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"Tennis im Glaskasten": Trendsportart Padel erobert Europa

09. Juni 2022 · Lesedauer 9 min

In Spanien gilt die Sportart als zweitbeliebteste des Landes. In Schweden strömen tausende Fans bei den Turnieren in die Hallen. Und auch in Österreich ist ein Boom zu erkennen. Padel-Tennis liegt im Trend. Und könnte schon bald auch ins Programm der Olympischen Spiele aufgenommen werden. Eine Bestandaufnahme über das "Tennis im Glaskasten".

20 Millionen aktive Spieler:innen weltweit, 10.000 Zuschauer:innen bei Spielen in der Halle und bis zu 500.000 im TV oder per Stream: Padel Tennis boomt. Wer noch nie davon gehört hat, kann sich noch bis Sonntag in Wien von der Trendsportart überzeugen. Die besten Spieler:innen der Welt schlagen in der Steffl Arena auf und spielen sich dabei ein Gesamtpreisgeld von 200.000 Euro aus. Die Vienna Padel Open sind das erste Turnier auf höchstem Niveau im deutschsprachigen Raum. 

Doch alles der Reihe nach: Was ist Padel eigentlich genau? Es handelt sich um eine vom Tennis abgeleitete Sportart, bei der im Doppel-Modus im Wesentlichen nach denselben Regeln gespielt wird. Entscheidender Unterschied zum Tennis ist der "Glaskasten" in dem gespielt wird und der durch zwei Rück- bzw. Seitenwände das Spielfeld begrenzt. Zudem sind die Schläger aus unterschiedlichem Material. Serviert wird von unten.

Das Spiel ist von extrem vielen taktischen Elementen geprägt. Es geht nicht so sehr darum selbst Punkte zu machen, sondern viel eher den Gegner zu Fehlern zu zwingen. Das bestätigen Christoph Krenn und David Alten. Die Beiden bilden Österreichs erfolgreichstes Padel-Duo und messen sich auf der World Padel Tour mit den besten Spieler:innen der Welt.

Krenn/Alten schreiben Geschichte

In der Steffl Arena haben sie am Mittwoch Geschichte geschrieben - als erstes österreichisches Paar, das auf der Padel Tour ein Spiel bestritt. Beim 1:6, 4:6 gegen das spanische Top-Duo Diaz/Arroyo haben sich die Österreicher wacker geschlagen.

"In den letzten acht Jahren haben wir auf so einen Moment hingearbeitet. Wir waren oft in Spanien, haben uns viel selbst finanziert. Mit diesem Match wurden wir belohnt, es war unfassbar genial", so ein euphorischer David Alten nach dem Match.

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Top-Duo in Spanien "so bekannt wie Nadal"

Als deutschsprachige Spieler sind Krenn/Alten auf der Tour beinahe ein Unikat. Auf der World Padel Tour wird nämlich weitestgehend nur eine Sprache gesprochen: Spanisch. Das wird bei einem Besuch der Steffl Arena schnell klar.

Spieler:innen, Trainer:innen und Offizielle kommen entweder aus Spanien oder aus Südamerika. Das beweist auch ein Blick auf die aktuellen Top-20 der Männer-Weltrangliste. Dort befinden sich neun Spanier, neun Argentinier und zwei Brasilianer. Bei den Damen ist die spanische Dominanz (15 in den Top-20) noch klarer ersichtlich.

Verwunderlich ist das nicht. Auch wenn die Sportart ursprünglich aus Mexiko kommt, gilt Spanien als das Mutterland des Padel oder Padél, wie es dort genannt wird. Knapp 15 Millionen aktive Spieler:innen sind dort registriert. Viele große Turniere finden in Spanien statt. Das Interesse der Zuschauer:innen und der Medien ist immens.

"Das beste Duo ist dort genauso bekannt wie Rafael Nadal", behauptet Christoph Krenn. Die Rede ist von Alejandro Galan Romo und Juan Lebron Chincoa. Das aktuelle Nummer eins Duo der Welt ist bei den Vienna Padel Open zu Gast und hat am Donnerstag sein Achtelinfal-Spiel souverän mit 6:1, 6:4 gewonnen.

