APA/BARBARA GINDL

Tourenskisport in Österreich ist jünger und weiblicher geworden

20. Dez. 2022 · Lesedauer 3 min

Der Tourenskisport in Österreich ist jünger, weiblicher und leistbarer geworden. Das zeigt eine Erhebung der SKIMO Austria.

In der Corona-Pandemie hat die ehemalige Nischensportart demnach einen weiteren Aufwärtstrend erlebt, dem Handel im Bereich Hartware ein Plus von 30 Prozent beschert und sich mit rund 700.000 Skitourengehern als Breitensport etabliert. Das Durchschnittsalter sank auf 36 Jahre, der Damenanteil stieg auf rund 40 Prozent.

Liftschließungen als Antreiber

"Die Pandemie hat uns im Skibergsteigen sehr geholfen, speziell für Handel und Industrie", sagte der Präsident des Vereins Skibergsteigen Österreich (SKIMO), Karl Posch, am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Salzburg. In einer Zeit, wo es auch zu Liftschließungen gekommen ist, sei das Interesse auch wieder von jenen Wintersportlern geweckt worden, die ihre Tourenski lange Zeit im Keller verstaut hatten. Auch viele Frauen sind als Einsteigerinnen zum Skitourensport gekommen. Die vergangenen zwei Jahre "sind sehr positiv für den Skitourensport gewesen", pflichtete ihm Irina Andorfer, Sales Managerin bei Dynafit in Österreich und Deutschland, bei. Im Gegensatz zum Jahr 2021 nehme jetzt allerdings die Nachfrage etwas ab.

180 Millionen Euro Handelsumsatz in Österreich

In der Vorjahressaison 2021/22 wurden weltweit rund 340.000 Tourenski, 320.000 Bindungen und 325.000 Tourenskischuhe (ohne Hybrid) verkauft. Der Anteil der Tourenski-Produktion am Weltskimarkt betrug 13,6 Prozent, der Handelsumsatz in Österreich mindestens 180 Millionen Euro und international rund eine Milliarde Euro.

Peak erreicht

"Rund 30 Prozent der verkauften Ski waren im letzten Jahr Tourenski", erläuterte Gernot Kellermayr, Statistiker beim Verband der Sportartikelerzeuger und Sportausrüster Österreichs (VSSÖ). In der Wintersaison 2021/22 wurden in Österreich rund 65.000 Paar Tourenski und 61.400 Paar Tourenskischuhe verkauft. Im Segment Skibergsteigen habe es ein Plus von 30 Prozent gegenüber der Vor-Coronazeit gegeben. Bei den Skiverkäufen sei der Tourenskianteil bei rund 28 Prozent gelegen. Der Peak wird sich laut Andorfer allerdings nun langsam harmonisieren. "Ein leichtes Wachstum wird bleiben", prognostizierte Kellermayr.

Lager sind "sehr voll"

Auch Jens Oellrich, der bei Bergzeit.at für Business und Development zuständig ist, verzeichnete in der Corona-Phase einen Zuwachs von 30 Prozent. Was die Wachstumsraten betreffen, werde es dieses Jahr schwieriger werden, meinte er. Im Onlinehandel sei ein Plus von zehn Prozent in den nächsten Jahren zu erwarten. Die Rahmenbedingungen in diesem Jahr seien aber schwieriger. Die Lager im Handel "sind sehr voll", weil die Order für 2022 sehr optimistisch war. Deutlich erkennbar ist für Oellrich auch, dass der Kunde sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt. Die im Sommer gestartete Secondhand-Plattform sei gut angekommen.

Wirtschaftliche Bedeutung nimmt zu 

Die wirtschaftliche Bedeutung des Skitourensports nimmt zu, und nur mit dem Tourismus werde sich die Tourenskiszene weiterentwickeln, sagte Posch. Der alpine Skilauf sei keine Konkurrenz, sondern schaffe Synergien, erklärte Christian Schirlbauer, Geschäftsführer der Ferienregion Dachstein-Salzkammergut. In dieser Region wurden kostenlose Aufstiegsspuren für sechs große Touren aller Schwierigkeitsgrade abseits der Piste eingerichtet. Nur für das Parken würden die Gemeinden etwas verlangen. Er verwies auf das "Projekt sanfter Winter" in der Region, das auch Angebote für Langläufer, Schneeschuhwanderer und Wanderer beinhaltet und ein Beispiel für Mut und eine gute Zusammenarbeit von Stakeholdern sei.

Nachhaltiger Toruismus  wird groß geschrieben

Roland Kals, erster Vorsitzender des Alpenvereins Salzburg, hob die zunehmende Bedeutung eines nachhaltigen Bergtourismus hervor. Ein Vorzeigeprojekt sei die "Initiative Bergsteigerdörfer", die vom Alpenverein im Jahr 2008 ins Leben gerufen wurde. Mittlerweile haben sich über die Grenzen von Österreich hinaus im deutschsprachigen Raum 36 Orte beziehungsweise Talschaften dem Projekt angeschlossen. Angestrebt wird ein wertschöpfender Ganzjahrestourismus. In Hüttschlag im Großarltal liege der Anteil der Skitourengeher bereits bei 15 Prozent aller Winternächtigungen, betonte Kals.

Quelle: Agenturen / Redaktion / tgo