APA - Austria Presse Agentur

Corona-Lage in Wiener Spitäler könnte sich zuspitzen

10. Nov 2021 · Lesedauer 4 min

Mit den steigenden Corona-Fällen könnte sich auch in den Wiener Intensivstationen die Lage bald zuspitzen, heißt es aus dem Büro des Gesundheitsstadtrat Peter Hacker.

Auch wenn die Statistik es im Moment nicht zeigt - in Wien könnte sich aufgrund der steigenden Zahl an Covid-Kranken die Lage in den Spitälern zuspitzen. Aktuell werden 89 Intensivpatienten betreut. "Das ist eine Zahl, die relativ konstant ist", sagte Mario Dujakovic, Sprecher von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ). Aber: Die Patienten benötigen länger eine intensivmedizinische Betreuung. 86,5 Prozent der Covid-Intensivpatienten sind nicht doppelt geimpft.

"Der limitierender Faktor ist aktuell das Personal"

Die Situation in Wien weist aktuell bei weitem nicht die Dramatik wie in anderen Bundesländern auf, doch es gibt eine sehr große Herausforderung - mit Blick auf die nächsten Tage und Wochen: "Der limitierender Faktor ist aktuell nicht das Bett als Bett, sondern das Personal. Die Covid-Patienten liegen nun länger und sind betreuungsintensiver", erklärte Dujakovic im APA-Gespräch. "Im Unterschied zu vorangegangenen Wellen hat sich das Verhältnis zwischen Intensiv- und Normalpatienten zusammen geschoben. Bei bisherigen Höchstständen waren von fünf Covid-Patienten vier Normalpatienten und ein Intensivpatient. Jetzt liegt das Verhältnis bei eins zu drei."

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Grund dafür ist, dass das Durchschnittsalter der auf den Intensivstationen betreuten Covid-Kranken gesunken ist und derzeit bei 55,4 Jahren liegt. Die Wahrscheinlichkeit, dass Jüngere die Corona-Infektion überleben ist höher, dafür benötigen sie länger eine intensivmedizinische Behandlung. Vier bis sechs Wochen seien es derzeit im Schnitt.

Was die Statistik jedenfalls belegt: 13,5 Prozent der Wiener Covid-Intensivpatienten sind doppelt geimpft, 86,5 Prozent sind nicht zwei Mal geimpft. Auf den Normalstationen liegen 39 Prozent doppelt geimpfte Corona-Kranke und 61 Prozent nicht doppelt Geimpfte.

"Die doppelt Geimpften können zwar Impfdurchbrüche haben. Sie haben aber in der Regel leichtere Verläufe und kommen nicht ins Spital. Wir sehen anhand der Verteilung in den Spitälern, dass die alten Menschen im Vergleich zu vorhergegangenen Wellen unterrepräsentiert sind. Bei den doppelt Geimpften, die im Krankenhaus sind, handelt es sich eher um ältere Personen, deren Impfung schon länger zurück liegt", so der Sprecher Hackers.

Corona-Neuinfektionen und die Zahlen auf den Intensivstationen steigen rasend schnell.

Insgesamt 560 Intensivbetten verfügbar

Im Moment benötigen in der Bundeshauptstadt 392 mit dem Coronavirus infizierte Personen eine Behandlung im Spital. Das sind um fünf Personen mehr als noch am gestrigen Dienstag - und um gleich 46 Menschen bzw. 13,3 Prozent mehr als noch vor einer Woche. Was die Intensivbetten anbelangt, so ist die Lage im Vergleich zum Vortag mit 89 Schwerstkranken stabil geblieben, im Wochenvergleich sind es um sechs Covid-19-Erkrankte weniger, die eine intensivmedizinische Behandlung benötigen.

Der bisherige Höchststand an Hospitalisierungen in Wien wurde vor fast einem Jahr, am 17. November 2020 dokumentiert, wo 756 Personen aufgrund von Covid-19 im Spital liegen mussten. Für diesen Tag ist auch mit 599 der Maximal-Belag im Normalbettenbereich dokumentiert. Am 12. April 2021 gab es überdies die bisherige Höchstbelegung mit 245 Covid-Erkrankten im Intensivbettenbereich.

Insgesamt verfügen die Spitäler des Wiener Gesundheitsverbundes über rund 6.100 Normalbetten sowie 560 Intensivbetten - in Summe und nicht nur für an Covid-19 erkrankte Menschen. Insgesamt sind von der Gesamtkapazität des Gesundheitsverbundes bei den Normalbetten 89 Prozent belegt, bei den Intensiv-Betten sind es etwa 86 Prozent - nicht nur mit Covid-Kranken.

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"Mit Normalbettenbereich in Stufe vier"

Bei der Betreuung von Covid-Patientinnen und -Patienten wird nach einem speziellen Stufenplan vorgegangen. Dabei wird die Planung der Spitalskapazitäten mit dem laufenden Monitoring der Auslastung der Covid-Versorgungsbereiche kombiniert. Das erlaubt, bei steigendem Bedarf ausreichend Kapazitäten rasch zur Verfügung zu stellen und umgekehrt wieder für die Regelversorgung sicherzustellen. Dabei wird mit den Ordensspitälern - die auch Corona-Patientinnen und -Patienten betreuen - und den Privatspitäler kooperiert.

Ziel des Stufenplans ist, genau jene Bettenkapazität zur Verfügung zu stellen, die es braucht. "Wir sind im Normalbettenbereich in Stufe vier (mögliche Gesamt-Kapazität: 388 Betten, Anm.) und im Intensivbereich auf Stufe fünf (mögliche Gesamt-Kapazität: 129 Betten, Anm.) von insgesamt sieben Stufen", erklärte Gesundheitsverbund-Sprecherin Elena Reghenzani. Für die Behandlung von Covid-19-Patientinnen und -Patienten sind laut Stufenplan insgesamt rund 1.000 Normalbetten und rund 240 Intensivbetten vorgesehen.

Es gibt allerdings auch einen Preis für jede weitere Bereitstellung von Intensivbetten in den Spitälern: Je mehr Intensivbetten gebraucht werden, desto eher müssen Operationen verschoben werden. Wie viele das aktuell sind, lässt sich laut Gesundheitsverbund nicht beziffern, die Akutversorgung bleibe jedenfalls vollumfänglich erhalten, wurde betont. "Wir bemühen uns natürlich, so wenig wie möglich OPs zu verschieben. Akute und dringliche Operationen finden auf jeden Fall statt. Planbare, weniger dringliche Operationen können in Privatkliniken ausgelagert werden oder werden terminlich nach hinten verschoben."

Quelle: Agenturen / pea