Paradebeispiel Schweden 

Während in Österreich Padel Tennis noch in der Kinderschuhen steckt und kein aktiver Spieler seinen Lebensunterhalt damit verdient, sieht das in Spanien ganz anders aus. Lebron/Galan gelang es sogar einen Sponsorendeal mit Red Bull an Land zu ziehen. Alle Spanier:innen, die auf der World Padel Tour aktiv sein, können davon leben, so Krenn. Das Preisgeld zwischen Männern und Frauen wird dabei stets gerecht verteilt. In Wien werden in den jeweiligen Bewerben somit je 100.000 Euro ausgeschüttet.

Da die Preisgelder bei den Turnieren im Vergleich zu anderen Sportarten niedrig sind, finanzieren sich viele Top-Spieler:innen großteils über Werbung und Sponsoren, wie Lukas Reichl verrät. Er ist Marketingchef der Padelzone, die im ganzen Land acht Standorte mit Padel-Courts betreibt.

Reichl schwärmt über das schier unendliche Potential, das in dieser jungen Sportart zu schlummern scheint. Aktuell gibt es in Österreich knapp 10.000 bis 15.000 aktive Spieler:innen und 80 bis 100 Courts. Die Nachfrage ist jetzt schon höher als das Angebot.

Als Vorbild nennt Reichl Schweden, das vor knapp fünf Jahren ähnliche Zahlen vorzuweisen hatte. "Mittlerweile gibt es dort 800.000 aktive Spieler und 3.500 Courts." Bei den Malmö Open strömten am Final-Wochenende durchschnittlich 6.800 Beuscher:innen in die Halle.

Reichl hält eine ähnliche Entwicklung in Österreich für möglich ("Der Sportmarkt ist vergleichbar. Die Voraussetzungen sind ähnlich."). Die Padel Tour expandiert zudem ständig. Neben den großen Turnieren in Spanien gibt es mittlerweile Veranstaltungen in Amsterdam, Brüssel, Tampere, Toulouse, Miami oder Acapulco.

Herwig Straka als Organisator

Bei den Vienna Padel Open ist die Padelzone als Partner mit an Bord. Organisiert wird das Turnier aber von "emotion", der Eventagentur von Herwig Straka, die unter anderem das ATP-Turnier in der Wiener Stadthalle veranstaltet. Straka, der Ex-Manager von Dominic Thiem, gilt ist in der Sportbranche alles andere als ein Unbekannter. Er hat sich dem Padel-Sport verschrieben und ist neben Dominik Beier und Ex-Handballer Conny Wilczynski Co-Founder der Padelzone.

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Manager Herwig Straka sind im Padel-Sport großes Potential.

"Wir wollen nicht nur flächendeckend Padel-Courts in Österreich bauen, sondern gleichzeitig auch die nötigen Lösungen – von Online-Buchung bis zum automatisierten Zutritt – liefern und implementieren. In Spanien spielen schon mehr Leute Padel als Tennis, weil es niederschwelliger und einfacher zu erlernen ist", wird der Wiener auf der Homepage zitiert. Die Vienna Padel Open können mit einer TV-Übertragung aufwarten und machen einen toporganisierten Eindruck. Grundsätzlich ist das Turnier für die nächsten vier Jahre geplant. Ziel ist es jedoch sich langfristig auf der Tour zu etablieren. 

Janko, Klopp, Ibra und Co. begeistern sich für Padel

Straka und Wilczynski sind nicht die einzigen prominenten Namen, die eng mit dem Padel-Sport verbunden sind. Zahlreiche Sportler:innen springen auf den Hype auf. Ex-Fußballer Marc Janko scheint in der österreichischen Rangliste auf Rang 69 auf bezeichnet den Sport als "seine große Leidenschaft". Der Fußball-Bundesligist Austria Wien organisierte neulich ein Turnier für seine Anhänger.

Vergangenen Sonntag weihten die Tennis-Asse Jürgen Melzer und Lucas Miedler den Center Court der Steffl Arena im Zuge einer "Pro-Am"-Exhibition. "Ein großartiges Event! Es war eine Ehre, den Center Court "einweihen" zu dürfen. Man merkt, wie schnell der Funke bei allen Beteiligten überspringt", meinte Melzer danach. Ebenfalls mit dabei: Beach-Volleyballer Moritz Pristauz. Dominic Thiem war am Mittwoch als Fan in der Steffl Arena zu Gast und ist bereits des Öfteren auf Padel-Courts gesichtet worden.

