Die Highlights vom Corona-Bürgerform mit Kanzler Kurz

16. Nov 2020 · Lesedauer 5 min

Viele Fragen und Unsicherheiten gibt es nach der Verkündung des neuen Lockdowns. Bundeskanzler Sebastian Kurz beantwortete die Fragen von Bürgern zu den neuen Maßnahmen bei PULS 24 Infochefin Corinna Milborn.

Österreich geht am Dienstag in den zweiten harten Lockdown. Kaum ein Bereich und kaum ein Mensch sind nicht vom neuerlichen Lockdown betroffen, der ab Mitternacht in Kraft tritt: Eltern, die nicht wissen, ob sie ihre Kinder noch in die Schule schicken können oder nicht. UnternehmerInnen, die um ihre Umsätze kurz vor Weihnachten bangen. ArbeitnehmerInnen, die verunsichert sind, ob sie von zuhause arbeiten oder doch in die Firma kommen sollen.

Bundeskanzler Sebastian Kurz beantwortete Ihre Fragen bei PULS 24 Infochefin Corinna Milborn. Die Highlights des Corona-Bürgerforums kompakt zusammengefasst.

Kurz zum Zeitpunkt des zweiten Lockdowns

Michael Sammt: "Meine Frage an den Bundeskanzler ob dieser harte Lockdown tatsächlich jetzt erforderlich ist oder ob es nicht sinnvoller und klüger gewesen wäre ein paar Tage noch zuzuwarten."

Kurz: "Das kann ich sehr schnell beantworten. Aus meiner Sicht ist es absolut notwendig. Wir haben totale Spitzenwerte innerhalb der Europäischen Union. Es gibt kaum ein anderes Land, dass so hohe Ansteckungszahlen hat wie wir. Unsere Intensivstationen stehen kurz vor der Überlastung und für alle denen das nicht reicht noch ein wesentliches Argument: Je höher die Zahlen sind, desto schwieriger ist es sie wieder runter zu bringen. Das heißt, selbst wenn man es auf den Intensivstationen schaffen sollte, selbst wenn wir es ignorieren würden, dass wir im europäischen Vergleich schlechte Zahlen haben im Moment, selbst wenn man das alles ausblendet, so muss man sich doch eins bewusst sein: Wenn man einen soft Lockdown macht oder nur geringe Maßnahmen dann dauert es ewig bis die Zahlen wieder abflachen und man wieder Öffnungsschritte setzen kann. Das heißt ich bin absolut überzeugt davon, dass dieser Schritt notwendig ist, man hätte ihn sogar schon früher setzen können, aber dafür gab es nicht bei allen die Bereitschaft dazu."

Michael Sammt fragt Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), ob der harte Lockdown tatsächlich jetzt erforderlich ist.

Kurz zur Überlastung des Gesundheitssystems

Die diplomierte Krankenpflegerin Eva Maria Burger: "Ich würde ganz gerne von ihnen wissen, wie Sie sich das jetzt in Zukunft im Bereich der Pflege vorstellen. Es ist kein Geheimnis, dass wir seit Jahren schreien, dass wir zu wenig sind und jetzt in diesem Worst-Case-Szenario der Pandemie sieht man ganz deutlich, wie schlecht wir tatsächlich aufgestellt sind. (...) Wie soll das weitergehen? Wie werden wir entschädigt werden? Wie werden wir unterstützt werden während der Pandemie? Wie sind die Pläne nach der Pandemie?

Kurz: "Zunächst einmal ein großes Danke an Frau Burger und alle anderen die im Gesundheitsbereich im Pflegebereich tätig sind. Das ist immer eine wichtige und herausfordernde Tätigkeit. Vor allem in Zeiten einer Pandemie wird dort einfach Unglaubliches geleistet. Zunächst einmal bin ich froh, dass wir in Österreich ein relativ gut aufgestelltes Gesundheitssystem haben. Wir haben eine höhere Ärztequote pro Kopf als die meisten anderen Länder der Welt und die meisten anderen Länder in der Europäischen Union. Wir haben auch mehr Intensivbetten als die meisten anderen Länder der Europäische Union. Das hilft uns jetzt in der Pandemie. Aber natürlich gerade im Bereich der Pflege leiden wir seit Jahren darunter, dass wir eigentlich zu wenig Menschen haben, dass wir eigentlich noch mehr bräuchten, die in den Bereich gehen."

Milborn: "Überlegen Sie sich so etwas, wie eine Sonderzahlung für die, die jetzt an den Intensivbetten stehen (...) und nicht wegkönnen, weil sonst jemand stirbt?"

Kurz: "Natürlich ist das etwas, was wir überlegen. (...) Aber es ist im Moment wirklich so, dass an vielen Fronten viel geleistet wird, die alle mehr verdienen würden und auf der anderen Seiten viele, die nicht arbeiten können, obwohl sie arbeiten wollen würden und die natürlich auch etwas zum Leben bekommen sollten."

Eva Maria Burger fragt Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), wie er sich die Zukunft im Bereich der Pflege vorstellt.

Kurz zur Kritik an der Kommunikation der Regierung

Die Unternehmerin Michaela Endl: "Als junge Menschen, als junge Unternehmer, würden wir uns eine bisserl transparentere Kommunikation wünschen. Wenn man weiß, was passiert, kann man leichter planen. (...) Wir wollen zusammenhelfen, dass wir das in Österreich hinbringen. Wenn wir uns alle nicht so von oben regiert werden würden, sondern sagen, hey, das ist eine gemeinsame Anstrengung bei der wir alle zusammenhalten. Das wünsche ich mir von euch."

Kurz: "Mit der Kommunikation ist das einfach eine massive Herausforderung. Zunächst einmal, wenn es so leicht zu planen wäre, dann wäre ich dankbar, weil dann wäre mein Job wesentlich einfacher. Es lässt sich aber leider Gottes sehr oft sehr sehr schwer berechnen wie die Infektionszahlen sich entwickeln. Salzburg ist ein interessanteres Beispiel. Wir hatten eine Woche, da haben sich die infektionszahlen dort innerhalb einer Woche vervierfacht. In anderen Bundesländern nicht. Keiner hat das prognostiziert. Bis heute weiß keiner warum das der Fall ist, warum das passiert ist. (...) Insofern bitte ich um Verständnis. Die Dinge sind oft einfach nicht so planbar. Das zweite ist die Kommunikation. Wie man es macht, ist es falsch. Wir haben ja beraten bei den Maßnahmen, die wir setzen: Ist es besser, die anzukündigen und sie gelten sofort oder ist es besser sie anzukündigen und eine gewisse Phase zu gewähren, wo sich die Leute noch umstellen können, vorbereiten können? (...) Da bin ich selbst auch immer hin und her gerissen. (...) Wir haben am Samstag kommuniziert, dass ab Dienstag ein Lockdown gilt und die Medien haben natürlich davor Wind davon bekommen und haben die Tage davor schon begonnen, darüber zu berichten. Und wozu hat es geführt? Dass es teilweise Exzesse gegeben hat beim Einkaufen in manchen Geschäften und das sicherlich für das Infektionsgeschehen alles andere als gut war.

Die Unternehmerin Michaela Endl richtet den Wunsch an Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), die Kommunikation der Regierung transparenter zu gestalten.

Quelle: Redaktion / apb