Vorarlberg und Wien beginnen ab sofort mit 3.-Stich-Anmeldung für alle Geimpften

02. Nov 2021 · Lesedauer 5 min

In Wien und in Vorarlberg ist ab sofort eine Auffrischung der Corona-Schutzimpfung für alle Geimpften bereits sechs Monate nach dem Zweitstich möglich.

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) gab diese Entscheidung bereits am Montag bekannt. Danach entschloss sich auch Vorarlberg, die Drittimpfung vorzuziehen, berichteten die "Vorarlberger Nachrichten". Die beiden Länder griffen damit wahrscheinlich dem Nationalen Impfgremium (NIG) vor, das am Dienstag zusammentritt.
 

Ab sofort gilt 3G am Arbeitsplatz

NIA tagt

Das Nationale Impfgremium werde sich wie geplant am Dienstag mit den Empfehlungen zur sogenannten Booster-Impfung befassen. Im Anschluss werde das Ministerium über die Entscheidung informieren. Die EU-Arzneimittelbehörde hatte erst am vergangenen Montag das Vakzin von Moderna für Auffrischungen von erwachsenen Personen empfohlen. Zuvor war bereits für einen Booster mit dem Pfizer/Biontech-Impfstoff ab 18 Jahren grünes Licht gegeben worden.

Vorarlberg verkürzt von 9 auf 6 Monate

In Vorarlberg wurde das Dashboard aktualisiert, sodass Impfwillige bereits ab dem sechsten Monat (und nicht erst nach dem neunten) nach der Vollimmunisierung einen Zeitpunkt für die Boosterimpfung abfragen und sich einen Termin geben lassen können. "Nun haben sich die Hinweise verdichtet, dass der Impfschutz bereits nach einem halben Jahr nachlässt", erklärte Landeshauptmann Markus Wallner den "VN" (Dienstagausgabe). Mit dem Vorziehen der Drittimpfung folge Vorarlberg jetzt der Mehrheit der Expertenempfehlung.

Gleichzeitig werden laut Wallner systematisch auch die Impfstraßen in Bregenz, Nenzing und Hohenems hochgefahren. Aktuell gibt es 15.000 Anmeldungen für den dritten Stich, bis zum Frühjahr werden 60.000 Auffrischungen benötigt. Die Regierungssitzung am Dienstag wird ganz im Zeichen der Pandemie stehen, für den Nachmittag hat Wallner - angesichts der starken Zunahme der Infektionen - den Krisenstab einberufen.

Erste Termine für Wien ab Dienstag freigeschaltet

In Wien ist eine Anmeldung für die Impfzentren oder bei niedergelassenen Ärzten verpflichtend. Termine sind ab Dienstag zu haben, teilte Bürgermeister Ludwig mit. Die Freigabe der Drittimpfung nach sechs Monaten gilt bereits ab dem Alter von zwölf Jahren, bestätigte ein Sprecher von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) auf APA-Nachfrage. Bisher gab es Abstufungen nach Alter und Risikogruppe mit empfohlenen Auffrischungszeiträumen von bis zu neun bis zwölf Monaten für Erwachsene. Bei einer Einzeldosis mit dem Vakzin von Johnson & Johnson ist weiterhin ab 28 Tagen nach der Impfung eine Auffrischung mit einem mRNA-Impfstoff empfohlen.

"Wir wissen, dass die Impfwirkung nachlässt und dass daher ein dritter Stich notwendig ist", appellierte Ludwig an alle Wienerinnen und Wiener, sich unbedingt nach sechs Monaten wieder impfen zu lassen, denn "nur dann kommen wir sicher durch die Pandemie". Auch Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres rief dazu auf, das Impfangebot der Stadt Wien sowie der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte wahrzunehmen.

Ältere, Gesundheitspersonal, Menschen mit Vorerkrankungen

"Die aggressivere Delta-Variante des Corona-Virus dominiert mittlerweile das Infektionsgeschehen", warnte der stellvertretende Präsident der Wiener Ärztekammer Johannes Steinhart, "umso wichtiger ist daher die Auffrischungsimpfung, vor allem für Personen, die bereits zu Anfang des Jahres ihre erste und zweite Impfdosis erhalten haben." Besonders wichtig sei sie für ältere Menschen, Pflegeheimbewohner, für Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen oder einem geschwächten Immunsystem, aber auch für Personen in Gesundheitsberufen, die Anfang des Jahres erstmals geimpft wurden.

Laut Gesundheitsstadtrat Hacker wurden in der Bundeshauptstadt seit Anfang September mehr als 50.000 Auffrischungsimpfungen verabreicht, etwa in Pflegeheimen und Pensionistenwohnhäusern. Damit wurden 22 Prozent der Über-90-Jährigen, 20 Prozent der Über-80-Jährigen und sechs Prozent der Über-70-Jährigen mit einem Booster versorgt. "Wie gut die Auffrischungsimpfung wirkt, kann man alleine durch einen Blick in unsere Spitäler erkennen", sagte Hacker. Denn von den Intensivpatienten in der Stadt sei derzeit niemand über 80 Jahre alt.

Info per Post an alle Wiener 

In den nächsten Tagen soll jeder Wiener Haushalt eine schriftliche Information zur Auffrischung per Post erhalten. Infos, wo man sich impfen lassen kann, gibt es auch im Netz auf www.wien.gv.at/spezial/corona-impfordination sowie www.impfordi.at. Wer sich in einem der elf Impfzentren in der Stadt impfen lassen will, muss sich über http://impfservice.wien oder über die Telefonhotline 1450 anmelden. Bei niedergelassenen Ärzten ist eine telefonische Terminvereinbarung nötig. Als Vakzine stehen die Mittel von BioNTech/Pfizer und Moderna zur freien Auswahl. Kreuzimpfungen mit dem jeweils anderen Mittel sind, wenn gewünscht, möglich.

Der Vorstand der Universitätsklinik für klinische Pharmakologie der Medizin-Uni Wien, Markus Zeitlinger, sowie der Mikrobiologe Michael Wagner sprachen sich indes gegenüber der APA klar für eine Empfehlung zum "Dritten Stich" für alle Personen ab 18 Jahren bei der Corona-Impfung aus. Die Infektionszahlen werden zwar aktuell ganz eindeutig von den Ungeimpften getrieben, "aber man sieht, dass es auch bei den Durchbruchsinfektionen (bei Geimpften, Anm.) nach oben geht", so Zeitlinger. Er rechnet mit einer nachhaltigeren Wirkung des Drittstichs als nach den ersten beiden Impfungen.

Wagner: Auch Geimpfte sollen PCR-testen

Wagner betonte, dass sechs Monate nach dem Zweitstich schon ein deutliches Nachlassen der Impfwirkung zu verzeichnen sei. Vor allem der Schutz vor einer Ansteckung (und damit einer möglichen Weitergabe) gehe dann "sehr weit runter", auch bei Jüngeren. Österreich würde im Winter stark profitieren, wenn sich jetzt möglichst viele den dritten Stich holen. Um die Weitergabe zu verhindern, plädiert Wagner vehement dafür, dass sich auch Geimpfte regelmäßig (PCR-)testen, vor allem wenn sie sich mit vielen anderen Personen in Innenräumen aufhalten oder mit Risikogruppen zu tun haben.

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam