Schernhammer zur Impfpflicht: Auch Betriebe sollten sich das überlegen

12. Nov 2021 · Lesedauer 2 min

Eva Schernhammer, Leiterin der Abteilung für Epidemiologie an der Meduni Wien, erklärt im PULS 24 Interview, wie es zu der drastischen Corona-Lage kommen konnte und was jetzt helfen könnte.

Zwei Faktoren hätten im Wesentlichen zu der jetzt drastischen Corona-Lage in Österreich geführt, sagt Eva Schernhammer. Der Impffortschritt sei zu gering. Vor dem Sommer hieß es, dass man über 60 Prozent brauche, das sei sich nicht ausgegangen. Nun, wo sich die Delta-Variante und teilweise auch Delta-Plus ausgebreitet haben, bräuchte man wahrscheinlich schon über 90 Prozent Immunisierte, sagt Schernhammer. 

Der zweite Punkt ist - und auch das sei vorhersehbar gewesen - das Nachlassen der Impfwirkung. In Israel hätte man sehen können, dass die Auffrischungsimpfungen den Trend wieder umkehrten. Diese zwei Faktoren seien nun - zusätzlich zu kalten Jahreszeit - "ungünstig" zusammengekommen. 

Lockdown für Ungeimpfte reicht "wahrscheinlich" nicht

Dass ein Lockdown oder Kontaktbeschränkungen nur für Ungeimpfte nun ausreichen würde, sei "wahrscheinlich" nicht der Fall, so Schernhammer. Die Dynamik würde "deutlich stärkere Maßnahmen benötigen". Aber was auch immer nun komme, müsse mit einer "Impfanforderung" für Ungeimpfte und zur Auffrischungsimpfung einhergehen, fordert die Epidemiologin.

Schernhammer stellt sich etwa vor, dass während eines Lockdowns Briefe mit konkreten Impfterminen verschickt werden sollten: "Es muss ein konkretes Impfangebot geben". Und dann sollte man auch über Konsequenzen nachdenken, was passiere, wenn die Personen nicht erscheinen, fordert die Medizinerin. 

Im Gesundheitswesen sei eine Impfpflicht sowieso das "Gebot der Stunde". Bei anderen Krankheiten "eigentlich schon immer". Aber auch private Betriebe sollten sich überlegen, Druck auf die Mitarbeiter auszuüben. In den USA sei das im Moment ein großes Thema. 

Quelle: Redaktion / koa