Corona: Warum sind die Infektionszahlen jetzt so niedrig?

18. Mai 2021 · Lesedauer 4 min

Virologe Andreas Bergthaler spricht ob der niedrigen Zahlen von einer Überraschung. Die Wissenschaft könne nicht eindeutig erklären, warum die Zahlen jetzt gesunken sind. Virologe Norbert Nowotny sieht einen stabilen Sommer kommen, während Mikrobiologe Michael Wagner vor Öffnungen in Innenräumen warnt.

Vor dem Hintergrund einer sich entspannenden Corona-Situation wagt Österreich am Mittwoch einen Schritt nach vorne. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) spricht vom 19. Mai als "Startpunkt für unseren Kampf zurück zur Normalität". Mit den Öffnungen in Gastronomie, Hotellerie, Kultur und Sport gehen auch gelockerte Regelungen für private Treffen einher.

Die Neuinfektionen liegen auch am Dienstag unter der 600er-Grenze und bleiben damit auf einem stabilen Niveau. Warum das so ist, das kann die Wissenschaft noch nicht eindeutig erklären. "Die Pandemie überrascht uns, dieses Mal positiv", sagt etwa Virologe Andreas Bergthaler. 

Virologe Bergthaler erklärt, warum die Infektionszahlen sinken

Andreas Bergthaler, Virologe, spricht im Interview mit PULS 24 Anchor René Ach über die sinkenden Infektionszahlen, Impfungen, die Öffnungen und über Corona-Mutationen.

Die Wissenschaft ist sich aber zumindest darin einig, dass die Rückgänge bei den Neuinfektionen mehrere Gründe haben müssen: Zum Einen kann es - zumindest minimal - schon der Impffortschritt sein. Vielleicht ist auch der Fall, dass Geimpfte weniger Testen gehen, hauptsächlich ist es aber die "Saisonalität": Wärmere Temperaturen, eine höhere UV-Strahlung sowie ein verändertes Sozialverhalten mit vielen Aufenthalten im Freien dürften das Virus schwächen. 

Es könne aber nicht alleine die Temperatur sein, denn auch in warmen Ländern wie etwa in Brasilien gingen die Zahlen schon durch die Decke, erklärt Mikrobiologe Michael Wagner. Auch feuchtere Schleimhäute im Sommer könnten es nicht alleine sein, denn auch im Sommer seien in anderen Ländern die Zahlen schon gestiegen. Und auch in Kalifornien, wo die UV-Strahlung besonders hoch ist, hatte man mit vielen Infektionen zu kämpfen. "Die Wissenschaft kann es nicht erklären, was es genau ist und man kann nicht sagen, wann es aufhört", sagt Wagner deshalb. 

Stabiler Sommer

Virologe Norbert Nowotny rechnet aber jedenfalls damit, dass die Neuinfektionen zunächst noch weiter sinken werden. "Wie es dann nach zehn Tagen (nach den Öffnungen, Anm.) aussieht, muss man beobachten", sagt Nowotny. Mit weiteren Lockerungen sei ab 1. Juli zu rechnen. "Atemwegsinfekte haben im Herbst und Winter Hochsaison", sagt Nowotny.

Virologe Nowotny erklärt "getestet, geimpft, genesen"

Im Gespräch mit PULS 24 Anchorwoman Bianca Ambros erklärt Virologe Nobert Nowotny die Voraussetzungen für den Gastro-Eintritt, wo welche Tests wie lang gültig sind und spricht über die indische Corona-Variante.

Dann müsse man hoffen, dass die Durchimpfungsrate gegen die steigenden Zahlen gewinnt. Der Impfeffekt sei derzeit in Alten- und Pflegeheimen schon bemerkbar. Allgemein werde das aber noch bis Ende Juni dauern, erklären die Virologen. Je nachdem, wie viele Menschen sich impfen lassen. Vor allem Kinder und Schüler seien dann noch gefährdet.

Wie geht es im Herbst weiter?

Die beiden Virologen Bergthaler und Nowotny halten die Öffnungsschritte jetzt für richtig. Mikrobiologe Wagner zeigt sich etwas vorsichtiger: Für ihn wird in Innenräumen zu früh geöffnet - also in der Gastronomie oder in Fitnessstudios. "Die Inzidenz liegt bei 60, das Ziel war eigentlich 50", sagt er. Er warnt: "Die Pandemie ist noch nicht vorbei". Jede Infektion sei ein Risiko, sagt er mit Blick auf Impfverweigerer oder Menschen, die sich aus anderen Gründen nicht impfen lassen können. Auch Junge können von Spätfolgen betroffen sein. 

Mit Blick auf den Herbst müsse man sich vor allem für die Schulen etwas überlegen, denn Schüler werden erst spät geimpft werden, sagt Wagner. Auch mögliche Mutationen seien eine Gefahr. Bezüglich der indischen Mutation, die am Mittwoch auch erstmals in Oberösterreich nachgewiesen wurde, sei die Lage in Österreich aber unter Kontrolle, sagen Bergthaler und Nowotny. Die Impfungen würden auch etwaige weitere Virusvarianten abfangen können - vielleicht müsse man aber schon früher den dritten Stich setzen, sagen die Wissenschaftler. 

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Quelle: Redaktion / koa