Intensiv-Leiterin Cokic: "Um jedes Bett wird gekämpft"

05. Nov 2021 · Lesedauer 2 min

Die Lage auf den Intensivstationen spitzt sich zu. Intensiv-Leiterin Natalija Cokic aus Graz erklärt, wieso man Betten nicht einfach aufstocken kann und warum es teils unmöglich ist, OPs zu verschieben.

Seit die Hälfte der Betten für Corona-Patienten freigemacht wurden, wird dort um jedes Nicht-Covid-Bett gekämpft, schildert Leiterin der Intensivmedizin am LKH Graz, Natalija C0kic. Jede Stunde entscheide man neu, für wie viele und ob überhaupt noch Platz für Patienten ist, die man behandeln kann.

"Ein Krebspatient kann nicht warten"

In jeder Fachdisziplin werden verschiebbare OPs verschoben. Man versuche, das so kurz wie möglich zu halten. Ein oder zwei Tage seien oft kein Problem, wenn es aber um Wochen oder Monaten gehe, sei das problematisch. Bei manchen Eingriffen gehe das nicht. "Ein Krebspatient kann nicht warten", erklärt die Ärztin. Und man müsse auch Puffer für etwaig auftretende Komplikationen einrechnen. Zur Not könne man auch auf Partnerspitäler ausweichen. Man müsse extrem flexibel sein, aber im zweiten Jahr der Pandemie werde man müde. "Leicht ist es nicht."

Natürlich hätten nicht alle Patienten Verständnis. Geimpfte fragen sich, wieso sie zurückstecken müssen. Doch Intensivbetten, so Cokic, könne man nicht herzaubern. "Man kann nur schauen, was kann man ein bisschen optimieren, wo kann man ein Auge zudrücken." Ein zusätzliches Problem sei, dass man ansteckende Patienten, die zum Beispiel an Influenza leiden, nicht mit Covid-Patienten mischen könne.

Erweiterung nicht möglich

Eine Aufstockung der Betten sei nicht schnell möglich. Die Geräte könne man kaufen, das hochspezialisierte Personal fehle jedoch und man könne niemanden schnell anlernen. Man hoffe, dass die Maximalanzahl an Patienten bald erreicht wird. Dass Covid-Patienten so lange eine Behandlung auf der Intensivstation brauchen, führe dazu, dass eine Entspannung erst ein Monat nachdem sich die Zahlen stabilisieren oder zurückgehen, eintrete.

Was sie nicht versteht ist, warum sich die Menschen nicht schützen, wo doch die Impfung allen offenstehe. Wenn diese Leute wüssten, in welchem Zustand sie im Fall einer Erkrankung sind, würden sie es sicher anders machen und sich vorher impfen lassen, ist sich Cokic sicher. Natürlich sei eine Impfung nicht "wie ein Zuckerl", erklärt die Intensiv-Leiterin, sonst würde sie nicht wirken. Dass die Menschen das erwarten, stößt bei ihr auf Unverständnis. 

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam