APA/ERWIN SCHERIAU

Struber sieht im Moment "kein Licht am Ende des Tunnels"

Das Coronavirus hat den europäischen Fußball zum Stillstand gebracht. Statt mit Barnsley im Abstiegskampf zu punkten, befinden sich die Legionäre des englischen Zweitligisten dieser Tage auf Heimaturlaub. Dazu zählt auch der in Kuchl bei seiner Familie weilende Coach Gerhard Struber, der nicht mit einer baldigen Fortsetzung der League-Championship-Saison rechnet.

Das Coronavirus hat den europäischen Fußball zum Stillstand gebracht. Statt mit Barnsley im Abstiegskampf zu punkten, befinden sich die Legionäre des englischen Zweitligisten dieser Tage auf Heimaturlaub. Dazu zählt auch der in Kuchl bei seiner Familie weilende Coach Gerhard Struber, der nicht mit einer baldigen Fortsetzung der League-Championship-Saison rechnet.

"Ich sehe im Moment überhaupt kein Licht am Ende des Tunnels, dass die Meisterschaft in dem Jahr fertiggespielt wird", sagte der 43-Jährige am Montag im APA-Gespräch. Grund dafür sei auch der Umgang der Politik mit der Causa. So gingen bis vor kurzem in England noch Großveranstaltungen - etwa ein Pferderennen mit 200.000 Zuschauern - über die Bühne.

Mittlerweile wurden Maßnahmen gesetzt. "Die werden aber in keinster Weise so umgesetzt, wie das in Österreich der Fall ist. Durch diesen Laissez-Faire-Führungsstil wird es wohl in den nächsten Wochen zu einem rasanten Anstieg von Erkrankungen kommen", vermutete Struber.

Er mache sich richtig Sorgen um seine Kollegen in England. "Dort ist das Gesundheitssystem ein ähnliches wie in Italien. Ich habe die Angst, dass da in den nächsten Wochen der Kollaps richtig kommt", so der Salzburger. Italien gilt als warnendes Beispiel, ist aktuell am stärksten von der Lungenkrankheit Covid-19 betroffen.

Szenarien, wie man die Saison noch zu Ende bringen will, gibt es viele. Hinter allen steht ein großes Fragezeichen. "Ich verstehe die Vereine und TV-Partner, dass sie aus wirtschaftlicher Sicht die Saison mit aller Macht zu Ende spielen wollen. Aber der Coronavirus ist etwas, was den Fußball gerade so klein macht, dass ich mir total schwer vorstellen kann, dass das sauber zu Ende gebracht werden kann", ist Struber pessimistisch.

Seine von einem Infektionsfall noch nicht betroffenen Spieler müssen für den Fall der Fälle bereit sein. Seit 13. März arbeiten Michael Sollbauer und Co. über den Globus verteilt via Heimprogramm an ihrer Fitness. Via GPS werden die fußballspezifischen Laufeinheiten überwacht, auch Kräftigungsübungen stehen an. Kommuniziert wird via WhatsApp-Gruppe. "Ich muss die Burschen da auch sensibilisieren, dass sie dranbleiben, weil es ist ja kein Urlaub, sondern nur eine Übergangsphase", so Struber.

Die Dauer ist offen. Strubers Rückflug ist vorerst für 30. März geplant, die Saison-Fortsetzung mit 30. April anvisiert. "Ich gehe davon aus, dass das nach hinten verlegt wird", sagte Struber. Dadurch könnte noch mehr Zeit mit der Familie samt seinen zwei Kindern herausschauen. In der Heimat genießt Struber die Natur vor der Haustüre auch laufend oder schneidet im eigenen Wald hobbymäßig Bäume um. "Das letzte Dreivierteljahr war für mich sehr belastend. Europacup mit dem WAC, dann bin ich von einem Fahrwasser ins andere gesprungen und musste gleich wieder quicklebendig sein. Deshalb genieße ich es jetzt einmal, durchzuschnaufen, auch einmal aus der Fußballwelt auszusteigen und Dinge zu machen, die mir persönlich guttun", erläuterte Struber.

Sein Team liegt wie bei seiner Übernahme am 20. November am Tabellenende. Für Struber kein Grund, das Engagement zu bereuen: "Es war der absolut richtige Schritt, ich bin als Trainer sehr gereift." In der Liga gab es für ihn sieben Siege, vier Remis und zehn Niederlagen. "Es sind viele Dinge in eine sehr gute Richtung gegangen, gleichzeitig sind die Teams, die mit uns auf Augenhöhe sind, richtig ins Punkten gekommen." Die Wintertransferzeit habe eine Rolle gespielt. Die Konkurrenten hätten zwischen vier und zehn Millionen Pfund in die Hand genommen, Barnsley rund eineinhalb.

Der vom WAC geholte Sollbauer etablierte sich schnell als Abwehrchef, der ebenfalls aus Kärnten gekommene Marcel Ritzmaier wurde nach starkem Beginn durch mittlerweile überwundene Knieprobleme gebremst. Problematisch blieb die fehlende Kaderbreite des kleinsten Ligavereins. "Wir haben 16 bis 18 ligataugliche Spieler, dann ein großes Gefälle", sagte der Ex-WAC-Coach. Auch nicht förderlich ist im Abstiegskampf die fehlende Routine. "Wir haben eine Mannschaft, die teilweise aufgrund von jugendlichem Leichtsinn Fehler macht. Wir sind jetzt aber in einer Situation, wo Fehler machen fast nicht mehr erlaubt ist", ist sich Struber bewusst.

Neun Runden vor Schluss fehlen sieben Punkte auf einen Nichtabstiegsplatz, drei Teams müssen den Gang in die dritte Liga antreten. Profitieren könnte Barnsley, wo mit dem nach einem Muskelabriss am Hüftbeuger wieder fitten Tormann Samuel Sahin-Radlinger und Stürmer Patrick Schmidt zwei weitere Österreicher spielen, von einer Ligaannullierung. "Ich habe den großen Wunsch, dass wir es sportlich regeln, dass wir in der Liga bleiben", will sich Struber damit nicht beschäftigen. Ein Saison-Abbruch könnte aus seiner Sicht viele Clubs vor Liquiditätsprobleme stellen.

Sein Vertrag läuft bis Sommer 2022. Der Club hat signalisiert, auch im Abstiegsfall mit ihm weiterarbeiten zu wollen. Struber will sich erst nach Saisonende mit der Thematik befassen.

ribbon Zusammenfassung
  • Das Coronavirus hat den europäischen Fußball zum Stillstand gebracht.
  • Statt mit Barnsley im Abstiegskampf zu punkten, befinden sich die Legionäre des englischen Zweitligisten dieser Tage auf Heimaturlaub.
  • Dazu zählt auch der in Kuchl bei seiner Familie weilende Coach Gerhard Struber, der nicht mit einer baldigen Fortsetzung der League-Championship-Saison rechnet.
  • "Ich gehe davon aus, dass das nach hinten verlegt wird", sagte Struber.