APA - Austria Presse Agentur

Szoboszlai schießt Ungarn zur EM - Auch Schottland dabei

13. Nov 2020 · Lesedauer 3 min

Ungarn darf sich in der "Hammergruppe" der Fußball-EM auf zwei Heimspiele freuen, die Schotten außerdem auf das prestigeträchtige Aufeinandertreffen mit England. Fast 20 Monate nach dem Startschuss in die EM-Qualifikation endete diese in den Play-off-Finali am Donnerstagabend mit trotz teilweise leeren Kulissen dramatischen Szenen. In Budapest wurde Salzburgs Dominik Szoboszlai zum Helden, in Belgrad Schottlands Torhüter David Marshall.

"Es waren vier Isländer vor mir, zum Glück hat Könyves einen genommen und ich dachte mir, bei 20 Metern schieß ich. Es hat funktioniert", schilderte Szoboszlai seinen Antritt von der Mittellinie, der in der 92. Minute mit dem 2:1-Siegestreffer gegen die Nordländer belohnt wurde. In der Puskas-Arena konnten neben Ungarns Spielern und Betreuern zumindest einige Feuerwehrleute, Sanitäter und Ordner ihr Glück kaum fassen. Szoboszlais Wunsch für die Endrunde war ein naheliegender: "Ich hoffe wirklich, dass wir dann vor einem vollen Haus spielen können."

In der Gruppe mit Weltmeister Frankreich, Ex-Weltmeister Deutschland und dem regierenden Europameister Portugal dürfen die Ungarn im kommenden Juni gegen die Franzosen und Iberer in Budapest antreten. Auf die Deutschen treffen sie in München. "Mein Traum als Kind war es immer, einmal gegen Ronaldo zu spielen. Das geht jetzt in Erfüllung", sagte Szoboszlai. Sein Einsatz war nach den vermeintlich positiven Corona-Tests bei Salzburg zu Wochenbeginn noch mehr als unsicher gewesen. Ungarns Sport-Tageszeitung "Nemzeti Sport" titelte in Anlehnung an einen englische Fangesang: "Der Fußball kommt nach Hause!"

Nach einem schweren Patzer von Torhüter Peter Gulacsi, dem ein Freistoß von Gylfi Sigurdsson (11.) durch die Hände rutschte, sah es lange nicht danach aus. Vor Szoboszlais Treffer hatte der eingebürgerte Loic Nego erst in der 88. Minute ausgeglichen. In der Nachspielzeit klärten die Ungarn zunächst noch einen Ball vor der eigenen Torlinie, ehe im unmittelbaren Gegenstoß das 2:1 fiel. "Es war die ganze Woche in unseren Köpfen, dass wir eine EM zu Hause spielen können. Das erleben nicht viele Spieler", sagte Gulacsi im Jubeltaumel. "Das wird ein großartiges Ereignis für Ungarn, ich bin zuversichtlich, dass wir vor Fans spielen dürfen", meinte der Leipzig-Torhüter.

Eine schottische Jubeltraube gab es in Belgrad. David Marshall, schon im Play-off-Halbfinale gegen Israel im Elfmeterschießen Schottlands Held, parierte in der Elferentscheidung gegen Serbien den fünften Versuch von Aleksandar Mitrovic. Nach 120 Minuten war es 1:1 gestanden, wobei den Serben erst in der 90. Minute der Ausgleich gelungen war. Der 35-jährige Marshall, der beim englischen Zweitligisten Derby County unter Vertrag steht, vergewisserte sich danach erst einmal beim spanischen Referee Antonio Mateu Lahoz, ehe er seine Mitspieler jubelnd in Empfang nahm.

Tränen gab es bei Schottlands Torschützen Ryan Christie, als er im TV-Interview meinte: "Das ist für die ganze Nation. Es war ein furchtbares Jahr für jeden, wir wussten, dass wir den Menschen zumindest ein wenig Freude geben können." Mit dem Erfolg sei "eine Last von den Schultern gefallen", meinte der Celtic-Profi. Die schottische Tageszeitung "The Herald" zählte auf: "Sechs Trainer haben es probiert, zehn Turniere sind vergangen. 23 Jahre des Schmerzes." Seit der WM 1998 in Frankreich hatte sich Schottland für kein Großturnier mehr qualifiziert.

Unter Steve Clarke läuft es aber für die Mannschaft. Acht der 14 Spiele unter dem Kommando des 57-Jährigen wurden gewonnen. "Nachdem Marsh den Elfer gehalten hat, haben meine Augen ein wenig geglänzt, aber ich hatte mich unter Kontrolle", sagte Clarke nach der entscheidenden Parade. "Einige meiner Burschen haben geweint, das zeigt, wie viel ihnen das bedeutet."

Auch die Schotten dürfen im kommenden Sommer in Glasgow zwei Heimspiele gegen Tschechien und Kroatien bestreiten. Die zweite der drei Gruppenpartien bestreiten sie im Londoner Wembley-Stadion gegen England. Auf der Insel war die Vorfreude schon jetzt groß. "Was für ein Spiel. Hoffentlich wird es ein fantastisches Ereignis mit den Fans", sagte Englands Trainer Gareth Southgate. Auch er wusste mit Blick auf die Corona-Pandemie aber: "Das ist jedoch das eine Ding, das niemand von uns kontrollieren kann."

Quelle: Agenturen