AKH-Intensivmediziner Rössler: Große Sorge, dass wegen Omikron Mannschaften ausfallen

31. Dez 2021 · Lesedauer 2 min

Bernhard Röss­ler, intensivmedizinischer Leiter der Covid-Intensivstation im AKH, über Vorbereitungen auf die Omikron-Welle, Anfeindungen gegen das Personal und Frust im Team.

"Aktuell ist die Lage relativ stabil", beschreibt Bernhard Rössler, Intensimedizinischer Leiter der Covid-Intensivstation am Wiener AKH im PULS 24 Interview. Man sei aber schon "in Erwartung, was in den nächsten Wochen mit Omikron auf uns zukommt". Die freigewordenen Intensivbetten seien "derzeit befüllt mit Patienten, die dringend Operationen brauchen".

Man rechne am AKH damit, dass die Neuinfektionszahlen "Anfang, Mitte Jänner", wie von Epidemiologen und Virologen prognostiziert, stark nach oben gehen werden. Was das genau für die Intensivstation bedeute, könne man aber noch nicht abschätzen. 

Omikron bereite "große Sorge, dass auch bei einer hohen Anzahl an leichten Verläufen, wenn das Gesundheitspersonal betroffen ist, die Dienstmannschaften ausfallen", so der Mediziner. Man könne nur versuchen alle Regeln einzuhalten, um größtmöglichen Schutz zu gewährleisten.  

Viele Kollegen fragen sich: "Warum?"

Wenn Patienten lange mit intensiver Pflege und Behandlung begleitet werden, die Verläufe dann vielleicht auch nicht so gut sind, wie gewünscht, dann "erzeugt das Frustration, Trauer, Erschöpfung" beim Personal, beschreibt er die Frustration. Viele würden sich fragen "warum, wenn das für die meisten Patienten vermeidbar gewesen wäre". Das würde man bei den Teams immer wieder sehen. 

Im AKH sei es nicht so, dass Kollegen aus Frust oder Überlastung kündigen, obwohl man das aus anderen Krankenhäusern höre. "Wir passen optimal auf die Teams auf oder versuchen das", so Rössler, "aber wir sehen auch, dass diese Belastungssituation oftmals erst nach den Wellen kommt". 

Der Meinung von Impfskeptikern zum Trotz seien "die schwerstkranken Patienten und Patientinnen nahezu alle ungeimpft." Einzelne Patienten mit Vorerkrankungen seien die Ausnahme.

Anfeindungen

Der Großteil des Feedbacks sei "ein positives, ein extrem unterstützendes", setzt der Mediziner die Berichte über Anfeindungen in Relation. Der Rest sorge für "Kopfschütteln, Verzweiflung und Verunsicherung". Am AKH habe man das noch nicht erlebt, man stehe aber mit Oberösterreich in Kontakt, wo das so sei.

Es sei nicht nachvollziehbar, dass Pers0nal, dass sich um 3.00 Uhr in der Früh um Schwerstkranke kümmere, dafür auch noch angefeindet werde. Das sei eine "Katastrophe", so Rössler. Es sei Aufgabe der Politik und des Systems, das Personal zu schützen. 

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam