APA - Austria Presse Agentur

"Abschreckendes Beispiel": So reagiert Deutschland auf Österreichs Corona-Maßnahmen

15. Nov 2021 · Lesedauer 3 min

In Deutschland wird die Corona-Politik Österreichs genau beobachtet. So wurde auch der am Sonntag verkündete Lockdown für Ungeimpfte von verschiedenen Medien kommentiert - die Reaktionen fallen unterschiedlich aus.

In Deutschland haben sich die möglichen Koalitionspartner SPD, Grüne und FDP auf deutliche Verschärfungen bei der geplanten Änderung des Infektionsschutzgesetzes geeinigt. Angesichts der dramatisch steigenden Corona-Infektionszahlen sollen nun grundsätzlich auch Kontaktbeschränkungen angeordnet werden können, wie aus der Vereinbarung von Vertretern der drei Fraktionen hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.  Dabei geht es offensichtlich um Ungeimpfte.

Zudem sollen Ungeimpfte ohne negativen Test keine Busse und Bahnen mehr benutzen dürfen - unabhängig von der weiter geltenden Maskenpflicht. "Wer ein öffentliches Verkehrsmittel nutzt, muss dann entweder geimpft, genesen oder getestet sein", wurde erläutert.

Zahlen in Deutschland besser

Die deutsche Sieben-Tage-Inzidenz war zuletzt gestiegen, wenn auch deutlich geringer im Vergleich zu Österreich. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner und Woche am Montagmorgen mit 303,0 an. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 23.607 Corona-Neuinfektionen. In Österreich betrug die Sieben-Tage-Inzidenz für ganz Österreich am Sonntag 848,2 Fälle auf 100.000 Einwohner. Binnen 24 Stunden waren in Österreich 11.552 neue Infektionen verzeichnet worden.

Angesichts der Pläne in Deutschland wurden im Nachbarland auch die  Maßnahmen in Österreich kommentiert. Die Reaktionen fallen unterschiedlich aus: "Lange galt Österreichs Corona-Politik als Blaupause für Deutschland. Schnell verschärfen, schnell lockern. Mit dem Lockdown gegen Ungeimpfte ist Österreich ein abschreckendes Beispiel geworden", schreibt etwa die "Bild Zeitung". 

"Das Schlimmste ist, dass der Lockdown auch Kinder und Jugendliche trifft. Minderjährige werden massiv unter Druck gesetzt, sich gegen ein Virus impfen zu lassen", schreibt die "Bild". Kinder unter 12 Jahren sind vom Lockdown aber ausgenommen.

"Die Drohung kam zu kurzfristig"

"In Österreich war der gleiche Effekt (dass sich nun mehr Menschen impfen lassen, Anm.) unter dem Begriff 'Schnitzelpanik' eingetreten, als Kanzler (Alexander) Schallenberg (ÖVP, Anm.) vor zwei Wochen einen Lockdown für Ungeimpfte ankündigte. Doch die Drohung kam zu kurzfristig, um den dortigen Corona-Tsunami durch eine deutlich höhere Impfquote zu brechen. Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte, immerhin ein Drittel der österreichischen Bevölkerung, treten nun in Kraft. Ob diese kaum zu kontrollierende Sanktion die Zahl der Geimpften auf mehr als 80 Prozent steigert, wird auch in Deutschland aufmerksam beachtet werden", schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". 

"Druck hilft also"

In den "Nürnberger Nachrichten" heißt es, man sollte eine Impfpflicht Maßnahmen wie in Österreich vorziehen: "Sie (die Politik in Deutschland, Anm.) sollte angesichts der Dramatik der Lage eine allgemeine Impfpflicht - natürlich mit begründeten Ausnahmen - zumindest prüfen. Das wäre am gerechtesten, am solidarischsten. Und zudem auch praktikabler als der heikle Lockdown für Ungeimpfte, den Österreich nun einführt. 2G scheint zu wirken; die Impf-Zahlen steigen. Gut so. Druck hilft also."

In der  "Süddeutschen Zeitung" schließt man aus dem Lockdown für Ungeimpfte, dass auch in Deutschland ein Lockdown bevorstehen könnte: "Wenn heute also (in Deutschland, Anm.) noch 2G als die Ultima Ratio gilt, die das weitere Anwachsen der Neuinfektionen brechen könnte, so könnte diese Ultima Ratio schon bald Richtung Lockdown verschoben sein". 

Quelle: Redaktion / koa