WPT

Auch international stößt der Sport auf Begeisterung. Fußballer Zlatan Ibrahimovic betreibt in Schweden seine eigenen Padel-Hallen. Seine Kollegen Andres Iniesta, Neymar sowie die Star-Trainer Zinedine Zidane und vor allem Jürgen Klopp gelten ebenfalls als große Fans.

"Für mich ist das die kommende Sportart. Ich hätte nie gedacht, dass ich in meinem Alter noch die beste Sportart meines Lebens kennenlerne. Ich spiele das fünfmal die Woche. Das ist sensationell", sagte Klopp einst in einem Interview.

Strukturen im Nachwuchs fehlen noch

Während Padel-Tennis für (Ex)-Profis aus diversen Sportarten ein lustiger Zeitvertreib ist, drängen international immer mehr Spieler:innen auf die World Tour bzw. in den Profi-Bereich. In Österreich scheitert dieses Unterfangen (noch) an den fehlenden Strukturen im Nachwuchs. "Das Geld fehlt einfach noch hier und da", meint auch Reichl.

Das soll sich jedoch schon bald ändern. Immerhin 39 Vereine und Standorte gehören der Austrian Padel Union, dem Dachverband der Sportart, bereits an. Tendenz stark steigend. Zudem wurde vor kurzem eine Kooperation mit einer der weltweit führenden Akademien (Hello Padel) unter Dach und Fach gebracht.

Das Ziel ist "dass jede:r Österreicher:in einmal Padel gespielt hat" meint David Alten, der wie sein Partner Krenn stark in die Organisation eingebunden ist. Die Beiden haben gemeinsam die Padeldome GmbH gegründet, die in Wien knapp 30 Plätze betreibt. Durch zahlreiche Reisen nach Spanien habe man "von den Besten gelernt" und möchte "dem Sport auch organisatorisch weiterhelfen", so Krenn.

Vorbild: Beach-Volleyball

Positioniert werden soll die Sportart in Österreich dabei mit einem starken Fokus auf dem Entertainment-Faktor rund um die Spiele. Im Gegensatz zum Tennis darf beim Padel auch während den Ballwechseln gejubelt werden, Musik soll eingespielt werden und der Hallensprecher soll "die Menge anheizen", wie Reichl verrät. "Das ist Teil des Sports und passt dazu", meint er und nennt die Stimmung beim Beach Volleyball als Paradebeispiel. Daran möchte man sich orientieren.

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Während Alten vom Tennissport kommt und dort zu Österreichs Top-100-Spieler:innen gehörte, kam Krenn als ehemalige Nummer eins im Racketlon zum Sport. Der Unterschied zum Tennis ist vor allem das taktische Element des Spiels. Ballwechsel dauern im Schnitt um 60-70 Prozent länger. Quereinsteiger tun sich schwer, wenngleich es auch ehemalige Tennisspieler:innen gibt, die sich nun auf der Padel Tour probieren. Prominentestes Beispiel ist Roberta Vinci. Die fünffache Grand Slam Siegerin im Doppel und ehemalige Nummer sieben im Einzel liegt in der Padel Weltrangliste immerhin auf Rang 49.  

Olympia 2028 mit Padel-Tennis im Programm?

Dass die Sportart rasant wächst und trendet, ist kaum von der Hand zu weisen. Logischerweise haben alle Protagonist:innen ein ganz großes Ziel vor Augen: Nämlich beim größte Sportevent der Welt mit von der Partie zu sein. Bereits 2028 soll Padel-Tennis bei den Olympischen Spielen ins Programm aufgenommen werden, wenn es nach Krenn und Alten geht.

Die Chancen stehen laut den beiden und weiteren Experten gut. Die beiden Österreicher wären zu diesem Zeitpunkt bereits 45 (Krenn) bzw. 41 (Alten) Jahre alt. Die Spiele würden damit wohl bereits zu spät kommen. "Vielleicht als Coach", meint Krenn. Alten fügt an: "Sag niemals nie."

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Die jüngere Zukunft heißt allerdings Vienna Padel Open. Dort steigen am Freitag die Viertelfinal-Spiele. Am Samstag und Sonntag matcht sich die Creme de la Creme des Sports dann um den Titel. Zudem gibt es in der Steffl Arena auch die Möglichkeit die Sportart einmal selbst auszuprobieren. 

Maximilian PatakQuelle: Redaktion