APA - Austria Presse Agentur

Herdenimmunität "schwieriger": Geimpfte fast so ansteckend wie Ungeimpfte

19. Aug 2021 · Lesedauer 3 min

Eine Studie der Uni Oxford attestiert der Corona-Impfung guten Schutz vor Ansteckung, doch sobald man mit der Delta-Variante angesteckt ist, ist die Viruslast ähnlich hoch wie bei Ungeimpften.

"Impfstoffe sind wahrscheinlich am besten geeignet, schwere Krankheiten zu vermeiden und etwas weniger, um die Übertragung zu verhindern", sagte Oxford-Wissensschafter Koen Pouwels nach der Auswertung einer neuen Studie. 

Zwei Impfungen mit Biontech/Pfizer oder AstraZeneca bieten guten Schutz vor der hochansteckenden Delta-Corona-Variante. Aber die Wirksamkeit nimmt mit der Zeit ab - und eine Infektion mit der Delta-Variante löst bei Vollgeimpften eine ähnlich hohe Viruslast aus wie bei Nichtgeimpften, fanden Wissenschafter der Universität Oxford in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie heraus.

"Die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung ist immer noch geringer, wenn Sie zwei Dosen erhalten haben. Aber wenn Sie es tun, haben Sie eine ähnliche Viruskonzentration wie jemand, der überhaupt nicht geimpft wurde", sagte Sarah Walker, Professorin für medizinische Statistik und Epidemiologie an der Universität Oxford, die die Studie leitete.

Herdenimmunität "schwieriger"

Bei der Alpha-Variante sei die Viruslast bei Menschen, die sich trotz einer Impfung infizierten, noch deutlich niedriger gewesen. "Die Tatsache, dass wir eine höhere Viruslast sehen, deutet darauf hin, dass Herdenimmunität tatsächlich schwieriger werden könnte", sagte der Oxford-Wissenschafter Koen Pouwels.

Im Vergleich zum Vorjahr gebe es deutlich mehr Neuinfektionen, warnt Statistik-Professor Erich Neuwirth

Drei Millionen Proben untersucht

Für die Studie, die noch nicht von unabhängigen Experten geprüft wurde, analysierten die Wissenschafter insgesamt Ergebnisse von mehr als drei Millionen Nasen- und Rachenabstrichen bei Erwachsenen in Großbritannien. Um die Zeiträume vor und nach der Verbreitung von Delta zu vergleichen, analysierten die Forscher etwa 2,58 Millionen Abstriche von rund 380.000 Erwachsenen zwischen Anfang Dezember und Mitte Mai sowie 810.000 Testergebnisse von 360.000 Teilnehmern zwischen Mitte Mai und Anfang August.

Infektionsschutz bei Pfizer bei 75 Prozent

Sie kamen auch zu dem Ergebnis, dass der Schutz vor einer Infektion 90 Tage nach der zweiten Impfung mit Biontech/Pfizer bei 75 Prozent und bei AstraZeneca bei 61 Prozent lag. Zwei Wochen nach der zweiten Dosis habe dieser noch bei 85 Prozent beziehungsweise 68 Prozent gelegen. "Diese Daten sagen uns aber nichts über das Schutzniveau gegen schwere Krankheiten und Krankenhausaufenthalte, zwei sehr wichtige Faktoren, wenn man die Wirksamkeit der Impfstoffe betrachtet", gab Pouwels zu bedenken. Die Forscher gaben keine Prognose darüber ab, um wie viel der Schutz im Laufe der Zeit noch abnehmen könnte, legten jedoch nahe, dass die Wirksamkeit beider Impfstoffe vier bis fünf Monaten nach der zweiten Impfung ähnlich sein dürfte.

"Wir haben heuer keinen Sommer wie früher, wir haben nicht mal einen Sommer wie voriges Jahr", sagt Statistiker Erich Neuwirth im PULS 24 Interview mit Blick auf die Corona-Zahlen. Alle Zahlen, die für Prognosen und Einschätzungen in der Pandemie herangezogen werden, seien derzeit höher als zur gleichen Zeit im Vorjahr, sagt Erich Neuwirth. Es gebe nur eine Ausnahme - die der Todesfälle. Damit könnten wir 2021 schon früher Werte erreichen, "die wir wirklich nicht wollen", warnt der Statistiker.

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Quelle: Agenturen / Redaktion / lam