichen Lungenentzündung bei.

Moderater Verlauf im Gegensatz zu MERS-Coronaviren

Sie zeige zudem, warum SARS-CoV-2 im Gegensatz zu MERS-Coronaviren in der Mehrzahl der Fälle einen eher moderaten Verlauf aufweist. Es lasse sich davon ausgehen, dass die lokalen Immunmechanismen im Atemgewebe die SARS-CoV-2-Viren in den allermeisten Fällen sehr effizient beseitigen und die Entzündungsreaktion begrenzen.

"Geschieht das nicht, was möglicherweise durch individuelle Risikofaktoren beeinflusst wird, können in seltenen Fällen schwere und tödliche Verläufe entstehen", teilte Hocke weiter mit. Im Zentrum nachfolgender Arbeiten soll deshalb der Einfluss von allgemeinen Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht, Begleiterkrankungen und anderen Medikationen vertiefend analysiert werden.

Quelle: Agenturen / Redaktion / msp