Ärztekammerpräsident Szekeres: Lockdown derzeit nicht notwendig

10. Jan. 2022 · Lesedauer 3 min

Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres hält einen Lockdown aktuell nicht für nötig. Drohungen gegen ihn versteht er nicht und fordert Demoverbote vor Krankenhäusern. Er spricht sich im Newsroom LIVE auch weiter für die Impfpflicht aus, man müsse jedoch definieren, wer Ausnahmeatteste ausstellen darf.

Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) kündigte an, nicht mehr wie bisher die Belegung der Intensiv-, sondern die der Normalstationen beobachten zu wollen. Das begründet der Ärztekammerpräsident damit, dass Omikron zu weniger schweren Verläufen führe. Dass man "mit dem Lockdown zögerlich" sei, könne er gut nachvollziehen. Man brauche jedoch Grenzwerte bei der Bettenbelegung. Die große Hoffnung sei, dass die aktuellen Maßnahmen ausreichen, um diese gering zu halten. Ein Lockdown sei derzeit nicht notwendig, denn bei den Normalbetten hätten die Spitäler einen größeren Spielraum, diese zu erhöhen.

Bei einer Anti-Maßnahmen-Demo am Samstag gab es den Aufruf, Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres "einen Besuch abzustatten". Im Newsroom LIVE kündigt er an, "alle Maßnahmen zu ergreifen, die man ergreifen kann", die Polizei sei informiert. "Das Einzige, was ich sage – und dazu steh ich auch - ist, dass ich die Impfung empfehle. Und ich empfehle die Impfung, weil sie vor schwerer Krankheit schützt und weil ich die Menschen vor Spital und Intensivstation bewahren möchte." Wieso das so verwerflich sei, könne er nicht nachvollziehen.

Demo-Bannmeile um Spitäler

Die Ärzte in den Spitäler und Ordinationen "tun ihr Bestes, um kranken Menschen zu helfen, schaden niemandem. Solche Menschen zu bedrohen, ist meiner Meinung nach vollkommen unverständlich." Auch Demos vor Spitälern verstehe er nicht. Er hoffe, "dass es von Seiten der Polizei zu Verboten von Demonstrationen um Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen kommt". Es habe bereits Fälle gegeben, bei denen Rettungswägen nicht durchkamen. "Ich versteh das nicht", reagiert der Ärztekammerpräsident ratlos, "und es sind wirklich eigenartige Zeiten, in denen wir leben."

Disziplinarverfahren für Maskenbefreiungen ohne Untersuchung

Szekeres erzürnte Kickl, als er im vergangenen Jahr informierte, dass Ärzte, die sich gegen die Impfung aussprechen, also "wider wissenschaftliche Erkenntnisse handeln", ein Disziplinarverfahren drohe. Diese Regel bestehe schon länger als er im Amt sei, erklärt der Mediziner. Seines Wissens nach gebe es einige Fälle, in denen Doktoren von der österreichischen Ärzteliste gestrichen worden seien. Das betreffe zum Beispiel Kollegen, die ohne Untersuchung Maskenbefreiungsatteste verkauft hätten.

Impfpflicht-Ausnahmeatteste nur von wenigen Spezialisten

Szekeres spricht sich weiter für die Einführung der Impfpflicht aus, sie müsse allerdings "leicht und gut umsetzbar" sein. Man werde jedoch die "eine oder andere Anpassung" vornehmen müssen. Ausnahmen von der Impfpflicht müssten leichter ins Register eintragbar sein, es müsse definiert werden, welche Ärzte diese ausstellen dürfen und das Verwaltungsverfahren müsse vereinfacht werden.

"Es gibt relativ wenige Ausnahmen von der Impfpflicht" und dafür gebe es Spezialisten wie Immunologen. Die Ärztekammer sei deshalb dafür, eine Gruppe von Ärzten zu definieren, die für Ausnahmeatteste zuständig sein sollen und dass diese als Amtsärzte agieren. Alle Ärzte in die Pflicht zu nehmen sei "nicht sinnvoll".

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam