APA - Austria Presse Agentur

Bericht: Gefängnisse weltweit nicht für Covid-19 gewappnet

05. Mai 2020 · Lesedauer 2 min

In vielen Haftanstalten ist Social-Distancing nicht möglich. Die sanitären Einrichtungen sind oft schlecht. Bedingungen, die eine Ausbreitung des Virus begünstigen.

Laut einem aktuellen Bericht der Fachzeitschrift Lancet sind Justizanstalten weltweit nicht gewappnet für die Covid-19-Pandemie. Hygiene- und Social-Distancing-Maßnahmen könnten oft nicht eingehalten werden, weil sich Gefangene Badezimmer, Essens- und Schlafräume teilen. Viele Haftanstalten seien überbelegt und die Gesundheitsversorgung sei oft schlecht. Diese Bedingungen begünstigen eine schnelle Ausbreitung des Virus.

In einem Gefängnis im US-Bundesstaat Maryland sind 2000 von 2500 Häftlingen positiv auf das Coronavirus getestet worden. In New York liegt die Infektionsrate in Gefängnissen bei zehn Prozent. In Großbritannien sind bereits 15 Häftlinge und vier Wärter an Covid-19 gestorben.

 

Überbelegung in Gefängnissen

Schätzungen zu Folge befinden sich weltweit 11 Millionen Menschen in Gefängnissen. In den USA sind 2,2 Millionen Menschen inhaftiert, so viel wie in keinem anderen Land.

Viele Haftanstalten sind überbelegt. In Brasilien sind beispielsweise über 770.000 Menschen im Gefängnis, obwohl das System nur auf etwa 460.000 Menschen ausgelegt ist. Das lateinamerikanische Land Haiti hat eine Belegung von 450 Prozent. Dagegen scheint die Überbelegung von 10 Prozent in Großbritannien fast moderat.

Dazu kommt der oft schlechte gesundheitliche Zustand von Gefangenen. Laut David Patton, Direktor der Bundesanwälte in New York, leiden viele US-Gefangene an Asthma oder Diabetes. In vielen Gefängnissen gebe es nicht genug Gesundheitspersonal, weshalb Häftlinge nur unzureichende medizinische Versorgung erhielten.

 

Amnesty fordert Freilassung von Gefangenen

Amnesty International fordert deshalb die Freilassung aller politischen Gefangenen, die wegen der friedlichen Ausübung der Menschenrechte in Haft sind. Weltweit gebe es vermutlich Tausende davon. Die WHO empfiehlt indes, verstärkt auf Maßnahmen ohne Freiheitsentzug zurückzugreifen.

Einige Länder haben dies bereits getan. Der Iran hat die Freilassung von 85.000 Gefangenen angekündigt. Frankreich und Italien haben bereits tausende Häftlinge entlassen. Auch einzelne Bundesstaaten in den USA haben die Zahl der Gefängnisinsassen reduziert.

In Österreichs wurden in Justizanstalten Isolationsabteilungen eingerichtet. Neue Häftlinge verbringen 14 Tage in Einzelzimmern, wenn sie keine Symptome aufweisen, werden sie in den normalen Strafvollzug verlegt.

Soraya PechtlQuelle: Redaktion / spe