APA - Austria Presse Agentur

Fast jeder vierte Corona-Patient auf Intensivstation

30. März 2021 · Lesedauer 4 min

Die Lage in den Intensivstationen sei in einigen Bundesländern weiterhin angespannt. Während man in Wien Patientinnen und Patienten nicht in andere Bundesländer transferieren will, hat Burgenland in den KRAGES-Spitälern auf Notbetrieb umgestellt. In Niederösterreich sei die Steigerung der intensivpflichtigen Fälle Grund zur Sorge, in Tirol ist die Lage vergleichsweise stabil.

Weiterhin gibt es bei den Zahlen der Corona-Infizierten keine Entspannung - im Gegenteil: Von Montag auf Dienstag wurden erneut 3.001 Neuinfektionen gemeldet.  Die Lage bleibt kritisch und fast jeder vierte Krankenhauspatient mit Corona ist inzwischen auch ein Intensivpatient. Die Zahl der Infizierten in Intensivbehandlung stieg gegenüber Montag um zehn auf 544 Menschen in ganz Österreich an, die Zahl der Hospitalisierungen insgesamt um 94 auf 2.321.

206 Intensivpatienten in Wien

In den Wiener Spitälern sind gegenüber dem gestrigen Montag zwei Personen mehr auf den Intensivbetten und somit 206 Personen - das bedeutet ein Wochenplus von 22,6 Prozent, bei 24,5 lag dieses österreichweit. Die steigende Zahl von Corona-Patienten, die eine intensivmedizinische Behandlung benötigen, wird von Experten als Folge der aggressiveren britischen Variante erklärt, bei der die Patienten nun schneller als im Vorjahr auf Intensivstationen landen.

Valipour: Patienten "teilweise innerhalb weniger Stunden" auf Intensivstation

Arschang Valipour, Leiter der Corona-Station in der Klinik Floridsdorf, spricht im PULS 24 Interview über die Auslastung an den Intensivstationen.

"Augenmerk auf die Akutversorgung"

Diese Entwicklung bestätigt auch Arschang Valipour, Leiter der Corona-Station in der Klinik Floridsdorf, im Interview mit PULS 24 Reporter Daniel Retschitzegger. Betroffene würden laut dem Arzt mittlerweile schon nach wenigen Stunden ein Bett auf der Intensivstation benötigen. " Wir passen laufend die Anzahl der zur Verfügung stehenden Betten an, an dem Bedarf", sagte Valipour und gab an, dass man auch in der Klinik Floridsdorf mittlerweile zunehmend "das Augenmerk auf die Akutversorgung" lege und andere Operationen verschieben würde.

Patiententransfer in Wien kein Thema

Auch wenn die Spitäler an die Kapazitätsgrenzen stoßen, ein Transfer von Patientinnen und Patienten in andere Bundesländer wäre laut einem Sprecher des Wiener Gesundheitsverbundes kein Thema. Das habe mehrere Gründe, wie ein Sprecher des Wiener Gesundheitsverbundes der "APA" gegenüber erläuterte: "Derzeit besteht kein Bedarf einer Verlegung von Patientinnen und Patienten. Wir kommen im Moment - Stand jetzt - mit den Kapazitäten klar." Wobei er auch hinzufügte: "Natürlich ist das in einer Pandemie eine Momentaufnahme." Überdies würden die Transfers keinen Sinn machen, da die Corona-Neuinfektionszahlen auch in den anderen Bundesländern im Steigen wären und die dortigen Krankenhaus-Ressourcen ebenfalls voll gebraucht würden.

Burgenland: Sinkende Intensiv-Belegung wegen "fünf Todesfällen"

Die Situation in den burgenländischen Spitälern sei angespannt und volatil. Am Sonntag habe man 25 Patienten auf den Intensivstationen gehabt, zwischenzeitlich sei diese Zahl wieder auf 20 gesunken. Von einer Entspannung könne aber keine Rede sein. "Das hängt damit zusammen, dass wir in den letzten Tagen auf den Intensivstationen fünf Todesfälle hatten", sagte Doskozil.

Spitäler "am Rande des Kollaps"

Michael Lang, Präsident der burgenländischen Ärztekammer, betonte, die Spitäler stünden "am Rande des Kollaps". Weil der Platz auf den Intensivstationen nicht mehr ausreiche, müssten die letzten verfügbaren Betten, die umgewandelt werden können, in Intensivbetten umfunktioniert werden. Es bestehe die Gefahr, dass nicht nur Covid-19-Patienten, sondern auch Menschen mit anderen Erkrankungen künftig nicht mehr ausreichend versorgt werden können. Die Belastung für die Ärzte und Pfleger sei enorm. "Es ist eine ständige Belastung, der Kampf mit dem ständigen Tod", betonte Lang.

Intensivstationen im Burgenland: "Dritte und höchste Eskalationsstufe erreicht"

Herbert Gruber, Intensivkoordinator des burgenländischen Krankenanstaltenverbandes KRAGES, spricht im PULS 24 Interview über den Notbetrieb an Spitälern.

Steigerungsrate bereitet in NÖ "Sorge"

Niederösterreich stockt die Zahl der Intensivbetten mit Beatmungsgeräten auf. 116 Plätze waren am Dienstag mit Covid-Patienten belegt, 150 mit Nicht-Covid-Erkrankten. 67 Plätze waren frei. "Die Situation ist angespannt, noch nie während dieser Pandemie mussten so viele Corona-Patienten intensivmedizinisch betreut werden", sagte LHStv. Stephan Pernkopf (ÖVP). Die Steigerungsraten der intensivpflichtigen Fälle der vergangenen Tage bereiten laut Landesgesundheitsagentur "Sorge".

Stabile Lage in Tirol

In Tirol bleibt die Corona-Lage in den Spitälern bzw. auf den Intensivstationen hingegen stabil: Mit Stand Dienstag wurden 156 Infizierte stationär behandelt (minus eins), davon benötigten 26 Menschen intensivmedizinische Betreuung - um zwei weniger als am Tag zuvor. Auch die Zahl der insgesamt Infizierten blieb den zweiten Tag hintereinander im Wesentlichen stabil: 2.742 Menschen galten als aktiv positiv, um 13 mehr als am Montag. 285 Neuinfektionen standen 271 weitere Genesene gegenüber.

Über 20 Prozent Intensivanteil

Vergleicht man den prozentuellen Anteil in der aktuellen Corona-Welle mit jenem im vierten Quartal 2020 zeigt sich auch eine stetige Entwicklung von rund 15 Prozent Intensivanteil zu Beginn des vergangenen Novembers, als der Höhepunkt der zweiten Welle begann, hin zu 20 Prozent und darüber in der aktuellen, dritten Welle. Am heutigen Dienstag lag der Anteil der Intensivpatienten bei 23,4 Prozent und lag den ganzen März hindurch bis auf eine Ausnahme bei über 20 Prozent.

Angela PerkonigQuelle: Agenturen / Redaktion / pea