APA - Austria Presse Agentur

Walchhofer oder Götschl? Schröcksnadel-Nachfolge als Zerreißprobe

18. Mai 2021 · Lesedauer 4 min

In Anif bei Salzburg werden am (heutigen) Dienstagabend die Weichen über die Nachfolge von ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel gestellt. Es geht ein Riss durch die Landesskiverbände.

Wer neuer ÖSV-Chef wird, wird zur Zerreißprobe. Der aus den neun Landesverbands-Chefs bestehende Wahlausschuss versucht, sich trotz der zuletzt umstrittenen Situation auf einen Kompromiss und eine Person zu einigen. Als Nachfolge-Kandidaten werden nach letztem Wissensstand die beiden Ex-Rennläufer Michael Walchhofer und Renate Götschl nominiert.

Zuletzt war kolportiert worden, dass man sich bei einem informellen und virtuellen Treffen bereits auf Walchhofer als Präsident und Götschl als Vizepräsidentin geeinigt habe. Das wird aber von der Gegenseite bestritten. Es sei genau umgekehrt gewesen, heißt es.

Schröcksnadel als Graue Eminenz?

Hotelier Walchhofer (46) hatte sich schon vor Längerem zur Kandidatur entschlossen. Seine ehemalige Schul- und Teamkollegin Götschl (45) war erst vergangenen April und etwas überraschend vom steirischen Verband nominiert worden. Das ist insofern bedeutsam, als Schröcksnadel nachgesagt wird, über den neuen Präsidenten weiterhin Einfluss auf die wirtschaftlichen Gesellschaften des Ski-Verbandes haben zu wollen. Walchhofer hatte stets betont, dass der neue ÖSV-Präsident Letztentscheidung in allen Bereichen des ÖSV haben müsse.

Spaltung bei Landesskiverbänden

Götschl sei die Aktuellste in einer Reihe von Schröcksnadel forcierter Kandidatinnen, glauben deshalb viele. Wegen der unterschiedlichen Interessen im Hintergrund sei in den vergangenen Wochen jedenfalls ein Riss durch die Landesskiverbände gegangen, sind sich Insider und Beobachter sicher. Die "Salzburger Nachrichten" etwa schreiben, dass man am Dienstag den "letzten Akt einer Entfremdung" erlebe.

Nur einen Tag vor dem Wahlausschuss-Treffen war am Montag Oberösterreichs Langzeit-Präsident Friedrich Niederndorfer mit sofortiger Wirkung zurückgetreten, ohne dies aber wie von einigen Medien sofort vermutet mit der Schröcksnadel-Nachfolgediskussion in Verbindung zu bringen. Der Rücktritt sei ausschließlich aus persönlichen Gründen erfolgt, hieß es. Vizepräsident Bernhard Zauner vertrat den LSV OÖ im Wahlausschuss. Man stehe weiter geschlossen hinter Walchhofer, wurde versichert.

Schröcksnadel (79) will zwar im Council des Internationalen Skiverbandes (FIS) bleiben, kandidiert aber im Juni nach 31 Jahren nicht mehr als ÖSV-Präsident. Seine Nachfolgeregelung verläuft wegen der Hintergründe turbulent. Es gehe um Macht und Einfluss bei den Gesellschaften des ÖSV, zitiert etwa die "Kleine Zeitung" einen ehemaligen ÖSV-Funktionär.

Götschl wäre die erste Frau auf dieser hohen Funktionärsposition überhaupt. Schröcksnadel hatte zuletzt im ORF von einer schädlichen Spaltung des Verbandes gesprochen. Schröcksnadel sei für diese Spaltung mitverantwortlich, heißt es in einigen Medien.

Götschl dürfte Nase vorn haben

Der weitere Verlauf wird spannend, denn rein rechnerisch hätte Götschl dank der Achse Steiermark, Tirol, Vorarlberg und Wien nach wie vor die Mehrheit bei einer Abstimmung sicher. Vorarlbergs Landeschef Walter Hlebayna - ein ehemaliger Trainer der dreifachen Weltmeisterin - plädierte vor dem Treffen für einen Konsens-orientierten Vorschlag. Zwar steht Vorarlberg hinter Götschl, laut Hlebayna in den Vorarlberger Nachrichten vom Dienstag könne man sich aber vorstellen, bei einer vernünftigen Einigung auch einen Kandidaten Walchhofer mittragen zu können.

Ob die Kandidaten in Anif ebenfalls auftauchen, war bis zuletzt offen. Ein Teil der Landeschefs rechnete nach dem für 16.00 Uhr anberaumten und erstmals persönlichem Treffen im Hotel Hubertushof mit einer Einigung. Aber auch eine vorerst ergebnislose Vertagung sei möglich. Sollte es zu keiner Einigung kommen, hat man formal weitere neun Tage Zeit für eine Entscheidungsfindung. Präsentiert werden soll der Nachfolger oder die Nachfolgerin Schröcksnadels am 19. Juni bei der Länderkonferenz in Villach.

Der Rücktritt Niederndorfers überraschte insofern, als Oberösterreich vor allem dank Doppelweltmeister Vincent Kriechmayr die erfolgreichste Saison überhaupt hinter sich hat. Niederndorfer meinte in einer Aussendung u.a., er wolle dem Landesskiverband durch neue Personen und Ideen die Möglichkeit geben, sich weiter zu entwickeln. Die "Oberösterreichischen Nachrichten" (Dienstag) wiederum schreiben, dass es zuletzt Interventionen aus Schröcksnadels Umfeld gegen Niederndorfer gegeben habe.

Quelle: Agenturen