Popper: "Einen Best Case gibt es nicht mehr"

17. Nov 2021 · Lesedauer 3 min

Simulationsforscher Niki Popper bemängelt langsame PCR-Tests, die niedrige Durchimpfungsrate und Maßnahmen, die weder richtig kommuniziert noch kontrolliert werden. "Einen best case gibt es nicht mehr", sagt er im PULS 24-Interview.

Laut Corona-Prognose-Konsortium ist die momentan geltende 2G-Regel nicht ausreichend, um die Überlastung der Intensivstationen zu verhindern. Simulationsforscher Niki Popper sieht die Politik vor folgender Entscheidung: "Ist man bereit, diese bisher sehr schwachen Effekte weiter in Kauf zu nehmen und die regionale Überlastung damit auch oder entscheidet man sich dafür einzugreifen?" Wenn man noch eine Wirkung erzielen will "muss das schnell gehen".

"Einen best case gibt es nicht mehr", aber wenn nicht gegengesteuert wird, sei nicht abzuschätzen, wann der Peak der Corona-Welle erreicht werde. Es sei aber klar, dass er kommt. Wenn nicht zeitnah reagiert werde, könne man der Entwicklung auf den Intensivstationen nur zuschauen. 

Impfungen reichen nicht

Schnell wirken würden Booster-Impfungen, die seien aber zurzeit nicht das Problem. Beim derzeitigen Impfstatus "werden wir in ein Problem laufen", das habe das Konsortium auch schon im Frühjahr und Sommer gesagt. "Ich hab im September gesagt, wir brauchen eine Million zusätzlicher Vollimmunisierungen - wir sind gestern bei 600.000 angelangt." Das sei das Problem. Man sei von "lächerlichen" 4.000 Erstimpfungen im Oktober auf 18.000 gekommen. Das reiche aber nicht. 

Erstimpfungen würde aber in den kommenden Wochen am Zustand in den Spitälern nichts ändern. "Hier muss die Politik entscheiden, sind wir bereit, weiter zuzuschauen?" oder werden effektive Maßnahmen gesetzt. "Umso stärker, desto schneller werden wir einen Effekt sehen."

Langsame PCR-Tests nützen nichts

Ein Problem sei, dass in vielen Regionen gesetzte Maßnahmen nicht umgesetzt, also weder richtig kommuniziert noch kontrolliert wurden. Fehler der Politik seien, dass man PCR-Tests vorschreibt, dann jedoch sage, man sei darauf nicht vorbereitet gewesen. Wenn die Testergebnisse von einem Tag auf zwei, drei, vier erhöht würden, mache das evidenzbasiert laut Popper keinen Sinn mehr, um Neuinfektionen zu reduzieren. "Wenn die PCR-Tests mehrere Tage brauchen, dann schau ich der Epidemie erste Reihe fußfrei bei Explodieren zu." Wirksam eingreifen könne man nur, wenn Infizierte schnell isoliert werden können. 

Das größte Versäumnis sei die Durchimpfungsrate, die uns auch noch im Jänner, Feber und März begleiten werde. Manche Maßnahme könne auch das Konsortium nicht einschätzen. Über 2G-Plus (geimpft, genesen oder PCR-getestet) gebe es keine Erfahrungswerte, das könne man nicht vorhersagen. 

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam