APA - Austria Presse Agentur

WAC holt den "i-Punkt" - Austria überwintert zweistellig

21. Dez 2020 · Lesedauer 4 min

Der WAC hat mit dem Erfolg bei Fußball-Serienmeister Salzburg am Sonntag zum Abschluss der Herbstsaison ein Ausrufezeichen gesetzt. In der Europa League in die K.o.-Phase eingezogen, haben die "Wölfe" auch in der Meisterschaft wieder Erfolge eingefahren und ihre Anwartschaft auf den Platz in der Meistergruppe unterstrichen. Sind die ersten vier der Tabelle bereits enteilt, ergibt sich hinter dem Fünften WSG Tirol nun ein breites Feld an Verfolgern.

Die Wolfsberger, der SKN St. Pölten, der TSV Hartberg und die in Innsbruck am Sonntag mit 3:1 triumphierende SV Ried folgen auf den Plätzen sechs bis neun. Die Wattener und die Innviertler trennen dabei vier Zähler. Auf einem zweistelligen Tabellenplatz überwintert indes die Austria. Nun bereits acht sieglose Runden haben die Wiener weiter in die Bredouille gebracht. Mit einem 1:1 gegen den LASK dank einer Heldentat von Patrick Pentz gab es zum Jahresabschluss immerhin erschöpfte, aber auch zufriedene Gesichter.

Gestrahlt wurde in Wals-Siezenheim - jedoch nicht im Lager des Dominators der vergangenen Jahre, sondern beim Außenseiter. Nach einem europäisch glanzvollen, in der Liga aber durchwachsenen Herbst kam der WAC-Sieg überhaupt als "i-Punkt über dieses Jahr an Superlativen", wie es Coach Ferdinand Feldhofer formulierte. Eliel Peretz schoss nach 2:0-Vorsprung und 2:2-Zwischenstand in der 79. Minute den Erfolg der Lavanttaler heraus.

"Hätte uns das jemand gesagt, dass wir als Dritter fix an der Europa League teilnehmen, die Gruppenphase souverän meistern, wieder im Cup-Viertelfinale stehen und als Top-Sechs überwintern... Viel mehr geht nicht meiner Meinung nach", befand Feldhofer. In der Liga ist man erstmals seit der zweiten Runde wieder in der oberen Tabellenhälfte zu finden. Und man hat im Nachtrag gegen Sturm Graz am 17. Jänner noch die Chance, den Rückstand zu verkürzen.

Die Erholungsphase ist nun also recht kurz, dennoch kein bisschen weniger nötig - auch wenn man mit zwei Ligasiegen en suite auf dem Weg ist, eine Serie zu starten. "Die Pause ist nicht schade, ganz ehrlich", meinte Feldhofer. "Es war ein krönender Abschluss. Die letzten Spiele waren auf sehr hohem Niveau, aber trotzdem sind wir froh, dass die Pause da ist."

Am Wiener Verteilerkreis entluden sich die violetten Emotionen nach Pentz' Elferparade gegen Rene Renner in der 97. Minute. Der Austria-Torhüter rettete sein Team nicht zum ersten Mal in diesem Herbst. Man sei "zumindest ein bisschen belohnt worden", meinte Pentz über das Remis. Der eine Punkt hilft der Austria dennoch nicht wirklich weiter. Im Frühjahr müssen die finanziell mehr als klammen Favoritner Siege einfahren, um ihre Chance auf die Meistergruppe am Leben zu halten.

Dass die Tabelle die schonungslose Wahrheit abbildet, wird in der sportlichen Leitung nicht bestritten. "Es fehlt immer ein bisschen was in diesem und jenem Bereich. Wenn jede Woche ein bisschen was fehlt, fehlt das auch in der Tabelle. Das ist dann relativ viel", sagte Peter Stöger. Die Austria stünde "berechtigt dort, wo sie steht". Dass gegen den hoch eingeschätzten LASK dank viel Laufarbeit zumindest ein Remis geholt wurde, tue seiner gebeutelten Mannschaft vor der Liga-Pause aber gut, urteilte der Coach der Wiener.

Sportlich und vor allem finanziell rosigere violette Zeiten soll bekanntlich ein neuer Investor bringen. Der Vorstandsvorsitzende Markus Kraetschmer bestätigte im Vorfeld der Partie gegenüber Sky, dass es "mehrere Interessenten" gebe und an Angeboten "gebastelt wird". Die Interessenten sollen aus dem amerikanischen Raum aber auch aus dem Inland und "anderen Kontinenten" kommen.

Kraetschmer holte im Interview auch zum Schlag gegen Kritiker aus. "Viele Ratten kriechen jetzt wieder aus den Löchern, die einige Zeit verschwunden waren", sagte er. In der Krise werde es eben oft "sehr einsam auf der Brücke", meinte der langjährige Austria-Manager. Er werde aktuell für alles verantwortlich gemacht, was im Verein schief gelaufen sei. Kraetschmer, dessen Vertrag im kommenden Juli ausläuft, betonte, dass er kein Sesselkleber sei: "Wenn es die Lösung ist, dass die Austria wieder erfolgreich ist, wenn es den Markus Kraetschmer nicht gibt, dann sollen sie diese Lösung machen. Da habe ich kein Problem damit."

In der Tabelle wurde die Austria vorerst auch von Ried ausgebremst. Bei den Innviertlern machte sich der "Schweitzer-Effekt" bemerkbar: Nach der Übernahme des langjährigen Assistenten, der anstelle des beurlaubten Gerald Baumgartner die Geschicke leitet, bis ein neuer Cheftrainer gefunden ist, klappte es sofort mit dem ersten Auswärtssieg in der Saison. In Innsbruck gewannen die Rieder verdient.

"Sechs Minuten drei Tore - da waren wir sehr zielstrebig. Dann waren die wichtigsten 20 Minuten, genau das zu halten. Kompliment, dass wir das dann so durchgehalten haben", meinte Gerhard Schweitzer über das fulminante Comeback seiner Mannschaft nach Wiederbeginn, das in den Treffern von Marco Grüll via Elfmeter, Bernd Gschweidl und Ante Bajic mündete. "Wenn wir aus dieser Niederlage lernen, kann es positiv werden", versuchte WSG-Coach Thomas Silberberger, etwas Gutes zu finden. Die Wattener sind nach wie vor Fünfter. "Aber der Tabellenplatz ist ein brutal trügerischer. Wir tun gut daran, weiter Altach und die Admira zu beobachten."

Quelle: Agenturen